Band 
Dritter Band.
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tz 53. Viertes Kapitel Weltpolitik Karls V. u. Fortgang d. Reformation (1521—1545t. 81

selbst erschien, in St. Gallen, wo der Abt vor der Volksstimmung ent-AsbrNtungfloh. in Basel, wo Ökolampadius wirkte, sein Freund Erasmus aber "">«-»>entwich (8 20). In Graubünden wurde jedem die freie Wahl seinesGlaubens gelassen; als aber der Abt von St. Luzi zur Bewältigung isWder Evangelischen in Chur Verrat spann, wurde er enthauptet. Zugleichdrangen die Gedanken Zwinglis auch nach Süddeutschland, nicht nurnach Mülhausen, einem zugewandten Orte (II, 8 316) der Eidgenossen-schaft. sondern auch nach Konstanz, Straßburg. Lindau. Memmingen undandern Städten (8 50).

Diesen Fortschritten gegenüber fand nun die Bewegung den ent-„,ch°»Fi>nf-schiedensten Widerstand in den llrkantonen Uri, Schwyz, flnterwalden,sowie in Luzern und Zug. teils weil hier die von Zwingli bekämpftenJahrgelder einen Hauptnahrungszweig bildeten (vertraute doch auch derPapst die Sicherheit seines Palastes einer Schweizer Garde an), teilsweil der Einfluß der Priester und adligen Herren auf diese unter einfachenPatriarchalischen Verhältnissen und in gebirgiger Abgeschlossenheit lebendenMenschen größer war als auf die Bewohner der volkreichen Städte. Diefünf Lande hinderten die Verbreitung der neuen Lehre und belegten dieevangelischen Prediger und ihre Anhänger mit entehrenden Strafen. ZumKonflikt kam es in den von den Eidgenossen gemeinschaftlich verwaltetengemeinen Herrschaften (II, 8 316), wo die Werner und Züricher die Re- K°nMsormation einzuführen, die Fünsorte zu unterdrücken suchten. Währendnun die protestantischen Kantone unter sich und mit Mülhausen und Kon-stanz ein „christliches Burgrecht" schlössen, gingen die Fünforte mitÖsterreich, dem Erbfeind des Landes, ein Bündnis zur Erhaltung des alten unsGlaubens ein. Da rüstete Zürich zum Kriege. Zwingli selbst begleitetedie Truppen; aber ehe es zum Kampfe kam, wurde durch den Land-ammann Elbi von Glarus der Landfriede von Kappel vermittelt, 25. JmMsesworin die Waldstätte dem österreichischen Bündnis entsagten und diefreie Predigt nicht zu hindern versprachen. Das war ein Erfolg derReformation: sie siegte in den Kantonen Schaffhausen. Glarus und Appen-zell, drang auch in Solothurn ein und erlangte die Oberhand in dengemeinen Herrschaften im Thurgau und Rheintal; zudem trat Straßburgdem christlichen Burgrecht bei; der Gegensatz zu den Lutheranern freilichverschärfte sich durch den Ausgang des Marburger Gesprächs (8 49).

^ ^ 53. Der Religionskrieg und Zwinglis Tod. Zwingli hatte den P^iMe

Kappeler Frieden widerraten, weil er an einen wirklichen Ausgleich nicht Zwinglisglaubte, und weil er den Plan hatte, zugleich die Bundesverfassung derSchweiz umzugestalten. Auf Grund der geschichtlichen Entwicklung besaßennämlich die bäuerlichen Fünforte auf der von den 13 Orten beschicktenTagsatzung (II, 8 316) ein Politisches Übergewicht, welches ihrer jetzigenBedeutung nicht mehr entsprach und der Macht und dem Reichtum derBürgerkantone gegenüber ungerecht war. Deshalb wollte Zwingli Bernund Zürich an die Spitze der Eidgenossenschaft bringen. So waren dieFünforte nicht bloß seine religiösen, sondern auch seine politischen Gegner,und er hielt einen Krieg für unvermeidlich. Bald zeigte sich denn auch,daß jene Vermittlung keine Versöhnung bewirkt hatte; die Schmähungender Gegner dauerten fort, und die Forderung der Züricher, die evangeli-schen Glaubenslehren zu dulden, fand kein Gehör. Der Züricher Rat, inWelchem Zwingli das entscheidende Wort führte, wollte einen neuen

Websr-BaldamuS, Weltgeschichte. 21. Aufl. III. 6