244 Zweites Buch: Griechische Geschichte. Z 112.
KEasundgixß hoch Kritias den Theramenes (ß 111) ohne weiteres verhaften und den° Giftbecher trinken, weil dieser ihm auf der Bahn wilder Gewaltthat undTyrannei nicht länger folgen wollte. Unter dieser Regierung des Schreckenskam Athen an den Rand des Untergangs. Nur 3000 Bürger besaßen vollesBürgerrecht; reiche Schutzbürger (Metöken) wurden ermordet und beraubt;in acht Monaten sollen über 1500 Menschen getötet worden sein; ja, umganz sicher zu sein, scheute sich Kritias nicht, eine spartanische Besatzungsogar aus den altheiligen Burgfelsen zu legen. Jedoch die größte Gefahrbaniu-n vermochten die Dreißig nicht abzuwenden: die zahlreichen Verbannten, dieDemokraten der Demokratie anhingen. Zwar setzte es Kritias durch seinen FreundLysander durch, daß der gefährlichste von allen, Alkibiades, von Pharnabazoshingemordet ward (Z 111), und brachte die Lakedämonier sogar dahin, einGesetz zu geben, daß keiner dieser Verbannten in einer dem peloponnesischenBunde angehörenden Stadt aufgenommen werden durfte. Aber geradedas letztere war das Verderben; in Argos wurden sie mit offenen Armenempfangen, und in Theben, das sich durch Spartas Übermacht beunruhigtfühlte, war eine Art Hauptquartier der athenischen Emigranten. Unter-dessen dauerte die Schreckensherrschaft in Athen fort, und die Dreißig ver-loren auch die Sympathien derer, die sie bis dahin unterstützt hatten. Dafaßten sich die demokratischen Verbannten ein Herz, und ihrem tapferenFührer Thrashbulos (Z 110) gelang es, in der Grenzseste Phyle die Flücht-Sturz^dor lwge um sich zu sammeln. Ein Angriff, den die Dreißig auf ihn unter-nahmen, mißglückte, und nun fand Thrashbulos rasch Zulauf, so daß erbald vermochte, sich des Piräus zu bemächtigen und die Oligarchen im Feldezu bestehen. Kritias fiel im Kampfe und mit dem Tode des Führersbrach die Herrschaft der Dreißig zusammen. Die 3000 Bürger setzten sieförmlich ab und bestellten eine neue aristokratische Regierung von zehnMännern. Die noch übrigen Mitglieder des Kollegiums der Dreißig ver-ließen Athen und begaben sich nach Eleusis, das ihnen treu ergeben war.
Aber es schien, als wenn die Demokratie nichts erreichen sollte; denndie Leute des Thrashbulos und die Regierung in der Stadt konnten sichWu-rstand "icht verständigen, und so kam es denn abermals zum Kampfe. Schließlichi-sr fühlten sich die Oligarchen so bedrängt, daß sie Sparta um Hilfe angingen.
,gar °n Sofort machte sich Lysander auf, um Athen vollends zu Boden zu treten, jDen Oligarchen wurde Geld bewilligt, eine Flotte unter Libys, LhsandersBruder, blockierte den Piräus, und Lysander selbst lagerte mit einemHeere bei Eleusis. Aber schon längst war der letztere den Spartanern zuLysandi? Mächtig geworden. Die blutigen Greuel, die mit seinem Regierungsshstem
eingezogen waren, hatten überall, sogar in Sparta, Stürme der Ent- 'rüstung erregt. Deshalb wurde von der spartanischen Regierung demKönig Pausanias die Leitung der Angelegenheiten übertragen. DasBundesheer geriet mit den Demokraten ins Gefecht, und nachdem diesegeschlagen waren, zeigte sich Thrashbul zum Unterhandeln bereit. Darauskam unter Vermittelung des Königs Pausanias zwischen den beidend^r Parteien Parteien der athenischen Bürgerschaft eine Aussöhnung zu stände, infolgeE deren durch eine unter dem Archontat des Eukleides vorgenommeneGesetzesrevision die demokratische Verfassung in ihrer alten, gemäßigten Formwiederhergestellt, einige Reformen vorgenommen, die Rechtsansprüche ausBesitz und Eigentum nach Billigkeit geschlichtet und dem geschwächten Staatedurch Erteilung einer Amnestie Ordnung und Ruhe zurückgegeben wurden.