102 Erstes Buch: Das Zeitalter der Entdeckungen und der Reformation. H 6S.
Ferdinands Tode Kaiser, gleichzeitig aber Ferdinands Sohn Maximilianrömischer König werden sollte. Trotz dieser Differenz im habsburgischenHause schien der Kaiser seinem großen Ziele nahe; in Deutschland über-mächtig, schien er die Vereinigung der Konfessionen erreichen und so welt-liches Oberhaupt der Christenheit werden zu können: da erhoben sich diedeutschen Fürsten, und der, dem er seine bisherigen Siege nicht zumwenigsten zu danken hatte, Moritz von Sachsen, ward ihr Führer,dds Wrsten- Die Wege des Kaisers drohten dem deutschen Reiche eine Umgestal-mms jEg zum Nachteile der Fürstenmacht; die fortdauernde, das Landschwer drückende Anwesenheit spanischer Truppen widersprach der Wahl-kapitulation, die Behandlung der besiegten und gefangenen Fürsten be-deutete eine Entwürdigung des gesamten Fürstenstandes, die geplanteThronfolge Philipps schien Deutschland fast in eine spanische Provinzumwandeln zu sollen; das Interim brachte die Protestanten in schwereBedrängnis. Schon im Februar 1550 hatten sich dem gegenüber Hansvon Küstrin, Johann Albrecht von Mecklenburg und Albrecht von Preußenzu einem Defensivbündnis vereinigt; es richtete sich gegen den Kaiser, mußteaber bei der herrschenden Stimmung auch dessen bisherigen VerbündetenMoritz gefährlich werden, besonders wenn ihm die Ernestiner, die denVerlust der Kur noch nicht verschmerzt hatten, beitraten. In leidenschaft-licher Weise äußerte sich ja die Erbitterung der Protestanten gegen den„Verräter" des Evangeliums, gegen den „Judas von Meißen"; den höchstenGrad erreichte sie, als Moritz im Namen des Kaisers die VollziehungOkt. isso der Acht Wider Magdeburg übernahm und die Stadt, „wo das lautereWort des Evangeliums allein noch eine Freistätte gefunden", zu belagernbegann; selbst in Sachsen herrschte die größte Aufregung, und die Ständerichteten bereits ihre Blicke auf Moritzens Bruder August. WollteM°°ritz°ns^ Moritz die Achtung seiner Glaubensgenossen und das Vertrauen seinerWechsel Untertanen wiedergewinnen und seinen Kurhut sichern, so mußte er trotz1, Sicherung seiner religiösen Gleichgültigkeit seinen „Verrat" gut machen durch dieStÄung Rettung des Protestantismus; nur so konnte er auch die histo-rische Stellung Kursachsens als evangelischer Vormacht wahren.«che°V°r! Dazu war Moritz vom Kaiser persönlich verletzt. Den vollen Lohnstimmung für die geleistete Hilfe hatte er nicht erlangt, da ihm die StiftslandeMagdeburg-Halberstadt vorenthalten blieben, und da die Ernestiner ihmdoch noch rivalisierend zur Seite standen; vor allem aber hatte der Kaiserbei der Gefangennahme seines Schwiegervaters das von Moritz verpfändeteWort (ß 65) nicht eingelöst, und auch seine wiederholten Verwendungen fürdie Befreiung des in Mecheln gefangen Gehaltenen unbeachtet gelassen,vielmehr dessen Haft, seit einem gescheiterten Fluchtversuch, noch verschärft.Endlich aber war auch Moritz deutscher Fürst, und so mußte ihm daran^iAu d-s^iegen, die unabhängige Fürstenstellung, die „deutsche Libertät"Fürstentums gegen die „viehische spanische Servitut" zu verteidigen. So beschloß erim eigensten Interesse, sich gegen den Kaiser zu wenden und an dieSpitze des Fürstenbundes zu treten. In Karls Schule hatte er die Diplo-matie gelernt; bei der geschickten Vorbereitung seines Parteiwechsels „über-meisterte er seinen Meister".
Borbersi- Während er den Kaiser, besonders durch die Belagerung Magdeburgs,P°?t°i- jcher seine wahre Gesinnung täuschte, entdeckte er sich dem eifrigen Bundes-F^issi genossen der Magdeburger, Hans von Küstrin. Dieser vermittelte die