H 252 . Fünftes Kapitel: Das römische Kaisertum (30 v. Chr. bis 385 n. Chr.). 549
gab er auch seines Vorgängers Eroberungen im Osten wieder auf, vollendeteden Limes in Deutschland und legte den Hadrianswall (Z 249) inBritannien an. Er war ein Mann von hoher Bildung und edler Regungenfähig, wennschon Eitelkeit und Dünkel ihm die Schmeichelei lieb machtenund Neid und Mißtrauen ihn gegen das Ende seiner Regierung zu Härteund Grausamkeiten verleiteten. Wie Augustus, sein Vorbild, war auchHadrian bedacht, die monarchische Gewalt zu befestigen und auszubilden.
Am wichtigsten erschien es ihm, die Verwaltung des gesamten Reich es^KMnach allen Richtungen hin auszubauen und, wenn möglich, überall nachdem Rechten zu sehen. Um in den Provinzen möglichste Bewegungsfreiheitzu gewinnen, beschloß er, das hohe Civilbeamtentum von der militärischenLaufbahn gänzlich loszulösen. Zu dem Zweck schied er eine AnzahlSenatoren und Konsularen aus und zog sie als kaiserlichen Geheimratoder Staatsrat (Consilium) bei allen wichtigen Angelegenheiten der Ver-waltung und Rechtspflege hinzu. Besondere Sorgfalt widmete er demGerichtswesen. Nicht nur, daß er selbst häufig Gerichtssitzungen abhieltund den Rechtsgang verbesserte; er ließ auch aus den obrigkeitlichen Er-lassen. die bisher die Hauptquelle des Rechts gebildet hatten, durch dengroßen Juristen Salvius Julianus (§ 258) ein vollständiges Rechtsbuch,Edictumperpetuum, anfertigen und legte dann den Grund zu den kaiser-lichen Rechtsbestimmungen oder „Konstitutionen". Weiterhin ordnete er dasFinanzwesen des Reiches und löste die Besteuerung des Reiches ganz vonder alten Form der Verpachtung (Z 205) los, und schließlich regelte er dieVerhältnisse der Reichspost, die von nun an schnell und sicher durch alledie weiten römischen Gebiete dahin eilte. Nach diesen inneren Reformen ^ 0 «^begab er sich zur persönlichen Beaufsichtigung und Ordnung aus großemehrjährige Reisen nach Osten (Griechenland, Asien, Ägypten) undnach Westen (Gallien, Spanien, Britannien und in die Rheingegenden).
Zu diesen mit geringem Gefolge und meistens zu Fuße unternommenenReisen wurde er teils durch seine unruhige Natur und durch den Triebnach Wissen geführt, teils durch den Wunsch, die Bedürfnisse der Provinzenzu erforschen und ihre Lage nach Kräften zu verbessern.
Kriege wurden unter seiner Regierung, der man mit Recht die Um-wandlung des augusteischen Staats in den Beamtenstaat mit autokratischerSpitze zuschreibt, nur geführt, wenn sie unvermeidlich waren. Gleich imAnfang seiner Regierung mußte er die Jazhgen und Roxolanen, die inDacien einzufallen trachteten, in ihre Schranken weisen. Den härtestenKampf aber hatte er in Judäa auszufechten. Dort waren, nach dem FalleJerusalems (tz 249) in Jabneh, Lydda und Tiberias rabbinische Schulen iW-issentstanden, die die gesamte Überlieferung der jüdischen Lehre in derMischna sammelten und die messianischen Hoffnungen und den nationalenGedanken hochhielten; ihr geistiges Haupt war der gelehrte Rabbi BenAkiba. Um ihnen die Hoffnungen zu benehmen und das Judentumniederzuhalten, hatte Hadrian die Beschneidung verboten und auf derStätte Jerusalems eine römische Kolonie, Aelia Capitolina, anlegen lassen.
Als aus der Höhe, wo einst Salomos Jehovahtempel gestanden, ein Tempeldes kapitolinischen Jupiter errichtet wurde, da griffen die Juden, verführtvon einem Fanatiker, Simon, der sich den Namen „Sohn der Sterne"
(Bar Kokheba oder Bar Kochba) beilegte, nochmals zu den Waffen, umdiesen Hohn abzuwenden. In einem dreijährigen mörderischen Krieg, wobei