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Erster Band.
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Zweites Buch: Griechische Geschichte.

Z 111.

gab der neue Flottenführer bald nach Übernahme des Oberbefehls in denhellespontischen Gewässern den glänzendsten Beweis. Nachdem er sich derStadt Lampsakos bemächtigt hatte, legte er sich auf der asiatischen Seite desHellespont vor Anker gegenüber der athenischen Flotte, die unweit Sestosan dem flachen Ufer bei den Ziegenflüssen (Aegospotamoi) ausgestellt war.Alkibiades, der in der Nähe weilte, warnte die Feldherren, in einer soexponierten Stellung zu bleiben, wurde aber hochmütig abgewiesen. Daswurde den Athenern, die noch immer ihre Gegner als Seeleute unter-schätzten, zum Verderben; denn gerade aus diesen Hochmut hatte Lysanderseinen Plan gebaut. Die athenische Schiffsmannschaft, die viermal vergeblichden Kamps angeboten hatte, überließ sich bald der sträflichsten Sorglosigkeit;die Land- und Seesoldaten ruhten entweder in Zelten oder gingen ihremZeitvertreibe nach. Diese Nachlässigkeit der Gegner machte sich Lysanderzu Nutze. Von allem Wohl unterrichtet, brach er plötzlich mit der ganzenpeloponnesischen Flotte von Lampsakos auf, überfiel unerwartet die feind-

Aam°i lichen Fahrzeuge und vernichtete fast ohne Schwertstreich bei Aegos-potamoi die ganze athenische Seemacht. „Es war kein Schlagen, sondernein Schlachten; scharenweise wurden die Athener niedergemacht, gefangenoder zersprengt, die Schisse ohne Gegenwehr genommen oder zerstört." Nuracht Trieren, die Konon nach Chpern zu dem hellenischen Fürsten Euagoras(Z 121) rettete, und das Staatsschiff Paralos, das die Trauerbotschaftnach Athen brachte, entgingen dem allgemeinen Verderben. DreitausendAthener nebst mehreren Anführern wurden hieraus in Lampsakos derRache der Spartaner als Opfer geschlachtet. Der Feldherr Philokles, derim festlichen Gewände seinen ünglücksgefährten voranschritt, empfing denersten Stoß und gab den übrigen das Beispiel mutigen Ertragens.

Ende des Bald darauf fand auch Alkibiades uach einem wechselvollen Leben ein gewaltsames

Alttbi-des EM, Nach der Schlacht von Aegospotamoi fühlte er sich in Thrakien vor den Lakedämoniernnicht mehr sicher und begab sich mit feinem bedeutenden Vermögen in die Satrapie desPharnabazos, Bithynien, in der Hoffnung, wie einst Themistokles, das Ohr des persischenGroßkönigs zu gewinnen- Aber der unversöhnliche Haß der Spartaner verfolgte ihn auchhier, und hinein spielte das Interesse des KyroS, der, von den Spartanern in feinen ehr-geizigen Plänen (Z 120) unterstützt, des Atheners Enthüllungen fürchtete. So mußte denn derSatrap Pharnabazos widerwillig dem Drucke dieser beiden weichen, und Alkibiades wurdedem Tode geweiht. Seine Wohnung wurde auf Befehl des Persers von Truppen umzingelt,das Haus in Brand gesteckt und er selbst, als er sich durch die Flammen retten wollte, ausder Ferne mit Pfeilen erschossen. So starb der merkwürdige Mann, ehe er noch dasfünfzigste Jahr erreicht hatte, im fernen Phrygien durch Mörderhand. Begabt wie wenigeSterbliche, hat er während feines unruhigen Lebens seinen fruchtbaren Geist mehr zumSchaden als zum Nutzen seines Vaterlandes angewendet. Mehr gefürchtet als geliebt, ister im Tode nur wenig betrauert worden.

von Athm Seit der Niederlage von Aegospotamoi war die Macht der Athenerdahin. Nachdem Lysander die mit ihnen verbündeten Inseln und Städteznr Unterwerfung gebracht und durch Einführung aristokratischer Re-gierungsformen an Sparta gekettet hatte, schloß er in Verbindung mitKönig Agis Athen, wo sich eine Menge heimatloser Menschen zusammen-drängte, von der Land- und Seeseite ein. Groß war die Angst und Sorge,was das Schicksal der Stadt und des einzelnen sein würde. Trotzdembestand die Demokratie unter Kleophon fest aus dem Plane, wenigstensmit Ehren unterzugehen, und ging selbst aus sehr maßvolle Bedingungen derSpartaner (Niederreißung von 10 Stadien der langen Mauern, Abtretungaller auswärtigen Besitzungen außer Lemnos, Jmbros, Skhros, wo attischeKleruchen waren) nicht ein. Da mischte sich Theramenes (8 110) ein, erbot