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Erster Band.
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Drittes Buch: Römische Geschichte.

s 246.

zuverlässige Beamte zu belohnen und festzuhalten. Ihm ist es nachAugustus am meisten zu danken, daß das gewaltige Reich eine Beamten-schaft und Verwaltung erhielt, die des Vertrauens Wert war und dasGanze, trotz aller politischen Erschütterungen, in gutem Gange erhielt.Tiberius war in gewissem Sinn ein echter Römer, den Regungen desHerzens wenig zugänglich, zumal da er bis in seine späteren Mannesjahrehinein am Hofe seines Stiefvaters zurückgesetzt worden war und den Thronnur dadurch hatte erlangen können, daß er aus Befehl seiner MutterLivia seine heißgeliebte erste Gattin Vipsania hatte verstoßen müssen, umdie Erbin des Thrones, die liederliche Julia, zu heiraten. Da er nichtwie Augustus es verstand, den Despotismus zu verhüllen, stand er allein,von allen gefürchtet und alle fürchtend. Mit eiserner Konsequenz vollzogsich bei ihm der Übergang vom Herrscher zum Tyrannen, aber doch um-kleidet seine finstere Majestät etwas Großes. Er wußte, was er wollte,und glaubte schließlich in allem, was er that, nur seine Pflicht zu thun.

§ 246. Caligula und Claudius. Sein Nachfolger Gajus, mit

dem Beinamen Caligula, der unwürdige Sohn des edeln Germanicus,schlug anfangs gemäßigte Bahnen ein, handelte aber bald so, daß manan Geisteszerrüttung glauben mußte, und daß er als der erste Vertreterdes „Cäsarenwahnsinns" erscheint. Er war ein rasender Wüterich, derzu seinem Vergnügen Todesurteile unterschrieb und vollstrecken ließ und

sich an den Qualen und Jammertönen der Gefolterten ergötzte; ein

wahnwitziger Verschwender, der die unsinnigsten Bauwerke unternahm,Spiele und Auszüge von fabelhafter Pracht ausführen ließ und den

tollsten Lüsten sröhnte; ein eitler, hochmütiger Prahler, der prunkendeTriumphzüge über die Germanen und Briten hielt, gegen die er zumSchein einen Feldzng unternommen hatte, ohne ihrer ansichtig zu werden,und sich in Tempeln Opfer darbringen und göttliche Ehre erweisen ließ;ein Schlemmer, dessen schwelgerische Tafel den Staatsschatz und die Pro-vinzen aussog; ein Despot, dem man die Worte in den Mund legte:„Möchte das ganze römische Volk einen Nacken haben, um es mit einemStreich zu vernichten", der, umgeben von Gauklern, Fechtern und Buhl-dirnen, den Mutwillen der Tyrannei auf die Spitze und den Übermut iusLächerliche trieb. Müde der endlosen Hinrichtungen, Güterentziehungenund Erpressungen, bildeten einige vornehme Römer aus der Umgebungdes Hofes eine Verschwörung, in deren Folge der Gardepräsekt Cassius24 . I°n. n Chäreas den aberwitzigen Tyrannen nebst seiner Gemahlin und seinemKinde ermordete. Die Verschworenen eilten dann in den Senat, umihn aufzufordern, die alte republikanische Freiheit wieder herzustellen. Eheaber dazu nur der Versuch gemacht werden konnte, erhoben die Prätorianer,die sich nicht von der Kurie leiten lassen wollten, den bis dahin wenig be-achteten Bruder des Germanicus, den Prinzen Claudius, auf den Thron.Der Senat fügte sich dem neuen Princeps ohne weiteres, da die Bürger-schaft nichts von der früheren Republik wissen wollte.

CjEus Claudius, damals 46jährig, galt von Geburt an als ein Schwächlingund war den ärgsten Zurücksetzungen ausgesetzt gewesen. Er hatte sichdurch gelehrte Arbeit darüber getröstet und fuhr auch als Kaiser fort, einWeltscheuer Mann der Studierstube zu bleiben. Die Regierung überließer seinen Freigelassenen Kallistus, Narcissus, Polybius undPallas, die zwar alle die Fehler besaßen, die man den Freigelassenen