128 Erstes Buch: Das Zeitalter der Entdeckungen und der Reformation. Z 89.
i>- gehalten; 1559 ist er auf Schloß Kallundborg auf Seeland, wo er seit 1549 weilte, gestorben,^ 1559 " einige Wochen nach dem Tode seines Gegners Christians lll. — Die Herzogtümer Schleswig-Ehristianin. Holstein teilte Christian m. 1544 mit seinen beiden Brudern in der Weise, daß er selbstIN Jan 1559 Sonderburg behielt, Johann in Hadersleben, Adolf in Gottorp ihre Sitze nahmen (Stamm-baum 5).
Neuntes Kapitel.
Literatur und Kunst (bis 1555).
Literatur.
1. Die europäische Renaissance.
Italien § 89. Der Humanismus in den romanischen Ländern. Wegen der Be-deutung, die der Geist der Renaissance für den Beginn einer neuen Periodeder Geschichte gehabt hat, ist er schon oben (ß 15) charakterisiert, sind die An-fänge des Humanismus in Italien und Deutschland bereits (Z 16—22) dar-gestellt worden. Daran knüpfen wir hier wieder an, um das Gesagte zu er-gänzen und weiterzuführen. Italien ist das Geburtsland der neuen Geistes-richtung gewesen; Griechen waren ihre Geburtshelfer.
Neben dem bereits erwähnten Kardinal Bessarion (Z 16) aus Trapezunt behaupteteEhaicondy- sich ebenbürtig Demetrios Chalcondylas, der Lehrer Reuchlins und des EngländersitW -1511 Linacer (Z 90), auch Herausgeber des ersten Druckes von Homers Gedichten. — Ein Schütz-Konst. Las- ling Bessarions war Konstantinus Laskaris aus Konstantinopel, der die Prinzessinkarls 11501 Sforza in Mailand mit dem Altertume bekannt machte. Der erste griechische Druck, eineA. I. Las- Sprachlehre, war sein Werk. — Andreas Johannes Laskaris aus Rhyndakos lebte am1445 - 1 K 5 Hofe der Medici, dann bei Karl VIII. in Paris und ging als sein Gesandter nach Venedig,wo er eine Schule und eine griechische Druckerei errichtete. — Venedig war überhaupt derHochsitz des Buchdruckes, der vor allem dem Hause der Manutius glänzende FortschritteAldus Ma- verdankte. Berühmt sind die Aldinen, Erstlingsausgaben klassischer Werke aus dernutlus d. Ä. Druckerei von Aldus Manutius dem Älteren, der die besser leserliche Antiqna-und Kursivschrift einführte. Im Berufe wie in der wissenschaftlichen Arbeit folgten ihmManutius sein Sohn Paulus Manutius und sein Enkel Aldus Manutius der Jüngere.I5I2-I514 Doch gelang es diesem nicht mehr, das Unternehmen, aus dem innerhalb dreier Menschen-imNus aller gegen 1000 anerkannte Werke hervorgegangen waren, auf der Höhe zu erhalten. Er1541—1597 starb als Vorsteher der vatikanischen Druckerei in Rom. — Der vom älteren Manutius inPietro Venedig begründeten Akademie gehörte der hochgelehrte Petrus Bembus längere Zeit an.um —1547 Er hatte Griechisch unter Konstantin Laskaris gelernt, verdankt aber seinen Ruhm wesent-lich der ausgezeichneten Kenntnis und vollendeten Nachahmung des Lateins Ciceros. AlsMensch liebenswürdig, äußerst gewissenhaft in seiner Schriftstellerei, Dichter und Gelehrterzugleich, zählt dieser spätere Kardinal zu den charakteristischen Erscheinungen der Zeit. —Der um das Verständnis der naturwissenschaftlichen Schriften des Hippokrates, Aristoteles^ und Theophrast verdiente Arzt Julius Cäsar Scaliger, der Vater des berühmteren
liger ° Joseph Justus Scaliger (H 191,2), wanderte 1529 nach Frankreich aus, von wo Marcus1484—1558 Antonins Muretns 1554 nach Venedig, dann nach Rom übersiedelte, um besonders in derIsis—i°5S5 Tiberstadt eine vielseitige Lehrtätigkeit zu entfalten. Doch schufen ihm außer mehrerenKlassikerausgaben hauptsächlich seine Reden und Briefe als Muster ciceronianischenStiles einen Namen.
Die Gemeinschaft der Ziele dieser Humanisten führte zu engem Zusammen-schlüsse in gelehrten Verbänden und in Akademien (II, § 330), an denen zugleichdie zuströmenden Gesinnungsgenossen aus der Fremde einen Rückhalt und fürihren Wissensdurst eine Schöpfstätte fanden.
Für die Zweckmäßigkeit dieser Anstalten spricht auch die ausgedehnte Nachahmung,die sie vornehmlich in Deutschland (Z 19), gelegentlich auch anderswo und in mannigfachveränderter Gestalt bei allen Kulturvölkern bis in die Gegenwart erfahren haben. Dieältesten Gesellschaften derart entstanden unter dem Schutze wissenschaftliebender Fürsten, wiedie platonische Akademie in Florenz (II, 8 830) am Hofe der Mediceer und die ^enäsmin