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Erster Band.
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Drittes Buch: Römische Geschichte.

Z 227.

Verwandt mit ihm war Ogmios, der Gott der Beredsamkeit, der freien Künste undWissenschaften. Den keltischen Stämmen eigentümlich war der Glaube an die Feen,weibliche Gottheiten, die den Lebens- und Schicksalsfaden der Menschen spinnen, „mütterlicheJungfrauen", welche als Schuhgeister über Länder und Städte wie über einzelne Menschenwalten, in der Vorstellung des Volkes mit allen Vorzügen und Tugenden ausgestattet.

Druiden Die Druiden waren nicht nur die Pfleger, Verkündiger und Lehrer des Glaubens,die Darbringer der Opfer, die Kenner der heiligen, den Göttern wohlgefälligen Religions-gebräuche; sie waren auch Gesetzeskundige, Richter und Ärzte und überhaupt die Trägerdes gesamten geistigen Lebens der Nation. Sie allein ordneten die Zeitrechnung, brachtendas Mondjahr mit dem Sonnenjahr in Übereinstimmung und bestimmten die festlichen Zeitennach dem Umlauf des Mondes. Sie bildeten einen festgeschlossenen Stand mit einem von dergesamten Priesterschaft gewählten Oberhaupte, eigener Ordenstracht, hierarchischen Rangstufenund Geheimlehren, die nur mündlich auf dem Wege der Tradition durch Priesterschulenfortgepflanzt wurden. Sie waren vom Kriegsdienst, von der Steuerpflicht und allenöffentlichen Lasten befreit und genossen viele Vorrechte. Durch solche Vorteile angelockt,traten viele Jünglinge, besonders aus den höheren Klassen, freiwillig dem geistlichen Standebei. Neben den Priestern gab es in Gallien auch weibliche Druiden, die Hüterinnen desMutter- oder Feenglaubens; sie enthüllten die Zukunft durch Orakelsprüchc, vollbrachtengewisse Opfer und sollten auch geheime Zauberkünste besitzen.

Druidische Neben der Unterweisung über die Götter bildete die Lehre von dem Zustande derSeele und von dem heiligen Opferdienst den wichtigsten Zweig des Unterrichts in denPriesterschulen. Die Druiden lehrten nämlich, daß die Seele unsterblich sei, daß sie nachdem Tode in einen andern Körper eingehe und dann in einer schönern Welt ein glückseligesLeben führe, ähnlich dem irdischen in seinen sonnigen Tagen, mit denselben Beschäftigungenund denselben Genüssen und Freuden, ja daß sogar die Seligen mit den HinterbliebenenErdenbewohnern noch in einer gewissen Verbindung ständen. Dieser Glaube erfüllte die Galliermit Verachtung des Todes und war ein gewaltiger Sporn zur Tapferkeit. Aber er trug auchneben den Thaten der Hingebung und Aufopferung wilde Greuel in feinem Schoß. Eswar nichts Seltenes, daß bei dem Hingang eines angesehenen Mannes sich einige seinerAngehörigen oder Klienten in die Todesflamme stürzten, eine Sitte, die zum Zwange wurde;hatte nämlich ein Familienhaupt die Augen geschlossen, so ließen die Angehörigen einigeseiner Sklaven oder Schutzbefohlenen, die der Verstorbene am meisten geliebt hatte, tötenund zur Erhöhung der Leichenfeierlichkeit mit dem Herrn verbrennen oder begraben; ebensopflegte man dem Verblichenen auch sein Schlachtroß, seine Waffen, seinen Schmuck insGrab mitzugeben, damit er im andern Leben nicht vermisse, was ihm in diesem teuergewesen war.

D^idischsr Den wichtigsten Teil des keltischen Religionswesens bildete der Opserdienst, der" " namentlich Menschenblut als das wirksamste Versöhnungsmittel der Götter forderte. „Dasgallische Volk," sagt Cäsar, „ist durchweg dem Aberglauben sehr ergeben. Wer an einerKrankheit leidet, wer sich in Krieg oder Gefahr befindet, opfert statt der Tiere Menschen,oder gelobt Menschenopfer. Einige Stämme haben sogar große Götzenbilder aus Weiden-geflecht, deren Glieder sie mit lebendigen Menschen anfüllen; diese werden dann angezündetund die Unglücklichen dem Feuertode geweiht." Lange herrschte noch trotz der Römerherrschaftdie blutige Sitte, alle Kriegsgefangenen unter lautschallenden Gesängen und wilder Musikden Göttern zu opfern, und aus dem rinnenden Blute und den zuckenden Gliedern dieZukunft zu deuten. Noch jetzt giebt es bei den heutigen Kelten eine Menge Überreste ihrerReligion und ihrer Kulturstätten. Von der erstern zeugt der finstere Aberglaube vomzweiten Gesicht, den wir bei den Kelten der Bretagne, in Wales und Schottland finden.Das Stonehenge in der südenglischen Grafschaft Devonshire, die Spitzsäulen (Menhirs), be-sonders bei Carnac auf der Halbinsel Quiberon und die Dolmens (quer über drei aufrechtstehenden Säulen schwebende Platten), die sich in ganz Westfrankreich verstreut finden, geltenheute noch als Reste altkeltischer Kultusstätten.

Herrschaft Als Rom angreifend gegen das Keltenland vorging, befand sich dieses ineinem Stadium innerer Umwandlung. Das alte patriarchalische Königtum,das schon lange nur ein Scheindasein führte, war fast durchweg im Absterbenbegriffen. Wir hören zwar noch von Königen, die regieren oder regiert haben,aber fast überall ist an deren Stelle die Herrschaft des Adels, gestützt aufdas mächtige Druidentum, getreten, und die Führer im Kampfe gegen Cäsarsind die Häupter dieser Nobilität. Daß die Sänger, die sonst an dem Königshofeein glänzendes Dasein hatten, nun ebenso herabsanken, wie es bei den Griechen