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Erster Band.
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Zweites Buch: Griechische Geschichte.

Z 1S5.

in der Physik ihm die Atome als Grund des Seins erschienen, so erklärt er in seiner Ethikdie Individuen siir den Zweck alles Thuns. Ziel des Daseins bei den Göttern wie bei denMenschen sei die individuelle Glückseligkeit; bei jenen bestehe die Glückseligkeit darin, daßsie von „dem mühevollen Geschäfte der Weltbildung und Weltregierung ausgeschlossen seien",bei diesen in einem „Freisein von allen schmerzhaften, die Zufriedenheit störenden Zustünden".Darum ist von ihm auch die Lehre vom Staat schwer zu begründen: für Epikur ist ernur insofern erträglich, als er die individuelle Glückseligkeit verbirgt, und das „Lebe imVerborgenen" ist sein liebster Wahlspruch. — Diese Philosophie, die bei Epikur selbst noch inedler Haltung und Gestalt auftrat, artete in der Folge zu einer Lehre der Genußsucht undSinnenlust aus. Denn während Epikur die Glückseligkeit in die Selbstgenügsamkeit desWeisen sehte, den geistigen Genüssen, als den dauerhastern und reinern, den Vorzug vorden sinnlichen gab und in Tugend und Klugheit die sichersten Mittel zur Glückseligkeiterkannte, verließen seine Schüler bald „die feine Linie zwischen dem feinsinnlichen Quietis-mus des Gefühls und dem Wohlbehagen an materieller Lust", ergaben sich ohne Rückhaltder letztern und gelangten endlich zu jener, alles höhere geistige und religiöse Streben ver-achtenden Sinnlichkeit, in deren Befriedigung der entartete Epikureismus den Zweck desLebens suchte. Epikurs Charakter und Sitten waren rein und untadelig, wie einseitig,mangelhaft und oberflächlich auch sein Standpunkt und seine Lehre sein mochten. Diebescheidenen Bedürfnisse des genossenschaftlichen Lebens, das er mit seinen Schülern undAnhängern führte, wurden durch gemeinschaftliche Beiträge bestellten; man rühmte die ein-trächtige Freundschaft, Milde und Menschenliebe der „grübelnden Gartcnbewohner". —- Daßdiese neuen Systeme, die nur alte Gedanken ausbeuten, nicht befriedigen konnten, liegt aufder Hand. Es mußte sich aus ihnen allen ein neues Gebäude erheben: der später bei denRömern auftretende Eklekticismus (8 204, 255).

§ 155. Die exakten Wissenschaften. Die talentvollen Köpfe der alexandri-nischen Zeit wendeten sich hauptsächlich den Wissenschaften in engerem Sinne zu.Den größten Vorschub leisteten hierin die Neigungen verschiedener Herrscher-häuser, als Mäcene der Wissenschaft zu gelten. Die königliche Freigebigkeitder Ptolemäer gründete das Museum in Alexandria, eine wissenschaftlicheStiftung, die ihresgleichen nicht hatte; und etwa ein Jahrhundert späterentstand am Hofe der Attaliden die Bibliothet von Pergamon, bestimmt,mit Alexandria in Rivalität zu treten.

Philologie Eine der Hauptaufgaben, die sich diesen gelehrten Centren stellten, wardie genaue Herausgabe aller klassischen Schriftwerke. In Alexandria ward diePhilologie geboren. Kritik und Erklärung wurden gleichmäßig gepflegt.Aristo- Gelehrte (wie Aristophänes von Byzanz, Erato sth enes, AristarchBMnz°"u. a.) brachten die Werke der alten griechischen Dichter und Schriftsteller inErat^sthen-sEassen, entwarfen von ihnen ein Meisterverzeichnis (den sogenannten Kanon),27 S—los reinigten den Text von Fehlern und Einschaltungen und erklärten die dunkeln^Earchos Stellen durch Noten und Kommentare. Ihr wichtigstes Studienobjekt warendie Jlias und Odyssee, aber auch die großen Prosaiker erfreuten sich ihrer bisins kleinste eingehenden Fürsorge. Die immer von neuem Agptens Boden ent-steigenden Litteraturschätze lehren uns, daß die meist vortreffliche Erhaltungder antiken Litteraturdenkmäler in der Hauptsache dem Fleiße und der Hin-gebung dieser Gelehrten verdankt wird.

Naturkunde Daneben erfreuten sich besonderer Pflege und Ausbildung die Natur-Aftronomie s linde, die Astronomie und die mathematischen WissenschaftenMathsmaltk den auf deren Anwendung beruhenden technischen Künsten und Gewerben.Schon in der Blütezeit von Hellas war die Himmelskunde dem regsamen Geistedes griechischen Volkes nicht verschlossen geblieben; doch wurde sie immer mehrals Hilfswissenschaft für das praktische Leben, für die Zeitrechnung, für dieBestimmung und Einteilung des Jahres und der religiösen Festzeiten, und fürdie Festsetzung des Kalenders, als um ihrer selbst willen ausgebildet. So hattemn4Zs lurz Vor dem Ausbruch des peloponnesischen Krieges der Athener Meton fürdie Jahresberechnung den neunzehnjährigen Schaltkreis aufgestellt, der langeZeit im Gebrauch war. Einen wesentlichen Umschwung bereitete schon dieempirische Philosophie des Aristoteles vor; aber erst die größere Bekanntschaft