82 Erstes Buch: Das Zeitalter der Entdeckungen und der Reformation. Z 54.
Waffengang; allein Bern, eifersüchtig auf das gebieterische Hervortretender Nachbarrepublik, bekämpfte das kriegerische Vorgehen und empfahl eineandere Zwangsmaßregel, die Korn sperre. Gegen Zwinglis Warnungib.Ät iM wurde auf einem Städtetag zu Aarau der von Basel unterstützte Vor-schlag der Berner angenommen. Die nördlichen Kantone verlegten dieHandelswege und hinderten die Zufuhr von Waren und Lebensmitteln.Man hoffte, das niedere Volk der Waldstätte werde durch die eintretendeNot zur Wut gereizt werden, und diese Wut werde sich gegen ihre aristo-kratischen Obrigkeiten kehren. Indes man täuschte sich; Erbitterung tratWohl ein, aber sie richtete sich gegen die Städte. Die Fünforte rüstetenheimlich und fielen in das Gebiet der Züricher ein. Diese, überrascht undunschlüssig und von den Bernern nicht unterstützt, zogen mit einemFähnlein von zweitausend Mann dem viermal stärkeren Feind entgegen,erlitten aber bei Kappel eine blutige Niederlage. Neben dem Banner11 . Okt, 1531 Stadt fiel der patriotische Zwingli; sein Leichnam, an dem derWütende Haufe seinen Hohn ausließ, wurde verbrannt und die Ascheden Winden preisgegeben. Dieser Ausgang erfüllte die Katholischen mitZuversicht, die Protestanten mit Kleinmut; jene waren einig und fest,während die auf Zürichs wachsende Macht neidischen Berner wenig Eiferzeigten. Nach einer zweiten Niederlage Zürichs kam der zweite Kappeler2v.N°».is3i Friede zustande, worin jedem Kanton das Recht der freien Anordnungseiner Religion zuerkannt ward; in den gemeinen Herrschaften und in dennoch unentschiedenen Orten (Solothurn) wurde größtenteils die alte Kirchewiederhergestellt. So trat in der Schweiz wie in Deutschland eine kon-fessionelle Spaltung ein, und die Fünforte und die Aristokraten-partei waren mächtiger als zuvor.
Zwingli hat seine großen politischen Ziele nicht erreicht; was er auf religiösem Ge-biete begonnen hatte, fand in Calvins Wirken seine über die Grenzen der Schweiz Hinaus-greifende Fortsetzung; seine Kirchenreform wie sein wissenschaftliches Wirken (die ZüricherHochschule war in der Hauptsache seine Schöpfung) haben wesentlich dazu beigetragen, daßtrotz der politischen Trennung die deutschen Schweizer in geistigem Zusammenhang mitDeutschland geblieben sind.
Die europäischen Kriege Karls V. und die deutsche Refor-mation (532—
1. Karls V. auswärtige Kriege.
«arks v. 8 54. Karls V. Zug gegeu Tuuis (1535) und dritter Krieg gegenFrankreich und die Türkei (1536—1538). Die nach dem Abzug derTürken (1532, § 44) neu gefestigte Macht des Habsburgischen Hauses erregteüberall Befürchtungen. Franz I-, der den Gedanken an eine Wieder-erlangung Mailands keineswegs ausgegeben hatte, unterhielt Verbindungenmit allen Gegnern des Kaisers. Nach der Vermählung seines Sohnes1533 Heinrich mit des Papstes Nichte Katharina von Medici (II, § 325) trater in enge Beziehungen zu Clemens VII., der teils aus Besorgnisvor Karls Übermacht in Italien, teils aus Unwillen, daß dieser denNürnberger Frieden geschlossen hatte und ihn zur Abhaltung eines diepäpstliche Autorität bedrohenden Konzils drängte (Z 51), mit dem Kaiserin gespanntem Verhältnis stand. Damit schwand das Einvernehmen vonBologna (8 42); ja der Papst war sogar einverstanden, daß Franz I.