Band 
Dritter Band.
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96 Erstes Buch: Das Zeitalter der Entdeckungen und der Reformation. Z 64.

Ottober und durch Ferdinand, rnit dem er in Prag zusammengetroffen war, imNamen des Kaisers die Zusicherung der Kurwürde und des größten Teilesder Länder seines Vetters erhalten hatte, brach er mit Heeresmacht in dieNovember Kurlande ein. Es erscheint nicht unwahrscheinlich, daß er ursprünglichneutral bleiben wollte und sich zur Besetzung der Kurlande entschloß,weil sie sonst von Ferdinand besetzt und dann vielleicht dem Hause Wettinverloren gegangen wären.

Ende des Die Nachricht von dem Vorgehen des Herzogs hat das Ende des°"ug°s Donaufeldzuges nicht bewirkt, aber beschleunigt; abgebrochen wäre erWohl auch so, weil im Bundesheere Geldmangel herrschte und die ober-deutschen Städte, in denen der für feinen Handel (besonders den spanisch-indischen Z 32) besorgte Kausmannsstand das Übergewicht hatte, weitereZahlungen verweigerten. Im Spätherbst löste sich das schmalkaldische HeerNovember auf; zugleich mit dem Kurfürsten, der sein Land wiedergewinnen wollte,* zgg guck, der Landgraf nach Hause. Nun stand dem Kaiser Süddeutsch-land offen: er stellte an die oberdeutschen Städte die Forderung unbedingterUnterwerfung und Losfagung von dem Schmalkaldischen Bunde; und diesungMd- erschrockenen Städte ergaben sich unter höchst ungünstigen Bedingungen,d-utschlands Ulnr lieferte sein Geschütz aus und erkaufte die Gnade des Kaisers durchgroße Geldopfer, desgleichen Heilbronn, Eßlingen, Reutlingen u. a. O.Augsburg war mit Waffen und Mundvorrat so Wohlversehen, daßSchärtlin dem Rate anbot, die Stadt Jahr und Tag zu halten, bissich das protestantische Deutschland neu gerüstet hätte; aber der Einflußder Kaufherren, besonders der Fugger, trug den Sieg davon. Mit derStadt gewann der Kaiser ihr treffliches Geschütz und hohe Geldsummen;Schärtlin, mit der Acht belegt, trat in französische Kriegsdienste. Baldunterwarfen sich auch Frankfurt uud Straßburg. Der alte Herzog Ulrichvon Württemberg demütigte sich vor Karl und räumte seine wichtigstenFestungen den kaiserlichen Truppen ein. Bis zum Frühjahr war ganzSüddeutschland zum Gehorsam gebracht; dabei behandelte Karl die Reichs-stände herrisch wie ein unumschränkter König, trat aber in Sachen derReligion vorläufig noch milde auf. Auch nach Norddeutschland griff ernun hinüber: Kurfürst Hermann von Köln (8 60), vom Papste gebannt,von spanischen Truppen bedroht und von seinen Ständen zuletzt verlassen.2s.F-br.ib47 entsagte seiner Würde und machte einem altgläubigen Nachfolger (Adolfvon Schaumburg) Platz.

Lag-m § tz4. Der Feldzug an der Elbe. Mittlerweile hatte JohannFriedrich Moritzens Truppen zurückgeschlagen, fein Land mit leichterMühe wieder besetzt und den größten Teil des albertinischen Sachsen, bisauf Dresden und Leipzig, erobert. Überall begrüßte ihn die protestantischeBevölkerung mit Jubel. Auch in Böhmen war der hussitifche Geistwieder erwacht, die Stände versammelten sich eigenmächtig zu Prag, inder Absicht, sich mit Kursachsen zu verbinden; in Schlesien und der Laufitzregte sich das Volk gegen die österreichische Herrschaft, die norddeutschenStädte behaupteten eine trotzige Stellung; Frankreich und England erklärtenSpannung sich zur Unterstützung bereit. Dazu kam eine Spannung zwischenKais"/uüd Papst und Kaiser, deren Ursachen auf kirchlichem und politischem Ge-Papst hiete lagen. Die vom Kaiser geübte religiöse Duldung und sein Streben,das Konzil zu einem Ausgleich des kirchlichen Zwiespalts, also auch gegendas Papsttum, zu benutzen, waren nicht nach dem Sinne Pauls III. Außer-