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Viertes Kapitel: Die socialen und politischen Kämpfe (133—30).
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§ 227. Die Kelten. Cäsar in Gallien (Kv—51). Als Cäsar dieProvinzen Oallia oisalpioa und transalpins. übernahm, war die Sturm-und Drangzeit der Kelten vorüber (Z 175). Die gewaltigen Scharen, diedas Donauthal und Italien besetzt hatten, scheinen die beste Kraft desVolkes gewesen zu sein. Schon 50 Jahre vor Cäsars Erscheinen hatten dieKimbern und Teutonen Gallien überflutet (8 209) und mitten darin dieKolonie der Adnatuker hinterlassen. Alle Kelten außerhalb der eigent-lichen Keltenländer in Gallien und Britannien gehorchten um das Jahr60 römischen Statthaltern, und auch der eigentlichen Keltenheimat drohtedie Gefahr der germanischen Besitznahme (II, Z 12) am Ober-, Mittel-und Unterrhein, als sich Cäsar mit seinen Legionen zeigte, das Land bisan die Meerenge von Calais unterwarf und den ganzen Rheinlauf zurrömischen Grenze machte.
Vor der Ankunft der Römer stand wenigstens das nördliche Gallien noch aus einerniedern Kulturstufe. Der Ackerbau ward wenig geachtet; es galt als unwürdig für denfreien Kelten, den Pflug zu führen; im Norden überwog die Viehzucht durchaus. ImNordosten reichten dichte Wälder, an den Kern der Ardennen sich anschließend, fast un-unterbrochen von der Nordsee bis zum Rheins, und auf den heute so gesegneten FlurenFlanderns und Lothringens weidete damals der menapische und treverische Hirte im undurch-dringlichen Eichenwald feine halbwilden Säue; erst die Römer führten Schafzucht undAckerwirtschaft ein. Im südlichen Gallien war man unter griechischem Einfluß weitcivilisierter, und schon längst zu geregeltem Ackerbau übergegangen. Dem Zusammensiedelnwaren die Gallier von Haus aus geneigt; offene Dörfer gab es überall, aber auch anummauerten Städten war kein Mangel, und die Römer bewunderten die Zweckmäßigkeitund zierliche Jneinanderfügung von Balken und Steinen bei dem Mauerwerk. Zu Landund zu Wasser herrschte ein reger Verkehr; überall gab es Straßen und Brücken, und diegroßen Flüsse wie die See waren mit Segelschiffen und Ruderböten bedeckt. Die Kelten derBretagne holten aus England das Grubenzinn, das sie dann nach Narbo und Massilia aus-führten; auch in der Industrie, namentlich der Metallbereitung, besaßen die gallischenKelten einige Geschicklichkeit, aber die rohe Münzprägung verrät einen geringen Kunstsinn.Alle diese edlen Keime der Kultur erhielten erst durch die Römer ihre Ausbildung.
Die staatliche Verfassung ruhte bei den Galliern auf dem „Geschlechtsgau", mitdem Fürsten, dem Rat der Ältesten und der Gemeinde der freien, waffenfähigen Männer.Bei einigen Völkerschaften war die Königsherrschaft kurz vor Cäsars Ankunft beseitigtworden und der Adel im Besitze der Gewalt. Mächtige und reiche Edelleute hatten einegroße Menge eigener und gutshöriger Leute unter ihrem Schutz und in ihrem Gefolge. Dieeinzelnen Gaue waren unabhängig, nur ein geringer Ansatz zum Hegemoniesystem warvorhanden. Nur die belgische, allerdings stark mit Germanen durchsetzte Eidgenossenschaftscheint etwas fester gefügt gewesen zu sein. So kam es denn, trotz der augenscheinlichenGefahren von Osten und Süden her, zu keinerlei einheitlichem Zusammenwirken; Gallienrieb sich weniger durch die Kämpfe nach außen wie nach innen auf. Daneben regte sichfreilich auch das Nationalbewußtsein, das selbst die ritterlichen Vorrechte zu opfern beschloß,um nur die Selbständigkeit zu erhalten, und führte zu der gewaltigen Anstrengung unterVercingetorix, freilich zu spät.
Das wäre nicht möglich gewesen, wenn das Volk nicht in religiöser Beziehung schonlängst geeint gewesen wäre. Die keltische Priesterschast der Druiden umfaßte ganzGallien und die britischen Inseln mit einem gemeinsamen religiös-nationalen Bande.Die Religion der Kelten in Gallien, Spanien und Britannien war ein Naturdienst,in dem ursprüngtich sichtbare Naturdinge und Erscheinungen von imponierender Mächtig-keit den Gegenstand der Verehrung bildeten, bis allmählich Götterwesen als persönlich ge-dachte Naturkrüfte und Urheber dieser Naturerscheinungen der religiösen Andacht vorge-führt wurden. So galt Tarann (Donnerer) als Gott des Himmels, als Beherrscher desWeltalls, als oberster Richter, der den Blitzstrahl unter die Sterblichen schleudert; Belenwar der wohltätige Sonnengott, der die Pflanzenwelt ins Leben ruft und den Kräuterndie heilige Kraft verleiht; Hesus, ursprünglich der göttliche Stifter der Druidenreligion,genoß als Gott des Krieges und der Eroberungen und als Begründer ländlicher Arbeitgroße Verehrung bei allen keltischen Stämmen; Teutätes war der Beschützer der Industrie,der Kunstthätigkeit und der Verkehrswege; daher setzten ihn die Römer mit Merkur gleich.
Zuständein Gallien
Kultur
Staat
Religion