Band 
Dritter Band.
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Erste? Buch: Das Zeitalter der Entdeckungen und der Reformation.

Fugger

Weljer

Bauern

8 82 .

Orten vor dem Weitertransport zum Verkauf gestellt werden mußten, war oftbeengend, hat aber auch den betreffenden Städten großen Nutzen gebracht; z. B.war es für Leipzig und seine Messen sehr wichtig, daß ihm 1497 und 1507 vonMaximilian ein Stapelrecht im Umkreis von 15 Meilen bestätigt wurde.Jedenfalls entfesselte aber ganz allgemein der Geist des Individualismus diebisher gebundenen Kräfte: die Ausbeutung der Naturprodukte, besonders desEdelmetalls, nahm fortdauernd zu, große Kapitalien sammelten sich an,Geldgeschäfte im großen Stile wurden trotz des kanonischen Zinsverbots getrieben,in ganz moderner Weise entstanden große kapitalkräftige Handelsgesellschaftenund Ringbildungen. Die Entwicklung des internationalen Handels war solchenBildungen günstig. Deutschland lag ja zunächst noch in dessen Mittelpunkte, daeinerseits die Hanseaten den nordischen Handel vermittelten, andererseits dieSüddeutschen nach Italien und dem Orient handelten und auch an dem neuenWeg über Lissabon teilnahmen; die Ausdehnung dieses Handelsgebiets wies abergebieterisch auf den Zusammenschluß hin, um das Risiko des einzelnen und dieTransportkosten zu mindern. Es ist ein Beweis für die Bedeutung des deutsch-italienischen Handels, daß der seit 1228 in Venedig als Kaufhaus und Herbergeder Deutschen bestehende k^onäuLo cksi PsäkLobi 1505 nach einem Brande aufKosten der Republik neu erbaut wurde. Banken gab es seit Anfang des15. Jahrhunderts, und die Handelsgesellschaften wurden zu Preissteigerungs-gesellschaften, die wichtige Bedarfsartikel aufkauften und die Preise willkürlicherhöhten. Charakteristisch ist, daß schon 1512 ein Reichsgesetz gegen die Handels-gesellschaften erlassen wurde, daß Luther in der Schrift an den christlichenAdel sich gegen die Monopole wendet (Z 29), und auch Karl V. in der Wahl-kapitulation deren Bekämpfung versprechen mußte. Gewiß hat die Macht desGroßkapitals bereits zu manchen Mißständen geführt; der Reichtum desdeutschen Bürgertums war aber doch eine wichtige Voraussetzung für seineTeilnahme am Humanismus und an der Reformation; er förderte auch, ver-bunden mit der durch die Zunftorganisation gewährleisteten Solidität der Arbeit,die hohe Blüte, zu der Kunst und Kunsthandwerk während des 16. Jahr-hunderts aufstiegen (8 103).

Das bekannteste deutsche Großhandelshaus war das der Fugger in Augsburg.Johannes Fugger, der um 1350 in Augsburg einwanderte, war Webermeister; von seinenSöhnen wird der älteste, Andreas, bereits als „der reiche Fugger" bezeichnet; der jüngereJakob (4 1469) trieb Handelsgeschäfte, seine drei Söhne Ulrich (tz 1510), Georg (1 1506)und Jakob II. (1 1525) begründeten den Welthandel ihres Hauses. Sie trieben Bank-geschäfte, auch mit Friedrich III. und Maximilian 1-, gründeten eine große Handelsgesellschaft,nahmen an der Wareneinfuhr aus Indien über Lissabon teil und pachteten ergiebige Berg-werke in Spanien, Tirol, Körnten und Ungarn. Jakob Fugger erhielt von Maximilianzu Pfandbesih eine Reihe Herrschaften (Kirchberg), wurde geadelt und schoß dem Kaiser 1509den ganzen Betrag der für den italienischen Krieg vom Reiche bewilligten Hilfsgelderlll, 8 334) vor. 1519 wandte er 543585 Goldgulden für die Kaiserwahl Karls V. auf.Die Söhne Georgs, Rahmund (4 1535) und Anton (4 1560), wurden 1526 von Karl V. inden Grafenstand erhoben und sind die Gründer der beiden noch jetzt blühenden Linien ge-worden. Das Vermögen des Hauses vermehrte sich in sieben Jahren um 13 MillionenGulden und wurde auf 63 Millionen Gulden geschätzt. — Neben den Fugger sind dieWeiser zu nennen, ebenfalls in Augsburg; auch sie haben Karl V. große Summen vor-geschossen und erhielten von ihm Venezuela als Pfandbesitz (8 12). — Wie groß die kauf-männischen Gewinne waren, davon zeugt eine Schätzung, die von 450°/« jährlich spricht,sowie die Tatsache, daß der Augsburg« Rem, der sich an den Geschäften des BankiersHöchste»« mit 500 Gulden beteiligte, damit in der Zeit von 1511 bis 1517 245000 Guldenverdiente. Höchste»« hatte als Einlagen, auch von vielen kleinen Leuten (Bauern, Knechteund Mägde brachten ihm 10 Gulden), in seinem Geschäft einmal 1 Million Gulden zuverzinsen. Freilich kamen auch schon Bankbrüche vor; Höchste»« machte 1527 Bankrottmit 800000 Goldgulden Passiva und starb im Gefängnis.

Über die Lage der Bauern ein zusammenfassendes Urteil abzugeben, istschwer. Sie ist in den verschiedenen Gegenden verschieden gewesen, sehr ver-