Band 
Dritter Band.
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20 Erstes Buch: Das Zeitalter der Entdeckungen und der Reformation. ZU,

der Conquista (Eroberung), eine Zeit größter individueller Kraft-entfaltung. Es waren wunderbare Männer, diese spanischen Conquista-dores, bestimmt zu ihren überkühnen Unternehmungen durch ein Gemischedelster und gemeinster Regungen. Unbezähmbarer Tatendrang, phan-tastische Abenteurerlust, heldenhafte Tapferkeit, selbstsüchtige Goldgier,rücksichtslose Herrschsucht, roheste Barbarei, opferwillige Hingebung,glühender Glaubenseifer finden sich in diesen „Weltmeerrittern" vereinigt.Überreich ist ihre Zeit an wunderbaren Heldentaten, aber auch an Tatenrohester Grausamkeit, von denen man sich mit Entsetzen abwendet: auchdiese, wie überhaupt die Eroberung, nach Ansicht der Eroberer berechtigt,weil die Heiden wie daheim die Ketzer als rechtlos galten und die Aus-breitung des Glaubens heiligste Pflicht war. Das alte spanische Ritter-tum mit seinen Licht- und Schattenseiten lebte in veränderten Formenhier nochmals auf.

d2°Cou"z Eine hervorragende Stellung unter den Konquistadoren nimmt Fer-dinand Cortez ein, der Besonnenheit und Klugheit mit Heldenmutund Feldherrngaben vereinigte, und dessen Seele auch für edle Regungenempfänglich war. Diego Velasquez, der Statthalter von Kuba, stellte ihnan die Spitze einer nach Mexiko bestimmten Expedition, wollte ihm indes,weil er zu selbständig handelte, den Oberbefehl wieder nehmen; da segelteCortez gegen den Befehl des Statthalters ab und landete Leim heutigeni8.F-br.i5is Veracruz. Als Rebell begann er so mit 100 Matrosen, 553 Soldaten,von denen 19 beritten waren, und 14 Geschützen den Feldzug gegen dasKulturreich Mexiko. Zustatten kam ihm dabei, daß er den von denAzteken unterworfenen Stämmen (8 9) als Befreier erschien; so gewanner beim Vormarsch in den Tlas kalauern nach einigen Kämpfen getreueVerbündete. Außerdem aber erweckten die schrecklichen Wirkungen desdonnernden Geschützes und die Reiter aus den unbekannten Rossen, dieman (Wohl im Anschluß an das Götterbild der geflügelten Schlange)als Schlangen ansah, in den Azteken die Vorstellung, daß die WeißenMänner höhere Wesen seien. Nach der Volkssage war ja der milde Kultur-gott Quetzalcoatl vor dem Kriegsgott der Azteken auf einem von Schlangen-haut gefertigten Zauberschiffe nach dem Osten entwichen, von wo er dereinstwiederkehren würde (§ 9). Waren nun die weißen, von Osten kommendenFremdlinge Nachkommen oder Abgesandte des hellfarbig dargestelltenGottes? Diese Frage beschäftigte das ganze Volk, besonders aber denKönig Montezuma II. und lahmte seinen Widerstand. So gestattete er8. N°». isig dem Cortez freiwillig den Einzug in die Hauptstadt und überließ ihmals Wohnung einen weiten, festungsartigen Palast in der Nähe des Haupt-tempels. Auf Wunsch des Cortez siedelte er sogar selbst dorthin überund war damit Gefangener der Spanier: mühelos schien so infolge einesreligiösen Glaubens das Land unterworfen. Da mußte Cortez an dieKüste zurück, wo ein von Velasquez zu seiner Verhaftung gesandtes Heererschienen war. Indes wie einst bei den von der Regierung gegen Sullaentsandten Truppen (I, 8 215), so wirkte auch hier der Zauber der schonerrungenen Erfolge: es gelang Cortez, sich des gegen ihn geschickten Narvaezzu bemächtigen und die Soldaten auf seine Seite zu ziehen.

RMSidsr Nach Mexiko zurückgekehrt, fand er die Lage völlig verändert. Alsdie Spanier aus Besorgnis vor einem Angriff der Mexikaner diese Leieinem religiösen Fest überfallen und viele niedergemetzelt hatten, war eine