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Drittes Buch: Römische Geschichte.
8 257.
Persius34 -62
Juvenal47 -430
Petronius
Martialis42 -102
nommenen Stoff, noch durch die rhetorische Form anzuziehen vermögen. Etwasbesser war es um die Lyrik bestellt. Der Kaiserzeit verdanken wir die Gelegenheits-gedichte (Silven — Wälder) des Statius, die teilweise von reizender Lieblichkeitsind. Den meisten Erfolg aber erzielte eine den Römern von jeher besonders liebeGedichtgattung, die Satiren (§ 204, 244), zu der die ganze Zeit heraus-forderte. So verliehen Übermaß von Bitterkeit und der sittliche Zorn den Worteneines Persius und Juvenal Schwung und Kraft. Auch zwei verjüngte Formender Satire, das kurze Epigramm, worin Personen und Erscheinungen desäußern Lebens mit den Stacheln des Witzes und der Laune angegriffenund in überraschenden Wendungen beleuchtet wurden, und der ausführlichehumoristische Schelmenroman, worin im leichten Fluß der Umgangs-sprache das bewegte Volksleben der Zeit in seiner ganzen Leichtfertigkeit, Un-sittlichkeit und Frivolität dargestellt ward, fanden talentvolle und witzigeBearbeiter, jenes in Martialis, dieser in Petronius. Und würdig reihen sichdie Griechen, vor allem der syrische Rhetor Lucian, an diese römischen Zeit-schilderer an und lassen uns in heiterem und ernstem Worte das Spiegelbildihrer Zeit, an der sie mit einer gewissen Gelassenheit verzweifelten, erblicken.Aber umsonst schwingt Persius zürnend und mit elegischer Wehmut die Geißelder ernsten Satire über die Entartung der Vornehmen und sucht in düsternGesprächen alte Kraft, Sittlichkeit und Einfachheit zurückzuführen; umsonstenthüllt der geistreiche Juvenal in seinen geharnischten Satiren voll lebens-treuer Schilderungen der Wirklichkeit die furchtbare Tiefe der Laster undGebrechen und spottet feiner verdorbenen, vornehmen Zeitgenossen; umsonstsucht der gewandte Grieche Lucian durch seine in Witz und feine Satiregekleideten Schriften die Fehler und Schwächen der Zeit, die verkehrteErziehung und Bildung, die überlebten Sitten und Gewohnheiten, die aufAberglauben und Schwärmerei begründete Religion zu vernichten, damit ausden Trümmern des alten ein neuer und besserer Zustand erblühen möchte,menschlicher Rat kam zu spät; nur eine höhere Macht konnte die untergehendeWelt retten; die Hilfe war bereits erschienen, aber die verblendeten Römererkannten sie nicht, weil sie nicht im Prunke der Herrschaft, sondern imGewände der Demut auftrat.
Die wichtigsten poetischen Erzeugnisse der „silbernen Latinität" und der entsprechendengriechischenLitteratursind satirischer Art. Ihre Hauptvertreter sind: A. Persius Flaccus(34—62), von edler Abkunft aus Volaterrä, war ein Anhänger der stoischen Philosophie. Seinesechs Satiren, in denen er die Ursachen der hauptstädtischen Verdorbenheit schonungslos aufdeckt,sind im Ausdruck dunkel und schwierig. — D- Junius Juvenalis, unter Claudius zu Aqui-num geboren, war in seiner Jugend lange Zeit Militär, wobei er es bis zum Tribunen brachte,übte sich dann in rhetorischer Thätigkeit in Rom, lebte in reiferen Jahren in seiner Vaterstadtund bekleidete dort verschiedene hohe Munizipalämter. Erst ganz spät ging er nach Rom zurückund veröffentlichte dort seine Satiren. Ob ihn, wie manche wollen, in seinem hohen Alter nochdie Strafe der Verbannung nach Ägypten traf, ist ungewiß. Seine sechzehn Satiren sindreiche Sittengemälde der domitianischen Zeit und ausgezeichnet durch künstlerische Darstellungund Korrektheit des Stils. — Das „Satirikon" des Petronius (es ist ungewiß, ob der beiTacitus erwähnte Schiedsrichter des Geschmacks sts 247j unter Nero der Verfasser ist) gehörtjedenfalls der neronischen Zeit an und ist eine Art Roman in ungebundener Rede, die jedoch öftersin leichte graziöse Verse übergeht. Es ist ein mit Geist und Witz verfaßtes Zeit- und Sitten-gemälde, das sich um die Abenteuer und Erlebnisse zweier Freigelassenen und eines verkommenenDichters dreht und worin das „Gastmahl des Trimalchio", eines reichen Emporkömmlings,den wesentlichsten Teil bildet. Der Ton ist humoristisch, und überall läßt sich ein ironischerGrundzug erkennen; Sprache und Ausdrucksweise der redenden Personen drücken durch dielebendige Schilderung das Urteil des Dichters über die Menschenklassen, die sie vertreten,aus. — Der Begründer und Meister der Epigramme war M. Valerius Martialis, derarm und unbekannt aus dem spanischen Bilbrlis nach Rom gezogen war, um sich unterDomitian im Glänze des Hofes zu sonnen, aber nach langen Tagen der Not und Entbehrungwieder in die Heimat zurückkehrte. Seiner Feder entstammten 15 Bücher Epigramme; diesezerfallen in das Buch auf die Spiele, die große Sammlung von 12 Büchern und die beiden