Z 264. Fünftes Kapitel: Das römische Kaisertum (30 v. Chr. bis 395 n. Chr.). 589
daß auf ihn sämtliche Privilegien übertragen wurden, die die heidnischen Priesterbisher inne gehabt hatten, z. B. die Befreiung von Kommunalsteuern undEinquartierungen.
Die Verwaltung des Konstantins war gut und gerecht, wenngleich die Not Berwaltung,der Zeit ihn zwang, alle Steuerkräfte des Reichs auf das schärfste anzuspannen;freilich hinderte ihn die prunkvolle Hofhaltung, die ungeheure Summen ver-schlang, und feine peinliche Zurückhaltung vor dem Volke, überall das Rechte inder Verteilung der Lasten zu treffen. Eine schwere Sorge war für den kinder-losen dieOrdnungderNachfolgeim Reich. Von seinen Verwandten waren Thronfolgeihm nur zwei geblieben, Gallus und Julian. Den ersteren bestellte er zum Nach- Wifolger, mußte jedoch bald schnöden Undank von ihm erfahren. Nachdem Galluszum Cäsar, mit dem Amtssitz Antiochia, ernannt worden war, beging er einenMißgriff nach dem andern, ließ zwei hohe Beamte des Kaisers, die ihn zurecht-weisen sollten, töten, und so mußte ihn denn Constantius nach Pola in Jstrienbringen lassen, wo er nach kurzer Haft durch den Oberkammerherrn Eusebius End- 35»zum Tode verurteilt ward; so blieb denn als einziger Thronerbe Julianus übrig.
§ 264. Julian der Abtrünnige. Der Nachfolger des Constantiuswar eine der eigenartigsten Persönlichkeiten, die auf dem römischen Kaiser-thron gesessen haben. Nach der Prinzenschlächterei von 337 mit seinemBruder Gallus allein übrig geblieben, wurde er streng und asketischerzogen und zu Gebetübungen und frommen Werken genötigt. Schon da-mals regte sich in dem begabten Jüngling der Widerspruch gegen die ihmaufgenötigte christliche Lehre; bestärkt wurde er darin, als ihm auf Ver-wendung der Kaiserin Eusebia erlaubt wurde, die Hochschule von Athenzu besuchen, die letzte Hochburg des versinkenden Heidentums. Obgleichso bedeutende Männer wie Gregor von Nazianz und Basilrus der Große(II, Z II) dort seine Studiengenossen waren, versenkte sich Julian immertiefer in die Mystik des Heidentums und wurde ein begeisterter Anhängerdes Neuplatonismus (ß 269).
Da berief ihn Constantius, nachdem Gallus gestorben war, nach ^»an^n-Gallien, um ihn als Cäsar zum Gehilfen und Nachfolger in der Reichs-regierung bei sich zu haben; die jüngste Schwester des Kaisers, Helena,wurde Julians Gemahlin. Als Kompetenzbezirk wurde ihm die gallischeDiözese <8 260) übertragen. Für den jungen Cäsar war die Verwaltungund die Verteidigung dieser ausgedehnten Ländermasse eine schwierige Aus-gabe, da es ihm an einem geübten Heere mangelte und die Oberoffiziereund Beamten sich ihm nicht willig zeigten, weil sie so im Sinne desConstantius zu handeln meinten. Dazu kam noch, daß die Römer dieRheingrenze nur an einzelnen festen Punkten zu behaupten vermochten;im Norden fielen die Franken, im Süden die Alamannen in das un-glückliche Gallien ein. Gegen diese Feinde wendete sich Julian. Nachdemer bei Autun die Alamannen, die die Stadt belagerten, verjagt hatte, sss.kämpfte er sich mit einer geringen Truppenzahl bis an den Rhein durchund besetzte einige der in den früheren Kriegen verloren gegangenen Römer-sestungen, wie Köln und Remagen. Dann beschloß er, gemeinsam mitdem Feldherrn Barbatio von Rätien operierend, den Feind im eigenenLande auszusuchen und vom Rhein her das alte Zehntland (Z 251) zurück-zugewinnen. Jedoch mißlang die gemeinsame Kriegführung; Barbatioward geschlagen und überließ den Cäsar seinem Schicksal. Die Alamannengriffen den bei Zabern i. E. stehenden Julian mit dreifacher Übermachtan, um sich den Zugang nach Gallien zu erzwingen; aber noch einmal