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Erster Band.
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Drittes Buch: Römische Geschichte.

8 257 .

als ein echter Römer der guten alten Zeit geschildert wird, der mitten in der allgemeinen Ver-dorbenheit dem römischen Nationalcharakter mit Ernst und Würde treu blieb. In dasselbeJahr 98 fällt die Abfassung der kleinen Schrift Germania, worin der Geschichtschreiberdie natürliche Beschaffenheit des deutschen Landes, die Sitten und Eigentümlichkeiten seinerBewohner und die verschiedenen Volksstümme darstellte, obwohl nicht nach eigenen An-schauungen und Erfahrungen, sondern nach älteren Aufzeichnungen oder mündlichen Be-richten (8 242). In dieser Schrift entwirft der Verfasser in klarer, aber lockerer Kompositiondas vollständigste Bild des damaligen Germanien mit Unbefangenheit und warmem persön-lichem Interesse, wenn auch vom Standpunkte eines Römers aus, zugleich in der unverkenn-baren Absicht, der einheimischen Verfeinerung und Sittenlosigkeit ein kräftiges Naturlebenentgegenzustellen, die Schattenseiten der römischen Verderbnis durch den Lichtglanz germanischerVolkstugend um so mehr hervortreten zu lassen, ein wahrhaft „goldenes Buch" für die Kundeder deutschen Vorzeit. In den ersten Regierungsjahren Trajans begann sodann Tacitus dasHauptwerk Historien, die Geschichte seiner eigenen Zeit von Galba bis auf den Tod Do-mitians, entweder in 12 oder 14 Büchern, wovon aber nur vier ganz und vom fünften einTeil erhalten sind, an das er in seinem Alter die Geschichte der Zeit unter und nach Nervaanzureihen gedachte. Aber da nach Beendigung der Geschichtsbücher Trajan noch am Lebenwar und es nicht passend scheinen mochte, jetzt schon Hand an dessen Geschichte zu legen,so wählte Tacitus das den Historien vorangehende halbe Jahrhundert seit Augustus' Tod

zur Behandlung. So entstand sein letztes Werk, die Annalen, eine aus den besten

Quellen, den öffentlichen Tagesblättern (Xota Z 244) und Urkunden kritisch bearbeitete Ge-schichte der inneren und auswärtigen Begebenheiten vom Jahr 14 bis 68 nach Chr. in 16 oder18 Büchern, wovon aber nur die Bücher I bis VI (mit einer Lücke in V und Anfang VI)und die Bücher XI—XVI (jedoch das letztere auch nur zur Hälfte), erhalten sind. Als Tacitussich an seine große historische Aufgabe machte, war es ihm klar, daß das Principat eine Not-wendigkeit geworden war; hierdurch war ihm eine gewisse Resignation geboten. Da diePolitik dem Historiker kein genügendes Feld mehr darbot, so legte er den Schwerpunkt seinesSchaffens in die psychologische Entwicklung; die menschlichen Motive jeder Handlung er-schienen ihm als das Beachtenswerteste. Dabei hält er seine eigene Beurteilung durchausnicht zurück und führt die Thatsachen so vor, wie sie ihm erschienen. Je größer aber die

Individualität des Tacitus war, desto weniger wird man glauben können, daß seine Bilder

Abdrücke der Wirklichkeit sind Er war ein vornehmer, kühl denkender Römer, der gernalles in düsterer Beleuchtung sah und geneigt war, von allen Menschen das Schlimmste zudenken, dazu in fast unheimlicher Weise darin geübt, die seelischen Vorgänge der Großendieser Welt zu analysieren. Seine Ausdrucksweise ist trotz der körnigen gedankenreichenKürze, der oft poetisch gesteigerten Sprache und des abgerissenen Satzbaues nicht ohnekünstlerische Sorgfalt und Berechnung, nicht ohne rednerischen Vortrag. Den mit großerGenauigkeit erforschten Thatbestand bestrebt er sich jederzeit ohne persönliche Eingenommenheitfür oder wider darzustellen, giebt jedoch in der Wahl und Färbung der Ausdrücke den Anteilseines Gemüts kund. Während seine Anlage und Schilderung dramatisch lebendig ist, istsein Ton vorherrschend elegisch, voll schmerzlicher Wehmut über all das Unglück, das er zuschildern hat. voll Trauer über den Verlust einer teuren Vergangenheit, voll Sehnsucht nacheiner schöneren Zeit und voll trüber Gedanken über die eigene Vereinsamung.

Sueton C. Suetonins Tranquillus, der gelehrte Vorstand der kaiserlichen Kanzlei (Z 254)

^ unter Hadrian, verfaßte Lebensb eschreibungen der zwölf ersten römischen Kaiser,eine Sammlung biographischer und historischer Notizen und Anekdoten über die Kaiserzeit,größtenteils aus öffentlichen Akten oder mündlicher Erzählung geschöpft. Sie sind, obwohl sieviel nützliches Ouellenmaterial enthalten, kritiklos abgefaßt und haben durch ihren in gutemLatein vorgetragenen bösartigen Klatsch viel zu den düstern Bildern beigetragen, die manfrüher häufig von der Kaiserzeit entworfen hat. Außerdem sind von diesem Schriftsteller nocheine große Zahl grammatischer und rhetorischer Schriften herausgegeben worden. — UnterFlorus Hadrian behandelte P. An nius Florus die römische Geschichte „mit epigrammatischer Kürze*A,stw und schwülstigem Pomp", aber ohne Kenntniß und Genauigkeit. Von Justinus besitzt manum iso einen mittelmäßigen und ungenauen Auszug aus dem lehrreichen, wohlgeordneten undgutgeschriebenen Werke des Trogus Pompejus, eines gallischen Geschichtsforschers unterAugustus. das zum ersten Male universalhistorischen Charakter zeigt. Es führte den Titel„Philippische Geschichten" >wie das gleichnamige Werk des Theopompos, K 180) und stellte,nach ethnographischen Grundsätzen geordnet, die Entwicklung der großen Weltreiche, spezielldes makedonischen Reichs und sein Aufgehen in die römische Monarchie, dar.

^Gesch^cht-° Bedeutender als die römischen sind die griechischen Geschichtschreiber derschr-ibor Kaiserzeit, wenngleich auch sie die Spuren der Zeit, wo Despotismus und Aberglauben