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Erster Band.
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581
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H 261. Fünftes Kapitel: Das römische Kaisertum (30 v. Chr. bis 39ö n. Chr-). 581

Konstantin vollends ausbildete. Er nahm dem Senat alle politischeMacht und legte sie dem Throne bei; statt der Prätorianer übertrug er zweitreuen illyrischen Legionen, von denen er die „Jovianer" für sich und die „Herku-lianer" für Maximian bestimmte, den Dienst der kaiserlichen Leibwache; er hob denUnterschied (H 241) zwischen Fürstenkasse (Fiskus) und Staatskasse (Ärarium) ausund stellte beide zur Verfügung des Machthabers; er richtete ein geordnetes Steuer-wesen im ganzen Reiche, auch in Italien, ein und vernichtete das Übergewicht Roms.Um den Provinzialstatthaltern die Möglichkeit zu benehmen, sich selbst den Purpurumzulegen, traf er eine neue Provinzeinteilung. Das ganze Reich zerfielvon nun an in zwölf Diözesen, an deren Spitze je ein Vikarius stand,und in 96 Provinzen (deren Zahl späterhin durch nochmalige Teilungenaus 120 stieg), die von ganz verschiedenartigen Beamten geleitet wurden, sodaß der Kirchenvater Laktantius mit Recht sagen konnte, er habe das Reichin „kleine Bissen" zerteilt. Das Verfügungsrecht über die Provinzen hatteder Kaiser allein. Von nun an hielten es die Kaiser nicht mehr für nötig,die alten Civilämter eines Konsuls oder Volkstribuns, die, vom Senat über-tragen, immer an den republikanischen Ursprung erinnerten, länger fort-zuführen; sie ließen sie beiseite und vereinigten in dem militärischen Ehren-namen „Imperator" und in der Benennung „Kaiser und Herr" die gesamteMachtfülle und die „geheiligte Hoheit", deren „Gottheit" (Numen) oder„göttliche Majestät" man anbetete. Diese gesteigerte Verehrung der Person desFürsten bahnte den Weg zur Einführung persischer Hofsitten. Schwärme vonBeamten, von prunkenden Hofleuten, von Dienern und Leibwächtern umgabenvon da an die geheiligte Majestät des Kaisers und verliehen dem Hofe einorientalisches Ansehen. Mit der Schaffung der Etikette und der Beamten-hierarchie wurde der Monarchie neue Lebenskraft eingeflößt, die mitgewirkt hat,um den oströmifchen Staat noch fast ein Jahrtausend zusammenzuhalten. Einenoch genauere Durchbildung des späterhin byzantinisch genannten Hos-zeremoniells trat unter Constantin (H 262) ein.

Ehe jedoch dies Programm durchgeführt werden konnte, galt es, dieZuckungen des Reiches zu überwinden. Nach der Niederlage des Carinusfand in Gallien der entsetzliche Aufstand der Bagauden statt, der invielen seiner Züge an die spätere Jacquerie (II, 8 348) erinnert. Es er-hoben sich die durch den Druck der Edelleute und der Priesterschaft zurVerzweiflung gebrachten Bauern und Kolonen (Kleinpächter) und führten,durch Sklaven, Tagelöhner und Landstreicher verstärkt und als Bagauden,d. h. die „Streitbaren", vereinigt, einen furchtbaren Krieg, der das Land inseinen Grundfesten erschütterte. Unweit der Mündung der Marne in dieSeine errichteten ihre Führer Älianus und Amandus, welche den Kaisertitelführten, das „Bagaudenschloß" inmitten eines befestigten Lagers undmachten von da aus Streiszüge in die Nähe und Ferne, große Beute zu-sammenschleppend; die alte Stadt Augustodunum (Autun) wurde vonihnen ausgeraubt und zerstört. Mit ihrer Niederwerfung betraute Diokletianseinen tapferen Landsmann und Waffengefährten Maximianus. Dieserwählte zunächst Augusta Treverorum (Trier) zum Regierungssitz und hieltvon dort aus die langgestreckte Rheinlinie gegen die andrängendenGermanen, konnte aber nicht verhindern, daß sich der römische FlottenführerM. Carausius, der sich schwerer ünterschleife schuldig gemacht hatte,von seinen Truppen in Britannien zum Kaiser ausrufen ließ und siebenJahre lang diese Insel für sich behielt, bis einer seiner Offiziere,Allectus, ihn ermordete und sich drei Jahre lang mit dem Purpurschmückte.

Provinz-

einteilung

Etikette

Bagauden

285

Carausius

287-293

Allectus

293-2W