90
Erstes Buch: Das Zeitalter der Entdeckungen und der Reformation.
8 60.
nun für den Mai 1537 ein Konzil nach Mantua. Als Grundlage für diedort zu führenden Verhandlungen stellte Luther indenSchmalkaldenerArtikeln die Bedingungen auf, unter denen allein eine Vereinigungmöglich sei; hier ist der Gegensatz gegen die römische Kirche aufs schärfsteausgesprochen, weil der Papst die Ausrottung der Ketzerei als die Aufgabedieses Konzils bezeichnete. Auf Grund dieser Artikel lehnten die Schmal-Febr. 1537 kaldner das Konzil ab, weil es unter der Leitung des Papstes stehe undalso kein „freies" sei. Da setzte der kaiserliche Vizekanzler Held demprotestantischen Bunde, der sich durch den Beitritt Heinrichs von Sachsen(Freiberg) und Christians III. von Dänemark noch erweiterte, einen inio.Junii53«Nürnberg geschlossenen katholischen entgegen, dem die Herzöge vonBayern, die Erzbischöfe von Mainz und Salzburg, Georg von Sachsen,Heinrich von Braunschweig und König Ferdinand beitraten. Da aber derKaiser wegen der auswärtigen Verwicklungen (tz 54) keinen Konflikt mitden Protestanten wünschte, so rief er seinen Kanzler, der bei den Ver-handlungen mit ihnen nicht entgegenkommend gewesen war, ab, untersagtealle Feindseligkeiten, dehnte den im Nürnberger Frieden gewährten Auf-schub aller Reichsprozesse auch auf die seit jener Zeit dem SchmalkaldischenBunde beigetretenen Mitglieder aus und verhieß ein Religionsgespräch aufis.Aprui5Wdeutschem Boden. Dieser „Frankfurter Anstand" förderte die Sacheder Protestanten in einem für sie günstigen Augenblick.i7.Aprilis3s Um dieselbe Zeit starb nämlich Herzog Georg von Sachsen (Alber-tiner), ein tatkräftiger Verteidiger des alten Glaubens (Z 27), ohne Nach-^Sachsen" kommen und katholische Verwandte. Sein jüngerer Bruder Heinrichhatte schon lange feine Residenzstadt Freiberg zum Asyl der lutherischgesinnten Sachsen gemacht, und seine Neigung für die evangelische Lehrewurde gesteigert durch das Verlangen nach dem Gute der Klöster. Erführte sogleich die vom Volke längst ersehnte Reformation im alber-tinischen Sachsen ein: am Pfingstfeste predigte Luther in Leipzig,^burg"" In demselben Jahre wurde auch Brandenburg der neuen Lehre ge-14SS-153S Wonnen. Hier war Kurfürst I o a ch i m I. ein eifriger Verfechter der altenKirche gewesen: seine protestantisch gesinnte Gemahlin Elisabeth von Däne-mark war sogar aus Todesfurcht nach Kursachsen geflohen, und seinen beidenSöhnen nahm er den Eid ab, festzuhalten am alten Glauben. Von diesentrat aber Johann von der Neumark (Hans von Küstrin), erbittertüber die Verschleppung des Konzils, der evangelischen Kirche und demSchmalkaldischen Bunde sofort bei; nach längerem Zögern empfing auchKurfürst Joachim II. in Spandau aus den Händen des Bischofs von153s Brandenburg, Matthias von Jagow, das Abendmahl unter beiderlei Ge-stalt, bewahrte indes eine Sonderstellung, indem er sich dem Schmalkaldi-deu°sch-"Ge- scheu Bunde nicht anschloß. Der übertritt von Sachsen und Branden-bürg war für ganz Norddeutschland entscheidend. Mecklenburg schloßsich der neuen Kirche an; der Erzbischof von Mainz ließ in Magdeburgund Halberstadt der Reformation freien Lauf, als die Stände seineSchulden übernahmen; in Naumburg wählte das Kapitel den Dom-i54i Propst Julius Pflug, der Kurfürst von Sachsen aber setzte den Witten-berger Theologen Amsdorf als Bischof ein.
§ 6V. Einigungsversuche nnd Konflikte 1541—1545. Luthers Tod.
Daß der Kaiser diesen Fortschritten der Reformation nicht entgegentrat