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Dritter Band.
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Neuntes Kapitel: Literatur und Kunst (bis 1555).

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über fanden seine Lyrik, feine Lustspiele nach altrömischem Vorbilde und seine Satiren nichtdie verdiente Beachtung.

Neben Bojardo und Ariost steht ein dritter Epiker, an dichterischem Genius und Adelbeiden zwar nicht ebenbürtig, aber doch von Bedeutung dadurch, daß er Bojardos Gedichtin Ariosts Art umgestaltete und es in seiner Urgestalt auf diese Weise dem Bewußtseinseiner Landsleute fast ganz entfremdet hat. Noch heute liest man in Italien den OrlanäoInnainoruto zumeist in der Umdichtung, die ihm ein witziger Sonderling angedeihen ließ,der zugleich einen neuen Abschnitt in der jenen Tagen so sehr zusagenden burlesken Poesie,die kossia Lsrnsseu einleitet. Dieser Dichter, Francesco Berni, hat von Bojardo nurden Stoff entlehnt; die alle Romantik zersetzende Form gehört ihm selbst, soweit er sie nichtdem Ariost abgelernt hat. Was dieser aber mit männlichem Verstände aus der Fülle seinerEinbildungskraft geschöpft hatte, das sucht Berni durch Mutwillen, Wortspiele und anderePossen zu ersetzen, wobei er zugleich Bojardos einfachen, ungekünstelten Stil entstellte. Ebendamit gefiel er aber der Zeit, aus der ihm nur spärlicher Widerspruch entgegenschallte-Sein Gedicht „Den verliebten Roland, verpsuscht von Berni" zu betiteln, wagte wenigstensein Mann, und gerade dieser hat ihn auf dem Gebiete der niedrigen Komik übertrumpft,Pietro Aretino. Der ausgeprägteste Vertreter der Vielseitigkeit des damaligen Schrift-tums in Italien, war er auch sein Verderber. Schlüpfrige Sonette, Bußpsalmen, glatteZoten, die Bücher von der Menschheit Christi, schamlose Dialoge, Lust- und Trauerspiele,Erklärung der Genesis, Epopöen u. a.: alles floß gleich leicht aus seiner Feder — gegenBezahlung. Keiner hat in Satiren, Schilderungen, persönlichen Angriffen so sehr alle Rück-sicht auf Sitte, Ehre und Anstand außer acht gelassen wie dieser gesährliche Vielschreiber. Fürsten,selbst Kaiser Karl V., erkauften das Stillschweigen seiner Lästerzunge mit hohen Summen. Fastsämtliche Schriften Aretinos gehörten zu den in Italien verbotenen Büchern; heute aber sindsie, als nur für den Augenblick geschrieben, unverständlich oder schal. Nur seine Lustspielebehaupten einigen Wert wegen der Leichtigkeit des Zwiegespräches und wegen der komischenWahrheit der gezeichneten Zustände, wenn sich auch darin des Verfassers Gabe, allen Ver-hältnissen des Lebens nicht nur eine lächerliche, sondern gewöhnlich auch schlechte Seite ab-zugewinnen, zur Virtuosität steigert. In Aretins bedenkenlos launenhafte, aber wirksameArt schlug der entlausene, dann ins Kloster zurückgekehrte Mönch Teofilo Folengo ein,der sich selbst bald Nsrtiuo Ooeoaio, bald Ininoruo kitoooo nannte. Gegen die Romantikwandte er sich mit dem Ortunckino, einer spöttischen Verzerrung der Nolandsage. SeinOpus Norlini Ooeeai NaevuroniLum, ein Heldenlied von einem Schelmen, deutet schondurch seinen Titel auf die Makkaronische Dichtung, einen Mischmasch aus richtigemLatein und fremdsprachigen Wörtern mit lateinischen Endungen. Darin ist auch Folengosilloseusu (Mückenkrieg) abgefaßt.

Diese makkaronische Afterdichtung zielte auf eine zwischen Bojardo und Arioststehende Gruppe von Dichtern, die der klassischen Literatur nicht nur, wie jene beiden,vervollkommnete Form, sondern auch die verbindlichen Muster entnahmen, diesie mit so sklavischer Treue nachahmten, daß sie darüber ihr Volkstum vergaßen.

Diese gelehrte Dichtung bevorzugte folgerichtig alte Stoffe vor dem KärlingischenSagenkreise. So bildet sie gewissermaßen den Übergang von den lateinisch schreibendenHumanisten zur italienischen Dichtung. Jacopo di Carlo arbeitete in II Trojauo dieJliade im romantischen Sinne um, wie Luigi Alamanni in ^varobicks (von der StadtAvaricum, heute Bourges, dem Schauplatze der Handlung); in ähnlicher Weise verschmolzLodovico Dolce beide homerische Epen zu seinem Lues. Als politischer Gegner der Mediciging Alamanni in die Dienste Franz 1. von Frankreich, dessen Anregungen er mit demEpos Oirons il oortoss nachging. Wie vielseitig er war, lehren seine Lust- und Trauer-spiele sowie das Lehrgedicht vom Landbau, eine Huldigung für seinen königlichen Gönner.Florentiner wie er war Giovanni Ruccellai, dessen Leben neben der Dichtkunst diplo-matischen Geschäften gewidmet war. Glücklicher als auf dem Gebiete des BühnenstückesMar er mit Ov nxi (Die Bienen), dem ersten Lehrgedichte der neueren Literatur. SeinVorbild, den Vergil, ahmte auch Giovanni Giorgio Trissino in Itutiu tibsrutu cku' Ooti(Befreiung Italiens von den Goten durch Belisar) mit peinlicher Treue nach, überbot esWohl gar durch frostig Prunkhafte Schilderungen, weitausgesponnene Reden und das Auf-gebot der Gestalten aus dem heidnischen Olymp wie aus dem christlichen Himmel. Gleicher-maßen ist seine Dramatik von römischen Mustern abhängig, besonders die Zwillinge,-^b er oder Ruccellai den vsrso seiolto, (reim-)lvsen Vers auS fünf Jamben, dessen sich dievrer zuletzt genannten Epiker bedienten, erfunden hat, ist strittig. Trissino lebte als PäPst-Ucher Gesandter am Hofe Maximilians und Karls V.

Berni

14N-153«

Aretino1492-1557

Folengo

1491-1554

Makkaro-

nischs

Dichtung

Gelehrte

Dichtung

AlamanniI4S5—155«

Dolce

1508-1568

Ruccelat

1475-1525

Trissino

1478—1550