Band 
Erster Band.
Seite
504
JPEG-Download
 

504

Drittes Buch: Römische Geschichte.

8 238 .

Ende desAntonius1. Aug. S0

Ägypten

Provinz

Abnutzungder altenBeamten

Senat

kleinern Schiffen Octavians schon etwas im Vorteil, als plötzlich dieFlotte der Kleopatra, die mit 60 Segeln die Reserve des Antonius bildete,nach Süden durch beide kämpfenden Flotten hindurch steuerte. Mochte dieOrientalin nun aus Berechnung oder Laune so gehandelt haben, esgeschah etwas ganz Unerwartetes: Antonius ließ, anstatt die Schlachtauszukämpfen, seine Flotte im Stich und fuhr der fliehenden Königinnach. Trotzdem dauerte die Schlacht noch bis an den Spätnachmittag fort,wo sich der Sieg endgültig auf Octavians Seite neigte. Nach einigemZögern ergab sich auch das Landheer. Damit hatte der Neffe Cäsars einWeltreich gewonnen, und zugleich war der Sieg des lateinischen Westensüber den griechischen Osten entschieden; das neue Kaisertum faßte nundie Kräfte beider Kulturen in sich zusammen und hals die neue griechisch-römische Kultur vollenden, die durch die Renaissance auch noch aus uns wirkt.Zur Erinnerung an die große Entscheidung wurde späterhin von Octaviandie neue Siegesstadt (Nikopolis) an der Stelle seines Lagers gegründetund mit hohen Vorrechten ausgestattet.

Octavian fuhr nach dem Sieg dem flüchtenden Paare nach, das nachmancherlei Irrfahrten in Alexandria gelandet war. Von fast allen An-hängern verlassen, kämpfte Antonius dort einen Verzweiflungskampf, alsihn die falsche Nachricht traf, daß ihn Kleopatra verraten habe und zuOctavian übergegangen sei. Da versetzte er sich selbst den Todesstreich,ließ sich sterbend zu ihr bringen und verschied in ihren Armen, ein reichund glücklich angelegter Mensch, der, zu Hohem bestimmt, seine Leiden-schaften nicht zu zügeln wußte und darum zu Grunde ging. Kleopatra,die die Absicht hatte, auch Octavian zu bethören, merkte, daß ihre Reize beidem neuen Machthaber wirkungslos seien, und er die Absicht habe, sie zurVerherrlichung seines Triumphes nach Rom zu führen, und tötete sichdeshalb, wie es heißt, durch das Gift von Nattern. Ägypten wurde dieerste Provinz des römischen Kaiserreiches und ward, unabhängig vom Senat,im Namen Octavians von einem kaiserlichen Statthalter verwaltet.

L. Innere Geschichte Roms bis zum Ausammenbruch der

Republik.

§ 238. Verfassung und Wirtschaft. Seit dem Beginn der Weltwirtschaftin Rom und den cäsarianischen Reformen (§ 232) hatte sich das Bild nurunbedeutend geändert. Im Staatsgetriebe hatte sich herausgestellt, daßdie alten Beamtenarten sich alle abgenutzt hatten. Die Konsuln warenneben dem neuen Machthaber bedeutungslos geworden, ebenso die etwasniedriger stehenden hohen Funktionäre. Nur die Beamten hatten noch etwaszu bedeuten, die ein Heer befehligten. Mit den Konsuln Hirtius und Pansastarb aus dem Schlachtselde von Mutina auch das Konsulat. Ganz bedeutungsloswar auch das Tribunal geworden, so daß erst nach Jahren Augustus sichdiese Würde zu seinen übrigen zuzulegen veranlaßt fühlte. Vorsichtiger warddie hohe Geistlichkeit behandelt. Die alten Würden der Pontifiees, Fla-min es und andere wurden beibehalten, die religiösen Brüderschaften der Salier,Luperci und Arvalbrüder sorgfältig gepflegt und ihnen neue Genossenschaftenhinzugesellt; ebenso pflegten die neuen Machthaber möglichst die orientalischenKulte (Z 203), deren eine große Anzahl schon seit langer Zeit eingedrungenwar. — Wesentlich änderte sich die Stellung des Senats. Nachdem erjahrhundertelang, wenn auch nicht rechtlich, so doch faktisch die Macht aus-