H 258. Fünftes Kapitel: Das römische Kaisertum (30 v. Chr. bis 395 n. Chr.). 571
Q. Asconins Pedianus aus Padua schrieb unter Nero historische Kommentare zu CicerosReden, und M. Valerius Probus besorgte zu gleicher Zeit kritische Ausgaben der be- P^uskanntesten lateinischen Poeten (Virgil, Tcrenz, Lucrez u. a.). Hyginus, dessen Lebenszeit um sonicht mit Sicherheit bestimmt werden kann, ist durch seine Sammlung von Fabeln aus dem H^imrgesamten Sagenkreis der alten Welt sür die Mythologie und durch sein Buch über dieHimmelskunde für die Kenntnis der alten Astronomie und das Verständnis der Dichtervon Wichtigkeit, so schlecht und nachlässig auch Form und Schreibart sind. Unter denAntoninen schrieb A. Gellius die „attischen Nächte", eine planlose Sammlung von Aus-A. Gelliuszügen vermischten Inhalts aus ältern Schriftstellern. Ohne litterarischen Wert hat das ^Buch doch eine große Bedeutung wegen der Menge von Nachrichten über Sprache, Geschichte,Antiquitäten und andere Gebiete des Altertums, sowie wegen der zahlreichen Fragmenteaus verlorenen Werken der klassischen Zeit.
Die Juristen Roms während der silbernen Latinität teilten sich in Praktiker und in k) Juristeneigentliche Rechtslehrer. Im Anschluß an die früher (Z 244) erwähnten Schulen derSabinianer und Proculianer entwickelte sich eine ganze Reihe tüchtiger Rechtsgelehrter (wieSalvius Julianus sß 252s und Sext. Pomponius), die auch vielfach bei der Staats-verwaltung mtt verwendet wurden. Ausschließlich als Schriftsteller trat auf Gaius, einaus dem Osten des Reichs gebürtiger Jurist. Von ihm rührt ein Lehrbuch (Jnstitutiones)her, das eine Nachschrift mündlicher Vortrüge zu sein scheint; wegen seiner Klarheit und 161Faßlichkeit war das Werk sehr beliebt und diente für die Institutionen des Justiniau alsVorlage (II 8 43).
O verfall und Neugründung des Reichs.
Z 258. Commodus und seine Nachfolger. (18V—193.) Nach denbeiden Antoninen kam ein rascher Niedergang. Mancherlei Ursachen habenihn herbeigeführt: die Jämmerlichkeit einzelner Kaiser, das Fehlen einergeordneten Thronfolge, der Übermut der Truppen, das Bedürfnis der"b°Us°Meinzelnen Reichsteile nach Verwaltungsmittelpunkten und die Angriffe derBarbaren. Am schärfsten trat der Übermut der Truppen hervor: eshatte sich ein Soldatenstand gebildet, der hauptsächlich aus rüstigen undwaffenkundigen Bewohnern der fernen unkultivierten Provinzen zusammen-gesetzt war, immer mehr durch germanische und andere barbarische Miets-truppen vermehrt wurde und nur durch hohen Sold und Geldspendender Kaiser in Gehorsam gehalten werden konnte. Die streitbarsten Kriegs-männer gingen aus den germanischen Ansiedlern hervor, die unter be-stimmten Vertragsbedingungen als „Läten" in den römischen Reichsverbandaufgenommen wurden. Die Truppen waren ein allzeit schlagfertiges Werk-zeug in der Hand ehrgeiziger Führer und bestimmten meistens das Schicksalder Regierung. Ost genug vertraten sie dabei auch die Sonderinteressen derReichsteile. Der Bürgerstand bedeutete in Italien wenig, zumal sich seinewirtschaftliche Lage trotz der ruhigen Zeiten von Jahr zu Jahr unter demunerträglichen Druck, der aus ihm lastete, verschlechtert hatte; selbst dievornehmsten Leute, wie die Deeurionen oder Kurialen, in den Municipal-städten dem römischen Senatorenstand entsprechend, versanken mehr undmehr in Verarmung, so daß immer weniger Leute den mit diesenEhrenämtern verbundenen Pflichten und Obliegenheiten zu genügen ver-mochten und die Bürgerschaft großenteils dem niedrigen Stande derGemeinbürger oder der halbsreien Kolonen, der bäuerlichen Landbevölkerung,angehörte. Neben diesen lebte über alle Teile des Reichs zerstreut einverachteter, rechtloser Sklavenstand, aus dem weder der Soldatenstand nochder Bürgerstand neue Kräfte ziehen konnte; er bestand teils aus rohen