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Drittes Buch: Römische Geschichte.
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Ansiedlungen waren nicht, wie die griechischen Kolonien, die neue Heimat ihrerBewohner; sie dienten nur dem Handel der reichen Kausherren, die aus denFabriken und Bergwerken unermeßlichen Gewinn zogen, aus dem Grundbesitzgoldene Ernten einsammelten, die einträglichen Ämter in den Tochterstädten be-kleideten und die Unterthanen zum Dienst im Heer und auf der Flotte nötigten.
worftn^Be- Selbst die libyschen Hirten- und Bauernstämme, denen sie ihre Sprache und
völkermig Sitten auszwangen, wurden durch sie nicht aus dem Zustande roher und wilderZustände emporgehoben; nur zum Teil vermischten sie sich mit ihnen undbildeten das Volk der Libyphöniker, das aber ebenfalls in Knechtschaftgehalten wurde. Mit Widerstreben und grollendem Herzen dienten diese inden karthagischen Heeren; die Herren selbst verschmähten den Kriegsdienst,warben aus den unterworfenen Unterthanen ihre Heere, und auch ihre Schiffewaren mit gekauften Sklaven und Ruderknechteu bemannt. Der gartenartigeAnbau der üppigen und fruchtbaren Umgegend Karthagos und die prächtigenLandhäuser auf den mit Olivenwäldern bedeckten Anhöhen bekundeten dendurch gewinnreichen Handel und einträgliche Landwirtschaft erzielten Reichtum;Fleiß und unermüdliche Thätigkeit schufen immer neue Quellen des Wohl-standes für die Bewohner.
R-Ngion Doch treten neben diesen guten Eigenschaften die schlimmen Seiten desSemitismus, unersättliche Habgier und eine teils tiefsinnige, teils wollüstiggrausame Religionsübung, hervor (Z 41). Trotz der innigsten Berührung mitden Völkern des Abendlandes bewahrten die Karthager starr diese beiden Eigen-schaften ; Zeugnis davon legt ihr schrecklicher Molochkultus ab, indem sie sogarvor der Hingabe der eigenen Kinder an die erzürnte Gottheit nicht zurück-scheuten. Auch in allem Übrigen verharrten die Karthager, trotzdem sie dielyrische Kultur fast um ein halbes Jahrtausend überlebten, aus deren Stand-
Wissmschaft purE, Was wir von panischer Wissenschaft und Kunst wissen, ist freilich sehrgering, aber es scheint auch nicht weit über Reisebeschreibungen (Hanno, Himilko)und geschichtliche Aufzeichnungen dürftigster Art hinaus gegangen zu sein.
Verfassung Die Verfassung war aristokratisch. Ein kleiner, aus dem grundherr-lichen Geburtsadel, und ein großer, aus dem Geldadel gewählter Rat(Senat) mit zwei, den spartanischen Königen vergleichbaren Suffeten (Richtern)an der Spitze, besaßen die gesetzgebende Gewalt und leiteten die Rechtspflege,das Heerwesen und die Verwaltung, während der Volksversammlung nuraußerordentliche Fälle zur Entscheidung vorgelegt wurden. Sämtliche Beamtedes Staates, auch die Feldherren, die mit unbeschränkter Vollmacht und un-begrenzter Amtsgewalt den Oberbefehl über die Heere führten, gehörten denvornehmen Geschlechtern an, so wie der mächtige Rat der Hundertmänner,der den Senat überwachte und Heerführer und Beamte zur Rechenschaft ziehendurfte. Die aristokratische Abgeschlossenheit hemmte die Ausbildung eines freienBürger- und Mittelstandes und erzeugte in der Menge Mißvergnügen, trägeGleichgültigkeit und seile Gesinnung. Zwischen der herrschenden Klasse derGroßhändler, der Plantagenbesitzer und hohen Staatsbeamten und der besitzlosen,von der Hand in den Mund lebenden Volksmasse gähnte eine weite Kluft. Dieöffentlichen Einkünfte waren unerschöpflich, so daß Polybios Karthago die reichsteStadt der Welt nennt, und ein großartiges, sonst nirgends erreichtes Finanz-system kam daselbst zur Entfaltung; die militärischen Hilfsmittel waren sehrgroß und die Kriegsflotte und Seemacht allen anderen Völkern überlegen;aber die socialen Mißstände und der nur auf den Erwerb gerichtete Sinn derherrschenden Bürgerschaft nagten an der Wurzel des Gemeinwesens.
Gründlings- Die Sage erzählt die Gründung Karthagos folgendermaßen: Dido (Elissa fZ 89)),"2° die Gemahlin des Sichüus, soll auf der Flucht vor ihrem Bruder Pygmalion ausSidon hierher gelangt sein und, indem sie den Numiderfürsten Jarbas überlistete, dasGebiet Karthagos gewonnen haben. Dieser gestand ihr nämlich auf ihr Drängen so vielLand zu, wie eine Ochsenhaut bedeckte; Dido aber zerschnitt diese in sehr dünne Streifchen