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Erster Band.
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508
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508

Drittes Buch: Römische Geschichte.

8 240 .

Hellenisch-

römischer

Charakter

Rhetorik

Cicero

Hortensius

114—50

Vor allem praktische Zwecke verfolgte, also Rechts-, Kriegs-, Heil- und Ackerbau-kunde, war ungefähr um Sullas Zeit schon daS, allerdings erst später so ge-nannte, Trivium: Grammatik, Logik (Dialektik) und Rhetorik getreten, unddazu kam in der Folgezeit noch das Quadrivium (Geometrie, Arithmetik,Astronomie und Musik) h nzu, woraus sich die sieben sogenannten freien Künsteentwickelten, die das Bildungswesen des gesamten Mittelalters beherrschten(II, 8 31, 94). Freilich blieb dieser hellenische Unterricht nicht für sich inseiner abstrakten Loslösung von der Welt bestehen; dazu waren die Römerzu praktisch. Sie hielten an gewissen alten Bildungselementen fest, wie ander Heilkunde und den Lehren vom Ackerbau, was die zahlreichen Lehrbücherüber jene Stoffe beweisen, und formten außerdem das gegebene hellenischeBorbild um. So wurde z. B. die Astronomie, dem Un- und Aberglaubender Zeit entsprechend, zu astrologischen Spielereien benutzt: charakteristisch ist,daß die Lehrbücher des Aratos über Sternkunde (Z 152) uns in nicht wenigerals drei metrischen Bearbeitungen hervorragender Männer (von Cicero, Ger-maniens und Manilius) überliefert worden sind.

§ 240. Litteratur und Kunst im letzten Jahrhundert der Republik. Durchdie sich immer mehr nach Osten zu ausbreitende Macht der Römer ging aufsie auch die Kulturaufgabe über, die die Nachfolger Alexanders hatten lösensollen: die Gesittung des Abendlandes im Orient zu verbreiten. Die Römerbedienten sich hierzu desselben Mittels wie jene, der griechischen Litteraturund Kunst. Fehlte auch dem Volk am Tiber die ideale Richtung und diekunstfertige Hand der Hellenen, so besaß es doch Empfänglichkeit genug, dieedlen Güter fremder Kunstthätigkeit sich anzueignen, Berständnis genug, ihnenein zeitgemäßes und nationales Gepräge zu geben, und Ausdauer genug, sieals teure Gabe zu bewahren und andern Bolksstämmen zuzuführen zur Aus-saat für die kommenden Geschlechter. Das römische Wesen war von so kräftigerNatur, daß es alles Fremdartige in seinem weiten Schoß sammeln konnte, ohnedoch seine angeborene Eigentümlichkeit darüber einzubüßen. Und ging auchder ideale Ton und die formale und technische Vollendung der hellenischenKunst und Litteratur der älteren Tage bei der Verpflanzung unter, so er-langte dafür das Gemeingültige durch die Behandlung und Verarbeitung derpraktischen Römer Festigkeit und Dauer.

Das wichtigste neue Element, das aus dem hellenischen Wesen seinen Ein-gang in die römische Litteratur fand, war die Rhetorik, deren bedeutendsterVertreter Cicero war. Durch diesen drangen die rhetorischen Kunstmittel somassenhaft ein, beherrschten so vollständig die Schriftstellerei, daß er, bei seinemgroßen Einfluß auf die Folgezeit, für sich allein betrachtet werden muß-

Cicero, ein fleißiger Forscher und Leser, dazu ein Meister in Stil und Dar-stellung, wenn auch ohne Erfindungskraft und schöpferischen Geist, hat in seinenphilosophischen Werken nur die Schätze griechischen Forschens und Nachdenkensdargestellt und in seinen rhetorischen Schriften die Lehren und Erfahrungengriechischer Rednerschulen zur Richtschnur genommen; dennoch fühlt man darin denLuftzug römischen Lebens und die Macht großartiger Staatsverhältnisse. InCiceros Reden und Briefen aber wird man mitten in die Jährende Zeithineinversetzt, erkennt man das mächtige Wirken gewaltiger Menschenkräfte aufdem Markt und im Rathaus und das reiche und bewegte Leben der Großen aufdem Schauplatz der Öffentlichkeit wie im Innern der Familie. — Die Über-legenheit, die Cicero im Laufe der Jahre über seinen älteren ZeitgenossenQ. Hortensius in der Beredsamkeit erlangte, war ein sprechender Beweis, wievorteilhaft die griechischen Rednerschulen (Z 204) und das Studium griechischerMuster aus den römischen Staatsmann eingewirkt hatten; seine klassische Sprache,sein glatter Stil, der Wohllaut und die kunstreiche Anordnung seiner Satzgefügetrugen den Sieg davon über die übermäßig verfeinerte, schwülstige und ver-schwommene Beredsamkeit seines Nebenbuhlers. Der gewählte Ausdruck in Ciceros