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Erster Band.
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Drittes Buch: Römische Geschichte.

Z 269.

f 249

Monotheis-

mus

SynkreUs-

SextusEmpiricusum 200

MystischeRichtungder Philo-sophie

die Nativität stellen und erkundete auch Todestag und Todesort. Die wichtigstenVertreter dieser Lehre, eben so oft verbannt wie zurückgerufen, hießen vonihrem Stammlande Chaldäer. Daneben standen die Magier, die es ver-standen, die von allerhand guten und bösen Dämonen bewohnte Welt zu lenkenund diese Geister zu „beschwören". Daß hier der Aberglaube, der unendlichweit verbreitet war, sich mit dem Betrug auf das innigste berührte, beweisendie Enthüllungen (Philosophumena) des heiligen Hippolytos, der vor seinemÜbergang zum Christentum ein solcher Thaumaturg (Wunderthäter) gewesen war.Der neue Dämonenglaube brachte es auch dahin, daß die alten olympischenGötter und Heroen ebenfalls zu Dämonen herabsanken und der magischenFormel oder Beschwörung gehorchen mußten.

' Das eine Gute hatte dieser religiöse Wandel, daß sich neben dem Dämonen-glauben der Monotheismus (Glaube an einen allmächtigen Gott) immermehr durchsetzte, und sich damit der Boden immer mehr für das Christentumbereitete, das im Anschluß an den uralten jüdischen Jahvedienst sich entwickelnd,seinen Siegeszug durch die römische Welt begann. Em zweites Glück fürdie neue christliche Entwicklung war aber das Absterben der alten Philosophie,die schließlich nur noch Lehrer an der Hadriansuniversität in Athen, aber keinefleißigen Hörer und Überzeugungstreuen Apostel mehr fand.

§ 269. Die heidnische Philosophie. Im Zeitalter der Antoninen stand esnicht so schlimm um die philosophischen Systeme der alten großen Zeit. DieAkademie, die peripatetische und die pythagoreische Philosophie fanden vieleAnhänger, und manche selbständige Männer flüchteten sich aus dem Gewirreder Meinungen und Anschauungen in die Skepsis (Lehre vom Zweifel)oder wählten aus den vorhandenen Lehrmeinungen das zum praktischen undvernünftigen Leben Zweckmäßige aus und verbanden es zu einem neuen, dreifachEklekticismus (Z 239, 256) oder Synkretismus genannten Systeme.In dem pyrrhonischen Skepticismus, dem im Anfang des dritten JahrhundertsSextus (der als früherer Arzt den Beinamen Empiricus führte) durch seinebeiden Hauptwerke „Pyrrhonische (Z 154) Entwürfe" und „Wider die Mathe-matiker" die schärfste Prägung gab, wurde das System auf die Spitze getrieben.Nach seiner Behauptung ist das menschliche Erkennen seiner Natur nach nichtimstande, zu einer objektiven Gewißheit der Wahrheit zu gelangen; ein subjek-tives Fürwahrhalten sei das Höchste, was der forschende Geist erringen könne.Indem so der Skepticismus durch die Negation aller objektiven Wahrheit in derWissenschaft und im Leben dem philosophierenden Geiste alle Nahrung entzog,schaffte er Raum für neuen Anbau und edlere Früchte. Denn nach der lange Zeitmit ausschließlicher Anwendung des Verstandes geübten induktiven Methode ver-langte die Spekulation wieder das ihr so lange Zeit vorenthaltene Recht.

Diese neue Philosophie schloß sich instinktiv an den phantasiereichsten undspekulativsten der großen alten Meister, an Platon, an; auch die neuenreligiösen Bedürfnisse des dritten Jahrhunderts wiesen darauf hin. Die genialenPhantasiegebilde des großen Weisen als reale Wahrheiten und wissenschaftlicheGlaubenssätze hinstellend, bauten die neuen Männer des spekulativen Denkensallmählich ein religiös-philosophisches Lehrgebäude auf, in dem sie alles, wasdie verschiedenen Religionen und Philosophien Entsprechendes ausgebildet hatten,mit der platonischen Jdeenlehre (H 115) verbanden und eine Weltanschauungschufen, die durch ihren Reichtum an geheimnisvollen und mystischen Lehren undSymbolen den Sinn mächtig gefangen nahm und, sich in weite Kreise ver-breitend, gleichsam die geistige Atmosphäre wurde, in die sich die gesamte Zeit-bildung hüllte. Aus platonischen und orientalischen Elementen und Weisheits-schätzen wurde der religiöse und philosophische Synkretismus aufgebaut, indem sich morgenländische und abendländische Denkweisen und Religions-formen zu einem wunderlichen Ganzen verschmolzen, in dem die Götter, Mythenund Symbole der verschiedensten Völker, gleichsam verklärt und durch alle-