Band 
Erster Band.
Seite
475
JPEG-Download
 

H 226 . Viertes Kapitel: Die socialen und politischen Kämpfe ( 133 — 30 ). 475

Waren, als sie wegen ihres Charakters und ihrer geistigen Gaben dashöchste Ansehen bei jedermann genossen. Zunächst wandte sich Cäsar gegenden großen Redner, und bediente sich gegen ihn eines verwerflichen Werk-zeuges. Als Annäherungsversuche der Agenten Cäsars bei Cicero erfolglos ge-blieben waren, hauptsächlich darum, weil dieser aus die Gunst des Pompejusbaute, erfolgte der entscheidende Schlag durch seinen Todfeind P. ClodiusPulcher. Cicero hatte früher als Anwalt des Senats einen wegen Ver-letzung der Religionsgebräuche Wider Clodius angebrachten Rechtsstreit ge-leitet (§ 225) und diesen bei jeder Gelegenheit durch beißende Reden gereizt.

Durch Cäsars Beistand hatte nun Clodius, nachdem er sich zuvor durchAdoption zum Plebejer hatte machen lassen, das Tribunal erlangt und setztenach einer Reihe anderer Gesetzesvorschläge den Antrag durch, „daß jeden, anu»der einen römischen Bürger ohne ein Volksurteil zum Tode ver-urteilt hätte oder verurteilen würde, die Strafe der Ächtung treffen füllte".

Umsonst suchte Cicero, der nur auf einen Senatsbefchluß hin die Ver-urteilung der Gefährten des Catilina vorgenommen hatte, durch flehentlichesBitten vor dem Volke in Trauerkleidern feine Verbannung zu hindern;als er auch Pompejus vergeblich um Beistand angegangen hatte, ging erfreiwillig in die Verbannung; fein Haus wurde niedergebrannt und zweifeiner Landhäuser zerstört. In der Verbannung zeigte er sich ebenso klein-mütig wie bei feiner Verurteilung. — Mit noch geringerer Mühe setzteCäsar die Entfernung des starrköpfigen C a t o durch, dem, wie zum Höhneauf feine Gerechtigkeit und Unbestechlichkeit, die Wegnahme Cyperns mitten ssim Frieden und die Entfernung des kyprischen Königs Ptolemaeus, einesAbkömmlings des ägyptischen Königshauses, aufgenötigt wurde.

Nachdem die beiden Häupter der Aristokratie beseitigt waren, hatteClodius freie Hand, und es schien, als wenn dieser politische Freibeuter Ci°d,usgesonnen sei, sich kurzerhand an die Stelle der Triumvirn zu setzen und denHerrn der Welt zu spielen. Gestützt auf eine Rotte verzweifelter Gesellen,die durch ihn aufgestachelt zu Mord und Raub auszogen und die geängsteteHauptstadt beherrschten, war er eine Zeit lang der faktische Herr derStadt; ungestraft nahm er Geld, wo er es bekommen konnte, und scheutesich nicht, Pompejus dadurch schwer zu reizen, daß er den gefangenenKronprinzen von Armenien, Tigranes (Z 222), entfliehen ließ und denwieder Eingefangenen mit Waffengewalt befreite. Nicht genug damit, wagteClodius es auch, Cäsar dadurch zu reizen, daß er dessen Gesetze für nullund nichtig erklären lassen wollte. Das führte zwischen Cäsar und Pom-pejus zu einer schnellen Verständigung über die damals schwebende Frage,ob Ciceros Verbannung aufgehoben werden solle. Denn wenn das geschah,so hatte Clodius einen erbitterten Gegner mehr, vor dessen Beredsamkeiter sich mehr fürchtete, als vor den Waffen der andern. Durch wüsteStraßenscenen und nackte Gewalt wollte Clodius die Rückkehr seines Tod-feindes, dessen Haus er sogar gekauft hatte, verhindern. Doch die Senats-partei griff nun zu demselben Mittel wie Clodius; die Tribunen T. AnniusMilo und P. Sestius bildeten ebenfalls bewaffnete Banden, hieltendadurch den Clodius in Zaum und so wurde schließlich die RückberufungCiceros nach sechszehnmonatlicher Verbannung durchgesetzt.

Sowie Cicero nach Hause zurückgekehrt war, bot sich ihm die Möglich- Eb-°usmkeil, den Triumvirn, vor allem Pompejus, den er wieder mit der Senats-Partei verbinden wollte, einen Gefallen zu thun. Pompejus sehnte sich