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Dritter Band.
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8 60. Viertes Kapitel: Weltpolitik Karls V. u. Fortgang d. Reformation (1521—1545). 91

und immer wieder Einigungsversuche machte, erklärt sich wie stets ausder europäischen Lage.

Friedensschlüsse von Großwardein und Nizza (H 54) waren doch nur ein Beweis Europäischem der von den Türken drohenden Gefahren, der Tod Zapolhas mußte neue

n ^Eunge» in Ungarn herausführen (Z 55), und dazu kam der Streit um Geldern.

^cacy dem Tode des letzten Herzogs hatte Wilhelm von Jülich-Kleve dies Land in Besitz iLWgenommen; Karl V. glaubte selbst Ansprüche zu haben und wollte ihn nicht anerkennen,

».Wilhelm aber,' der zum Protestantismus neigte, hatte die Schmalkaldner für sich,zumal der Kurfürst von Sachsen sein Schwager war, und gewann einen weitem Rück-yait an König Heinrich VIII. von England, der sich im Januar 1540 mit seiner Schwestervermählte (ß 78). So schien sich hier eine neue antihabsburgische Koalition zu bilden.

Her Kaiser hatte also alle Ursache, die deutschen Protestanten zu schonen. Deshalb erfüllteer trotz des päpstlichen Protestes die im Frankfurter Anstand gegebene Zusage und ordnete an,daß eine Einigung durch ein Religionsgespräch auf deutschem Boden versucht würde.

Die in Hagenau (1540) und WormS (1540/1, hier verhandelte der gewandte KardinalMorone Z 112,114) begonnenen Religionsgespräche wurden auf dem Reichs tage zu Regens-burg unter Leitung des kaiserlichen Kanzlers Granvella fortgesetzt. Versöhnlich gesinnte Männer(von katholischer Seite Julius Pflug, von protestantischer Melanchthon und Butzer) warendazu berufen, und die Kurie war durch den toleranten Legaten Contarini (8 114) vertreten.Wirklich kam man in vier wichtigen Glaubensartikeln (von der menschlichen Natur, derErbsünde, der Erlösung und der Rechtfertigung) einander näher als je, so daß der Kaiserund die gemäßigten Reichstagsmitglieder auf eine Übereinkunft drangen, bei der man dasVerglichene annehmen, das Unverglichene einem Konzil vorbehalten solle. Aber sowohl derPapst und Bayern, wie Luther und sein Kurfürst widersprachen, auch wirkte Frankreich ausPolitischen Gründen einer Einigung entgegen. So wurde im Reichstagsabschied alles demKonzil vorbehalten; trotzdem aber erließ der Kaiser eine den Protestanten günstige „Dekla-ration" dieses Abschiedes. Er tat das im Hinblick auf seine auswärtigen Kriege. Zugleicherreichte er, daß Philipp von Hessen sich in einem besonderen Vertrage verpflichtete, ihm inweltlichen Dingen Gehorsam zu leisten, die Verbindung der Schmalkaldner mit Englandoder Frankreich zu hindern und den Herzog von Kleve nicht zu unterstützen. Das war eingroßer diplomatischer Erfolg, denn damit war das feste Gefüge des Schmalkaldischen Bundesgelockert. Daß Philipp sich so mit seiner früheren energischen Haltung (Z 56) in Wider-spruch setzte, hängt mit seiner unglücklichen Doppelehe zusammen.

Philipp empfand zu seiner Gemahlin Christine, einer Tochter des Herzogs Georg vonSachsen, keine Zuneigung und hatte ein sehr ausschweifendes Leben geführt. Die sittlicheKraft, sich aus diesem Leben durch Enthaltsamkeit herauszuarbeiten, traute er sich nicht zu,und so glaubte er dadurch zu einem moralischeren Lebenswandel zu gelangen, daß er einecevensrau nähme. Er berief sich auf das Vorbild der Erzväter des Alten Testaments:

Nebenfrau, als Maitressen, wie sie viele Fürsten hätten. Zugleich drohte er,Knik-r Theologen und die Schmalkaldner nicht zustimmten, sich an den

lanaen .^°"den, damit er aus seiner Gewissensnot herauskäme. Nach

ebenso auS Melanchthon, Luther und der sächsische Kurfürst,

aebeim bllebe „nd Christine zu, unter der Bedingung, daß die Sache völlig

" ^ ^ Nebenfrau öffentlich als Maitresse gelte: so wurde die Vermählung^ Saale durch den hessischen Hofprediger vollzogen. Aber die Sache. - geheim, obgleich selbst Luther, um kein böses Beispiel zu geben, ihre Ableugnungempsayt. Da nunmehr von katholischer Seite, namentlich von Heinrich von Braunschweig,essen eignes moralisches Verhalten freilich eher tiefer als höher stand, die heftigsten Vor-urfe erhoben wurden, zog sich der sächsische Kurfürst von Philipp zurück, und so trat doch^ "E hatte verhindern wollen: Philipp näherte sich dem Kaiser, um durch ihni pens von den auf Bigamie stehendenjStrafen zu erlangen. Die ganze Sache hat dieReformation schwer geschädigt.

vnn i?L^rr*"o "" Konflikt zwischen den wettinischen Fürsten hervor. Bei der Teilung. ' r r.?^21) war das Bistum Meißen der ernestinischen und albertinischen Linie

b-s-pi" geblieben. Als nun der Bischof zu einem ernestinischen Landtage nicht erschien,Mn 'u ^ Kurfürst das zum Bistum Meißen gehörende Amt Würzen; darin sah Herzog^ 1541 seinem Vater Heinrich gefolgt war, einen Übergriff in seine Rechte. Moritz

.... , seinem Regierungsantritt aus dem Schmalkaldischen Bunde ausgetreten; jetzt

„^?Ele er zum Kriege gegen den ernestinischen Vetter. Nur mit Mühe gelang es Lutheruno dem Landgrafen Philipp, diese „Wurzener Fehde" (vom Volkswitz „Fladenkrieg'

Einigungs-

oerjuche

1541

Haltung

Philipps

Doppelehe

Philipps

4. März 1540

Wurzener

Fehde

IS4L