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Erster Band.
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§ 154.

Viertes Kapitel: Die makedonische Zeit (360—190 v. Chr.).

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sollte", verhängte der letztere „durch die gebotene Ruh e (Apathie) und Übung(Ascetik) des Weisen die möglichst enge Beschränkung und freudige Kampf-sertigkeit". Beide sanden in dem aufrichtigen Festhalten an der erforschtenWahrheit Trost und Ermutigung aus ihrem Lebensgange.

Der willenskräftige Stoicismus ist eine Verjüngung der kynischen Schule in veredelter StoicismusGestalt. Zenon, ein Kaufmann aus Kittium auf Cypern, gab sein Geschäft auf und widmete Zenonsich in Athen der Philosophie, der er bis zu seinem im hohen Greifenalter freiwillig ge-wählten Hungertode mit größter Festigkeit und Charakterstärke ergeben blieb. Von schwäch-lichem Körper, den er durch Übungen gegen alle Beschwerden und durch Entbehrungenwunderbar abhärtete, war Zenon rein in Sitten und Wandel, enthaltsam und müßig, Herrseiner Begierden und Leidenschaften, kurz und bestimmt in seinen Reden und von derbem,finsterm Wesen. Seine aus einer Mischung der platonischen und kynischen Grundsätze be-stehende Lehre erhielt von der Säulenhalle (Stoa) in Athen, wo er sie vortrug, ihren Namen.

Die stoische Philosophie zerfiel in die drei Teile der Logik (und Rhetorik) Ethik (undPolitik) und Physik (und Theologie). Unter Logik (einem Worte, das Wohl Zenon seineEntstehung verdankt) faßten die Stoiker alles zusammen, was sich auf die Rede (griech. Logos)bezieht, und teilten sie in Rhetorik und Dialektik. Die letztere zerfiel in die Lehre vomBezeichnenden (was man jetzt Erkenntnistheorie nennt) und vom Bezeichneten (die jetzt sogenannteformale Logik). Hierbei waren die Stoiker ausgesprochene Empiriker, verfielen aber späterhinin Formalismus. — In ihrer Physik suchen sie die Metaphysik des Platon und Aristo-teles zu vereinigen. Sie lehrten, daß nicht bloß alle Substanzen, sondern auch deren Eigen-schaften körperlich seien; jedoch nehmen sie an, daß der Stoff und die Kraft nebeneinanderoder vielmehr innig ineinander bestehen und daß die Kraft auf die Urkrast zurück geht,die gleich der Gottheit gesetzt wird und die Keime zu allen folgenden Gebilden (die I-ogoisxsrmulikoi) in sich trägt. Die Urmaterie und Urkrast seien im Anfang der Dinge ver-eint und gestaltlos vorhanden gewesen; dieses ätherisch-feurige, mit Vernunft und Willenbegabte Urwesen habe aus sich die erscheinende Welt geschaffen, die es lenke und bewege undeinst durch den Weltbrand wieder in sich aufnehmen werde, um sie in endloser Aufeinander-folge der Welten wieder auS sich zu entlassen (Pantheismus). Die Welt gilt ihnen alsdie beste, die es geben kann, und ist um der Gottheit und der Menschen willen da(Theodicee). In der Naturlehre nimmt bei ihnen die menschliche Seele den wichtigstenPlatz ein, und Chrysippos legt ihr direkt die Unsterblichkeit bei. — Bei weitem amwichtigsten ist aber die Ethik der Stoa. Nach ihr besteht das Glück des Menschen inseiner Gottähnlichkeit. Zu dieser gelangt er auf dem Wege der Weisheit durch dieEinsicht in die göttlichen und menschlichen Dinge und durch ein richtiges Urtheil über Gutund Böse, und auf dem Wege der Tugend durch ein der Naturgemäßes Leben, durchBeherrschung aller Begierden, Leidenschaften und „vernunftwidrigen Regungen" und durchÜbereinstimmung des menschlichen Willens mit der Natur und Vernunft. Der stoische Weiseerträgt die Wechselfülle und Geschicke des Lebens, Freude und Schmerz, Glück und Unglückmit unerschütterlichem Gleichmut, weil ihm alles durch eine äußere ewige Naturnot-wendigkeit oder Verhängnis (Fatum) vom Anbeginn an genau vorausbestimmt ist undein Sträuben wider das Unvermeidliche nicht naturgemäß wäre. Der Selbstmord ist demStoiker kein Verbrechen. — Die wichtigsten Vertreter der Stoa im spätern Altertum waren KieanthssKleanthes (bekannt durch seinen Hymnos) und Chrysippos, die die stoische Lehre inzahlreichen Schriften zu verbreiten und zu stützen suchten. 2 so—M ^

Epikuros von der Insel Samos, in Athen gebildet und in Kleinasien lehrend, gabder kyrenäischen Lehre des Aristipp eine verjüngte Gestalt. Seine Philosophie, die erin einem anmutig gelegenen Gartenhause vor Athen vortrug, zerfiel in Kanonik (Logik),

Physik und Ethik und diente in noch höherem Grade als die stoische praktischen Zwecken,ist ebenfalls aus der Erfahrung hervorgegangen und neigt dem Materialismus zu. In seinerLogik gelangt er zu dem Schluß, daß die Erkenntnis der Wahrheit nur auf dem „momen-tanen Eindruck der Anschauung oder des Gefühls" beruhe. Aus zahlreichen Wahrnehmungenbilden sich Begriffe, die ebenfalls immer wahr fein müssen. In der Physik lehrteEpikur, indem er auf Demokritos (Z 91) zurückgriff, daß es kein von der Materie gesondertesgeistiges Sein gebe, die Materie aber, so wie die Seele und die Götter, aus der zufälligenVereinigung von Atomen bestände. Nach dem Tode trennen sich die Atome, es giebtalso keine Unsterblichkeit der Seele. Der letzteren schreibt Epikur eine völlige Willensfreiheitzu, im schroffen Gegensatze zu dem Fatalismus der Stoa. Durch seine Lehre hoffte er dieMenschen von der Furcht vor den Göttern zu befreien, wenngleich er der letzteren Existenznicht leugnete; einen Einfluß auf die Weltgeschicke schreibt er ihnen aber nicht zu. Wenn

Weber-Baldamus, Weltgeschichte. 21. Aufl. I. 21