H 139. Viertes Kapitel: Die makedonische Zeit (360—190 v- Chr.). 291
viele dem König bisher treu ergebene Freunde. Schon im nächsten Jahr,als Alexander sich zum indischen Feldzug rüstete, kam es bei einem Opferfestin Marakanda zu einer neuen Blutthat. Der schwarze Kleitos, der dem^^ungKönige am Granikos das Leben gerettet hatte (§ 134), führte beim Fest-mahl verletzende Reden, die bei zunehmender Aufregung endlich in bittereSchmähungen gegen den Fürsten übergingen. Ergrimmt riß der Königeiner Wache die Lanze aus der Hand und schleuderte sie auf den Feld-herrn, der sofort tot zu Boden stürzte. Der raschen That folgte die tiefsteReue; verzweiflungsvoll warf sich Alexander über den Leichnam undbetrauerte den Toten drei Tage lang in seinem Zelte ohne Schlaf, ohneSpeise und Trank.
Kurze Zeit nachher brach eine zweite Verschwörung der königlichen Edel- Kallisth-nssknaben aus, an der Kallisthenes aus Olynth, ein den König begleitenderLitterat, den Hauptanteil hatte. Dieser Mann, ein Neffe des Aristoteles, warein Gegner der immer mehr um sich greifenden Orientalisierung des Königs.
Als die Verschwörung entdeckt und die Schuldigen bestraft worden waren, wardauch er verhaftet und ist kurze Zeit darauf durch Henkershand gestorben.
§ 139. Die Heerfahrt «ach Indien (327—325). Nunmehr machte fandensich Alexander an seine gewaltigste Unternehmung, die Heerfahrt nachIndien, die schon den Alten in einem zauberischen Lichte erschien. MitHerakles, dem weltbezwingenden Heros, ward Alexander von den schmei-chelnden Hellenen verglichen und seine indische Heerfahrt dem Siegeszugdes Dionysos an die Seite gesetzt. Dadurch wurde der Feldzug nach demsagenreichen und wundersamen Goldlande, der dem neuen Weltreich dieVollendung geben sollte, in das Zwielicht mythischer Überlieferung gestellt.
Gegen Ende des Frühlings 327 verließ Alexander mit einem großen, ausallen Völkerstämmen gemischten Heer das baktrische und sogdianischeBergland und machte sich nach dem Kabulstrom (Kophen) und dem Indusauf. Große Beschwerden und Kämpfe gegen die Natur und die kriege-rischen Völkerschaften hatte das Heer zu überwinden, ehe es an die „ver-riegelten" Pforten Indiens klopfen konnte. Langsam rückte er entlangdes Kophen vor, nie ruhend, bis der letzte Gegner im Rücken unter-worfen war. Seine glänzendste Waffenthat war die Einnahme derunersteiglichen Felsenburg Aornos, deren Name eine selbst dem Vogelflug A°rn°sunerreichbare Höhe bezeichnen sollte. Die streitbaren, von ihren Büßernund Priestern angefeuerten Bewohner der Berggegenden setzten indessendem Welteroberer einen kräftigeren Widerstand entgegen als die feigenUnterthanen des Perserkönigs. Mehr als einmal schwebte bei Erstürmungder festen Burgen Alexanders Leben in der höchsten Gefahr. Die gegen-seitige Eifersucht der vielen kleinen Fürsten des Fünsstromlandes (Pendschab)kam jedoch den Makedoniern zu Statten. Kaum hatte Alexander denIndus überschritten, so verbanden sich mehrere derselben, vor allem derreiche Herrscher von Taxila, mit ihm gegen Poros, dem mächtigstenKönig des Landes jenseits des Hydaspes (Dschilam). Der Übergang überdiesen Fluß im Angesicht des Feindes und die darauf folgende Elephanten-schlacht, in der der tapfere Poros verwundet und gefangen wurde und 2V 000Inder die Walstatt deckten, gehören zu den größten Kriegsthaten desAltertums. Berühmt wurde die Begegnung der beiden tapferen Fürsten,bei der Poros auf die Frage, wie er behandelt sein wolle, dem Alexanderantwortete: Königlich!, eine Aufforderung, der Alexander auf das Groß-
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