Band 
Erster Band.
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Z 239.

Viertes Kapitel: Die socialen und politischen Kampfe (133—30).

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nennt ihn nicht einmal. Dagegen hatte man sich bequeme Schlagworte zurechtgemacht, um dem hohlen und frivolen Treiben ein Denkermäntelchen umzu-hängen. Auch die Cyniker (Z 115) fanden neue Anhänger und traten, vorallem in Varro (H 240) einen Vorkämpfer findend, der Stoa entgegen.

Doch gab es daneben noch einen Kreis von Menschen, der das echte undedle Römertum, nach Weife der Scipionen und ihrer Freunde (Z 203), fort-zusetzen sich bestrebte und die im römischen Sinne verstandene „Humanität"zu Pflegen sich vornahm. Das waren vor allem Cicero und seine Freunde.Indes darin sind sie von jenem ersten Kreise verschieden, daß dort die That,hier das gesprochene und geschriebene Wort in den Vordergrund traten. Esist ein großes Verdienst Ciceros, daß er, trotz nicht ganz ausreichender Kenntnisund Vertiefung in den Stoff der griechischen Philosophie, doch deren wichtigsteLehren seinen Landsleuten in klarer und verständiger Weise zu überliefern ver-mochte. Zu einem selbständigen philosophischen Standpunkt ist Cicero nichtgelangt. Er selbst rechnet sich zwar zu den Neuakademikern (Z 154) und folgt ihnenin der Methode der Darstellung, aber seine philosophischen Anschauungennehmen aus allen Philosophien das Zusagendste heraus und werden deshalbmit Eklekticismus bezeichnet. Seine Bücher haben nicht den Einfluß aufdie Mitwelt gehabt, den er sich erhofft hatte: begreiflich, denn der Kreis warklein, der sie, trotz des populären Tones, zu fassen vermochte, und die Zahlderer, die dem bequemen Epikureismus oder noch bequemeren Jndifferentismushuldigte, war sehr groß; daneben darf aber auch nicht geleugnet werden, daßdiese Schriften die Philosophie nur wenig gefördert haben, teils weil sie zuflüchtig hingeworfen sind, teils weil sich in ihnen ein fester positiver Stand-punkt nicht findet.

Neben diesen Versuchen, durch Aberglauben einerseits und Philosophie ander-seits dem religiösen Bedürfnis der Menschen genug zu thun, steht die merk-würdige Erscheinung des Mysticismus, die an die orphische Theologie erinnert87) und, wie die spätern Neuplatoniker (ß 269), den Glauben und das Wissenzu verbinden sucht. Dieser antike Spiritismus, der Geister erscheinen und uralteLehren der griechischen Physiker (§88) als Begründung seiner Anschauungen hervor-suchen ließ, spukte besonders in den vornehmen Kreisen. Es war einer der letzten Ver-suche vor dem Auftreten des Erlösers, die alten absterbenden Religionen zu retten.

Wenn auf den Höhen der Gesellschaft es sich zeigte, daß unheilbare Ge-brechen vorhanden waren, so war dies bei der sittlichen Entwicklungdes gewöhnlichen Volkes nicht in gleichem Maße der Fall. Man hat sichnur zu sehr gewöhnt, das Römervolk nach den „Regierenden" zu beurteilen.Es ist schon darauf hingewiesen worden, daß der rapide Verfall der Wirtschaftnicht die breiten Kreise des Volkes traf; ein Gleiches gilt auch von der sittlichenSeite. Aus tausend kleinen Zügen, besonders in Cäsars Schriften, erkennenwir die große militärische Tüchtigkeit, die ohne sittliche Spannkraft nicht zuerklären wäre; und wo uns ein Blick in die niederen Lebenssphären gegönntist, da erblicken wir noch Einfachheit, Treuherzigkeit und die den Römern eigneunübersetzbare virtus. Auszunehmen ist hiervon die hauptstädtische Menge unddas Gesindel, das sich an die Fersen der großen Herren heftete. Aus ihnenging das entsetzliche römische Proletariat hervor, das in seinen Lumpen denHerrn der Welt spielte und später in den Kaisern nur seine Werkzeuge erblickte,die für seinen Unterhalt und seine Unterhaltung sorgen mußten. Erst weitspäter wurden durch die Tendenz der entarteten Kaiser, die Besten des Volkszu beseitigen, auch die oberen Schichten erniedrigt und jene stumpfe Masse ge-schaffen, deren geistiges Leben tot war, lange ehe die würgende Hand derGermanen auch ihre Herrschaft vernichtete.

Die breiten Masten wurden auch wenig berührt durch die neue Jugend-erziehung, die dem griechischen Wesen und dem griechischen Wissen alleThore öffnete. Neben die alte Bildung, die Cato (8 204) empfohlen hatte, und die

Der cicero-niangchsKreis

Eklekticis-

mus

Mysticis-

mus

Sitten

Jugend-

erziehung