H 253. Fünftes Kapitel: Das römische Kaisertum (30 v. Chr. bis 395 n. Chr.). 551
Der letztere, im Besitze eines unermeßlichen Vermögens, das sein Vater durchdie Entdeckung eines großen Schatzes aus seinem marathonischen Gute gewonnenhatte, machte einen fürstlichen Aufwand, so daß er in Athen und Delphi inBauwerken mit seinem kaiserlichen Gönner zu wetteifern wagte.
Hadrians Regierungsideal war der bewaffnete Frieden. Durch seine vor-treffliche Verwaltung und sein staatsmännisches Geschick schließt sich diesergroße Kaiser eng an seine Vorbilder Tiberius und Domitianus an, auch darinihnen ähnelnd, daß er gegen Ende seines Lebens mißtrauisch und grausam diesich regende Opposition der hohen Aristokratie niederhielt und selbst vorBlutthaten nicht zurückschreckte. Aus seiner unglücklichen Ehe mit Sabinawar ihm kein Sohn geboren; L. Cejonius Commodus Verus, den er alsNachfolger adoptiert hatte, starb noch vor Hadrian, und als der Kaiser,der lebenslang immer kränklich gewesen war, sein Ende nahen fühlte, er-wählte er als seinen Nachfolger den T. Aurelius Antoninus, der seiner-seits den Sohn des verstorbenen Verus, den jungen L. Antonius Verusals C. Aurelius Cäsar adoptierte. Dann starb Hadrian am 10. Juli 138.
§ 253. Antoninus Pins und Mark Anrel. Der neue schon 52 jährigeKaiser Antoninus Pius erntete den Segen von Hadrians die Grenzenschützender Thätigkeit in einer dem Reiche sehr wohlthuenden Ruhe. Vondem Grundsätze ausgehend, „daß er lieber einen Bürger erhalten alstausend Feinde töten wolle", mied er den Krieg, um seine ganze Sorgeden Künsten des Friedens zuzuwenden. Rechtspflege, Bilduugsauffalten undArmenwesen erfreuten sich seines besonderen Schutzes, so daß seine Re-gierung als die glücklichste der römischen Kaiserzeit gelten kann. Antoninuswar fast der einzige unter den Imperatoren, der, so viel an ihm lag,weder Bürger- noch Feindesblut vergoß und der mit Recht mit Numaverglichen worden ist. Nur an einer Stelle schob er die Reichsgrenzevor, in Britannien, wo er einen neuen Wall zwischen Firth of Clydeund Firth of Solwah ziehen ließ, um die räuberischen Bergschotten imSchach zu halten.
Sein Nachfolger Marcus Aurelius Antoninus der Philosophwar gleich ausgezeichnet in den Künsten des Krieges wie des Friedens.Im Anfange seiner Regierung stand als Mitregent neben ihm L. AureliusVerus, der eine wenig kräftige und für seine hohe Stellung ungeeignetePerson war; er starb während des Markomannenkrieges aus der Reise.Der nunmehr allein weiter regierende Kaiser war „ein Weiser aus demThron" (Z 255), vereinigte Liebe und Sinn für Bildung und Wissenschaftmit stoischer Tugend und Sittenstrenge und mit altrömischer Einfachheitund Abhärtung. Wie sein Vorgänger widmete er der Rechtspflege großeSorgfalt und fand selbst noch unter den Waffen und unter der Viel-geschäftigkeit seines bewegten Staats- und Kriegslebens Muße und Samm-lung zur Abfassung eines Buches voll philosophischer Selbstbetrachtungen.Athen blühte unter seinem Schutze als Bildungsanstalt und durch seinereichen Zuwendungen neu empor. Er lebte in doktrinären Vorstellungen,und so ist es erklärlich, daß unter ihm die Christenverfolgungen in größeremMaßstabe nach den Grundsätzen Trajans aufgenommen wurden und nament-lich in Syrien und in Gallien (Lyon) zahlreiche Opfer forderten (II, Z 2).
Nach außen hin erneuerte Mark Aurel den Kriegsruhm des altenRom. Er beschützte die Ostgreuze mannhaft Wider die Parther und er-oberte abermals die vielumstrittene Stadt Seleukia. Als Feldherrn ließ
Thronfolge
Antoninus
Pius
138—161
Marcus
Aurelius
161—180
Verwaltung
169
Kämpfe ander
Ostgrenze
162-165