Z 237. Viertes Kapitel: Die socialen und politischen Kämpfe (183—30). 503
Verhindert. Er selbst war mit Kleopatra, der er die großartigsten Land-schenkungen gemacht hatte, so daß das damalige Ägypten größer war als das„alte Reich" (ß 28), nach Alexandria gezogen, lebte dort mit ihr öffentlichund brachte es schließlich dahin, daß Octavia sich von ihm scheiden lassenmußte. Diese persönlichen Zwistigkeiten verschärften den Streit, der zwischenden beiden Triumvirn schwebte, und in dem jeder dem andern bittere undnicht ungerechte Vorwürfe zu machen hatte. Schließlich war eine Waffen- nentscheidung unvermeidlich und ward dadurch herbeigeführt, daß der Senataus Octavians Betreiben der Kleopatra den Krieg erklärte, nachdem bekanntgeworden war, daß Antonius ihren Kindern testamentarisch römischeProvinzen vermacht hatte.
Von beiden Seiten wurde schon von langer Hand her aus das eifrigstegerüstet. Auch Antonius hatte, trotz seines Schlemmerlebens in Alexandria,das Heer nicht außer Augen gelassen; er verfügte über 30 Legionen, dieallerdings stark hellenisiert waren, und eine gewaltige Flotte von800 Segeln. Die Getreuen des Antonius suchten es durchzusetzen, daß erdie Kleopatra in Ägypten zurückließ und sich allein aus den Kriegs-schauplatz begab. Jedoch umsonst; mit dämonischer Macht umstrickte sieihn und erreichte es, daß sie ihn auf den Kriegsschauplatz, den man ander Grenze beider Reiche suchte, begleiten durfte. Erst in Samos, dannin Athen, schließlich in Korkyra war das Hauptquartier, und der Rest desJahres 32 ging für die Antonianer thatenlos hin — ein unersetzlicherVerlust an Zeit. Denn Antonius hätte die Möglichkeit gehabt, zuerstloszuschlagen, und zwar, wann es ihm gefiel, da Octavians Rüstungennoch nicht beendet waren. Nunmehr gelang es diesem, eine stattliche Flottezusammenzubringen, die Partei des Antonius in Italien niederzuhaltenund bis Brundisium reisend das Hauptquartier der Flotte des Antonius »2gegenüber aufzuschlagen. Octavians Schiffe waren freilich weniger zahlreich,hatten aber der Flotte des Antonius gegenüber den Vorteil, daß sie einegute Übung im Kriege gegen Sex. Pompejus gehabt hatten. Auch dasabendländische Landheer war den Legionen des Äntonius an Zahl nichtgewachsen, aber es enthielt den Kern altitalischer Wehrkraft, so daß die80000 Octavians den 100 000 des Antonius Wohl die Wage hielten.
Der Winter 32/31 war noch nicht zu Ende, als es dem kühnen Vorgehendes Agrippa gelang, sich in Epirus und Korkyra festzusetzen und damitder antonianifchen Flotte, die im Golf von Ambrakia ankerte, und demnoch nicht ganz herangezogenen Landheere gegenüber einen festen Stützpunktzu gewinnen. Dorthin setzte auch Octavian über und besetzte die nördlichenUser des Golfes, während Antonius die südlichen und östlichen Ufer nebstdem Heiligtum des Apollon aus dem Vorgebirge A ctium inne hatte. Ohnegroße Ereignisse zog der Sommer des Jahres 31 vorüber; nur mehrtensich im Lager des Äntonius die Zeichen, daß man seinen Stern im Sinkenwähnte. Im Osten waren fast alle Vassallenstaaten in Heller Empörung;aus seinem Lager entflohen täglich zahlreiche Deserteure. Als sich die Un-möglichkeit herausstellte, das Heer länger zu verproviantieren, beschloßAntonius, die Entscheidung herbeizuführen. Er bemannte die besten seinerSchiffe und fuhr am 2. September 31 aus dem Golfe von Ambrakiahinaus und bot in halbmondförmiger Ausstellung seiner Flotte demGegner die Schlacht an. Bei hohem Seegang schwankte der Kampf hinund her: die mächtigen Galeeren des Antonius schienen gegenüber den