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Erster Band.
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Drittes Buch: Römische Geschichte.

52.

Über eine halbe Million Einwohner erschlagen und fast alle Städte undOrtschaften von Grund aus zerstört wurden, erlagen sie jedoch der römischenKriegskunst. Die Überlebenden wanderten massenhaft aus; das Landglich einer traurigen Wüste, und der jüdische Staat nahm hiermit sein Ende.Seitdem leben die Juden über den ganzen Erdboden zerstreut, unvermifchtmit andern Völkern und treu ihren Sitten, ihrer Religion und ihrem Glaubenanhängend. In der Folge erlaubte man den Verbannten, jährlich einmal (am10. August, dem Tage der Zerstörung des Tempels) gegen eine Geldabgabeauf den Ruinen ihrer heiligen Stadt zu weinen und in zerrissenen Trauer-kleidern der vergangenen Herrlichkeit und ihrer Hoffnungen zu gedenken.

Bauthätig- Das Bekannteste aber, was Hadrian leistete, war seine alles umfassende" und bis auf das kleinste durchdenkende Bauthätigkeit. Der Hadrians-wall in Britannien der Limes in Deutschland, die Kolonie AeliaCapitolina auf der Stätte des zerstörten Jerusalem, die StadtAntinoupolis in Ägypten, die von seinem im Nil ertrunkenen LieblingAntinous den Namen trug, die Wasserleitungen, Brücken, Tempel inRom und anderen Städten und so viele Kunstschöpfungen in Athen, woer mit Vorliebe weilte, beweisen die umfassende Thätigkeit des Kaisers.Die VMa Nirgends hat Hadrian seinen Kunstsinn und seinen Reichtum an Kennt-° nisten mehr an den Tag gelegt als in dem berühmt'n Tiburtinum, inder kunstgeschmückten „Billa des Hadrian" bei der alten Stadt Tibur (h. Tivoli)mit den reizenden Wasserfallen. Das prachtvolle Landhaus, das trotz derPlünderungen vieler Jahrhunderte noch jetzt den Anblick eines „Feenirrgartens"Voll überraschender und kostbarer Ruinen darbietet, enthielt die Nachbildungenalles Herrlichen, was das Altertum geschaffen hat. Tempel, Theater, Bäder,Hallen, Prachtsäle mit herrlichen Mosaiken und Bildwerken waren hier nebstden gewölbten Kammern für seine Leibwache in einem Umfange von zehnrömischen Meilen in kunstreicher Vollendung aufgeführt. Die zahllosen Kostbar-keiten, welche man aus den Trümmern hervorgezogen hat, geben den Beweis,wie prächtig die Ausschmückung der Zimmer gewesen sein muß. — In Romferner ließ er eine erstaunliche Menge älterer Bauwerke wiederherstellen,gründete eine Anzahl Tempel (ebenso in Athen) und legte für sich ein riesen-

Die^Engeis-Haftes Mausoleum (Llolss Ilaäriani) an, aus dem später das Mittelalter diesogenannte Engelsburg gemacht hat. Doch waren sowohl die Bauwerkeals die zahlreichen Arbeiten der Bildnerei, unter denen besonders die Antinous-statuen hervorragen, mehr ausgezeichnet durch technische Fertigkeit als durchGenialität der Kunstschöpsung.

KUnst° und tlnd nicht blos in den bildenden Künsten schuf Hadrian eine neueMasten Periode, die letzte Blütezeit: auch die Dichtkunst, die Musik und dieGelehrsamkeit fanden in ihm einen freigebigen Pfleger und Förderer. Erselbst war Dichter und Schriftsteller, doch ist von seinen Erzeugnissen fast nichtsauf die Nachwelt gekommen. Vorzüglich begünstigte er die hellenische Litteraturund Weltwcisheit; daher hatten sich auch besonders griechische Philosophen(Sophisten) und Rhetoren feines Umgangs und seiner Gunst zu erfreuen, aberauch von seiner Eifersucht und Eitelkeit zu leiden. Seine mit den Jahrenimmer mehr hervortretende Neigung für orientalische Mystik und Geheimlehren,worin er den Schlüssel verborgener Weisheit suchte, für astrologische Träumereiund prunkende Vielwisserei brachte eine Menge Sophisten, Schwärmer undMystiker zu Ehren und Ansehen. Unter den Männern, die zu dem Kaiser innäherer Beziehung standen, werden neben Arrian (§ 207), der ihm als Legatin Asien vortreffliche Dienste leistete, namentlich die Philosophen und Sophisten(Z 257) Heliodorus, Favorinus und Dionysius von Milet und die RhetorenM. Cornelius Fronto aus Cirta in Afrika und Herodes Atticus erwähnt.