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Drittes Buch: Römische Geschichte.
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Stadt. Nach dem gallischen Brande wurde sie genau so winklig und dorf-ähnlich wieder aufgebaut, wie sie vorher war. Der Tempel des JupiterCapitolinus war lange Zeit das einzige namhafte Gebäude der Stadt, unddie von den Aedilen angelegten neuen Kloaken erreichten bei weitem nicht dieausgezeichnete alte Anlage, die dem Servius Tullius zugeschrieben wird. Erst^Bauten ° der willenskräftige Ap. Claudius fetzte den Bau einer Wasserleitung durch,und auf ihn folgte M' Curius, der 290 die Wässer des Anio auf den hoch-gelegenen Esquilin leitete. Ebendahin gehört auch die Anlegung großerMilitärstraßen, die die römischen Kolonien mit der Hauptstadt verbanden.In der privaten Lebenshaltung trat indes mit der Zeit ein beträchtlicher Um-schwung ein. Schon frühe hatte man sich (z. V. in den Zwölftafelgesetzen)gegen den einreißenden Luxus gewehrt, später in der Censur sogar ein eigenesGericht dagegen geschaffen, doch ohne den gewünschten Erfolg. Der steigendeWohlstand brachte eine reichlichere Lebensunterhaltung, die die sonstige fastängstliche Knappheit überflüssig erscheinen ließ. Wenn früher nur die Opfer-schale und das Salzfaß aus Silber waren, begann mit den Pyrrhoskriegensilbernes Tafelgerät und reichlichere Verwendung von Edelmetallen; kostbarerwurden die Gewänder, solider und ausgeschmückter die Wohnhäuser, und all-mählich bereitete sich die Periode auch für Rom vor, wo Geschmack und Kunstzur Geltung wmmen sollten.
Religion In ihrer nüchternen Naturreligion fanden die Römer kaum Anlaß, derund Kunst Gottheit mit künstlerisch geformten Bildern und Worten zu dienen. Griechen-land blieb für immer die Stätte, von der sie ihre Anregungen sich holten, zuerstzweifellos mit dem Umweg über die Etrusker. Neben die altlatinischen Haus-götter, die Laren, die Vesta, Jupiter und Juno, traten, je mehr sich dieGrenzen des Reiches erweiterten, andere Götter ein, so Aeskulap, Aphrodite,Apollo und Herakles nebst den Dioskuren. Aber es blieb der alte Formalismus,die Spitzfindigkeiten des Ceremoniells, die „herzverhärtende Werkgerechtigkeit".Da bei den Griechen die Philosophie schon längst die Religion abgelöst hatte,als Rom in den Kreis der weltgeschichtlich wirkenden Völker trat, konntendie Götter Griechenlands nicht mehr naiv überzeugend wirken, als die Römersie kennen lernten. Die Freidenkern zog mit den Griechen in den oberenSchichten der römischen Gesellschaft ein, die breiten Massen des Volkes aber,die sich ihre Religion nicht rauben lassen wollten, nahmen das gesamtegriechische Pantheon in ihre Vorstellungen auf, und dahinter verschwandbis auf wenig leicht verwehte Spuren die altitalische Religion. — Darauserklärt eS sich auch, daß von einer national-römischen Kunst, die das Heilig-tum schaffend baut und schmückt, nicht die Rede sein kann. Die griechischenFormen wurden übernommen, jedoch nicht die der Blütezeit, sondern die derNachblüte der Kunst (Z 151). Das Haus, das dem Gotte gebaut ward, istder nur wenig veränderte griechische Tempel mit korinthischen Säulen, Metopen,Giebelfeldern, Friesen und der herkömmlichen Einteilung. Die Bilder, die ihnM 2 schmückten (die ersten soll C. Fabius Piktor am kapitolinischen Tempel an-gebracht haben), und die Statuen, in denen man das Abbild der Gottheit an-betete, waren hellenisch. Eigenartig italisch ist nur der Rundtempel, der sichdes^Kunus Es dem Quellenhaus entwickelt zu haben scheint. — Mehr Eigenart bewahrteder Gottesdienst. Uralte Gebräuche, wie der Tanz der „Springer" (Salier),der Wettlaus der Wolssbrüder (Luperci) um den Palatinus, der Umzug derArvalbrüderschaften (§ 161) um die Feldmark blieben bis in die letzten Tageder Republik. Dazu traten uralte heilige Gesänge, im nationalen saturnischenVersmaß, die wir noch zum Teil besitzen. Ein besonderes Lieblingsfest derRömer war der Triumphzug, bei dem der siegreiche Feldherr mit seinemHeere in festlichem Gewand (in gestickter Toga mit dem Scepter) zum Tempeldes Jupiter auf dem Triumphwagen hinaufzog, um ihm für den Sieg zudanken, während die Soldaten dazu derbe Lieder sangen.