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Erster Band.
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§ 113. Drittes Kapitel: Bon den Perserkriegen bis zum Tode des Epaminondas. 245

Kurze Zeit darauf kam es mit den Oligarchen in Eleusis zum Kampf,in dem die Führer fielen oder gefangen wurden und dieser oligarchifcheNebenstaat verschwand. Lysander, erbittert über das Beiseiteschieben, dasman ihm zugedacht hatte, versuchte, dem Könige Pausanias wegen Landes-verrats den Prozeß zu machen. Als ihm dies mißlang, ging er nachÄgypten in freiwillige Verbannung. In Sparta folgte man indes nachaußen hin noch eine Weile seinen Bahnen, und so häufte sich überallStoff zum Unwillen über die neue Regentenstadt an, der sich bei gegebenerGelegenheit entladen mußte.

O. Die geistigen Bewegungen seit dem Jahre H50.

1. Philosophie.

§ 113. Die sophistische Bewegung. Beginn der Rhetorik. Es war nichtzufällig, daß die Gedanken der ungebildeten Menge sich immer weiter von densich läuternden Anschauungen der Gebildeten in der griechischen Welt trennten.Denn die stets erneute Berührung und Befruchtung von feiten des Orientsbrachte neue geheimnisvolle Religionen, z. B. derKabeiren von Samothrake(Z 57, 87), der großen Mutter aus Phrygien, des Sabazios nachHellas, und diese verquickten sich mit der vorgefundenen orphischen Theologie(8 87) und den altheimischen Geheimdiensten. Voll Widerwillen wandte sichder gebildete Mann von dieser sinnenlustigen, den Verstand leer lassendenGötterverehrung und suchte seinen Trost bei der neu erblühenden Philosophie.

Aber auch diese vermochte ihm, zunächst wenigstens, nichts Befriedigendeszu bieten. Von den materialistischen Anschauungen der vorigen Periode (§ 88, 89)hatte sie sich zwar losgesagt, war aber hierbei ganz und gar im Negativenstecken geblieben und leugnete jede sichere Erkenntnis. Da dem obersten Objektaller Philosophie, der Natur, wegen des geringen Kenntnisstandes, über denman verfügte, sich nichts Sicheres abgewinnen ließ, so wandte man sich demzweiten Objekte, dem Menschen und dem menschlichen Geistesleben zu. Ausdessen Betrachtung ergab sich den neuen Weisheitslehrern, die mit der Sicher-heit, die ihr Auftreten kennzeichnet, sich Sophisten (Künstler im Weisesein)nannten, daß man nichts genau wissen könne und alles dem Zweifel unter-worfen sei. Ihren Ausgangspunkt hatte diese neue Lehre in Stellten; Koraxund Tisias waren ihre Hauptvertreter. Dabei trugen die neuen Prophetender Richtung ihrer Zeit Rechnung. Diese verlangte, nachdem die Demokratiealle Schranken beseitigt hatte, die Gesetz und Herkommen bisher gezogen hatten,gebieterisch eine Vorbildung für die politische Thätigkeit des einzelnen; daswichtigste Erziehungsmittel für den künftigen Staatsmann aber erkannte manin der Ausbildung der Redekunst (Rhetorik). Die Beredsamkeit ward schonfrüh bei den Hellenen hochgeschätzt, war aber mehr eine Sache der natürlichenAnlage als der wissenschaftlichen Behandlung gewesen. Nunmehr begann man überdas Wesen ihrer Mittel und Wirkungen nachzudenken und fand als neue Kunst diesorgfältige Ausgestaltung des Beweisens. Eine Reihe Theoretiker traten auf:Korax aus Syrakus und sein Schüler Tisias begründeten die Theorie derGerichtsrede, Gorgias aus Leontinoi ward der gefeierte Festredner, Zenon,des Parmenides Schüler (§ 90), wurde der Vater der Dialektik. Den tiefstenEindruck machte die neue Kunst in Athen, das die besten Lehrer an sich zogund mit Begeisterung hörte, bis es eigene Vertreter aufzustellen vermochte.Leider ward aus der Kunst gar bald eine Künstelei, die sich prahlend rühmte,aus allem alles beweisen und aus einer schlechten Sache durch ihre Redeneine gute machen zu können. In der Ethik gelangte man bald dazu, alle

Sturz derOligarchen

Sophist»

Rhetorik

Koraxum 460Gorgiasum 4W