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Dritter Band.
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170 Erstes Buch: Das Zeitalter der Entdeckungen und der Reformation. Z 104.

Gobelin im Kunstgewerbemuseum in Berlin). Die Spitzenklöppelei (Barbara Uttmann,1575) ist keine sächsische Erfindung; ihr Ursprung ist in einer Gegend zu suchen, woNetze gestrickt werden, wie alle Spitzenarbeit in der Art der Reticella.

Töpferei Der Ofen im Fürstenzimmer des Schlosses Hohensalzbnrg (1501), mit dem sich die

Töpferei zum ersten Male im Kunstgewerbe sehen lassen darf, ist noch rein gotisch. Re-naissancelemcnte (plastisch und reich an Farben, voll Figuren der Helden aus der Profan-nnd biblischen Geschichte) zeigen die Öfen erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts (imGermanischen Museum in Nürnberg, im Salzburger Museum, im Nationalmuseum inMünchen und in Privatsammlungen, manches noch an seinem ursprünglichen Bestimmungs-orte); ihre Heimstätte war Nürnberg, Salzburg, Südtirol und im Schwarzwald (HansKraut, 1532—1587, Augustin Hirsvogel, 1488—1553). Die Steinzeugfabrikation blühtebis zum Beginn des Dreißigjährigen Krieges (Siegburger Krüge, „Schnellen" genannt,und „Raerner Bartmänner" in Berlin): die „Krugbäckerei" ä in gräs cts Ölanctrs, die aberKMfer nicht aus Flandern kommt, sondern vom Niederrhein. Die Stengelgläser werden aus Italieneingeführt, dagegen ist die Humpenform (die Willkommbecher und „Wiederkomm") in Bayernund Sachsen zu Hause. Johann Schaper (um 1600—1670) versah die Gläser meist mitschwarzer Zeichnung (Schaperglüser). Unter dem Einfluß der Reformation erstarb die kirch-liche Glasmalerei; an ihrer Stelle entstand eine Feinmalerei für das Haus, die aus der-selben Scheibe verschiedene Farben nebeneinander setzte (gemalte Wappen in Rats- und Zunft-stuben, Fabriken in Bern, Zürich, Solothurn, Schaffhausen und Basel, wo Holbein Vor-lagen dafür zeichnete).

Eif sn- und Die Zeichnungen auf Eisenarbeiten (an Kästen, Schlössern und Harnischen) wurden

^n^Wafftn entweder eingeätzt oder nach orientalischer Art durch Tauschierung (Damaszierung) ausgeführt:

man grub ursprünglich die Zeichnung in den Stahl ein und füllte dann durch Hämmerndie Vertiefungen mit Gold aus oder man rauhte die ganze Fläche durch Schraffierung undschlug das Gold auf die Zeichnung auf (Rüstung Kaiser Rudolfs II. in der AmbraserSammlung, Harnisch Herzog Alexanders von Parma, des Eroberers von Antwerpen, HelmKarls V., Harnisch des Markgrafen Joh. Georg von Brandenburg-Jügerndorf, Wien,Art.-Ars.-Mus.). Die deutschen Waffenschmiede taten es den berühmten Mailänder Zunft-genossen gleich. Auch das Ausland begehrte ihre Arbeit; so stammte die PrunkrüstungFranz I. von einem Angsburger Plattner.

Nieder- H 104 . Malerei. Am Eingänge des neuen Kunstzeitalters steht die Schöp-

H. «an E,ck sung zweier Brüder aus Maaseyck bei Maastricht, Hubert und Jan van

"-1426^ der Flügelaltar von S. Bavo in Gent, ein Werk, das die Vorzüge und

I. «an Eyck Sondereigenschaften der niederländischen Malerei mit einem Schlage kundtut:um^sso Lebensfülle und Naturwahrheit, von mittelalterlichem Hauch berührte feierliche

Größe, kraftvolle Gestaltung und zarte Anmut, Formgefühl und vor allemMeisterschaft in Lichtführung und harmonischer Farbengebung, ohne daß wirzeitlich ferner Stehenden die Entwickelung der Kunst bis zu dieser Reife zuverfolgen vermögen.

Die italienische und die nordische Renaissancemalerei setzen zu gleicher Zeit ein:in den Jahren, um 1420, in denen das Genter Altarwerk entstand, schuf Masaccio seine be-rühmten Fresken in der Brancaccikapelle von S. M. del Carmine in Florenz. Das ein-gehende Studium des Nackten, das den Südländer besonders anzog, war aus naheliegendenGründen den in höheren Breiten schaffenden Künstlern so gut wie verwehrt; dafür ent-schädigten sich diese durch die Freude an der Farbe, an farbigen Kontrasten, vor allem anden Prachtgewändern ihrer Zeit: die elementare Kraft ihrer Kunst schuf eine Farben-harmonie, deren leuchtende Glut bis heute noch unübertroffen ist und uns in Verbindungmit der bis ins kleinste angestrebten Naturtreue und der genauen Wiedergabe des Stofflichenhäufig vergessen läßt, daß Formenadel und seelischer Ausdruck mit jenen Vorzügen nichtimmer gleichen Schritt halten. Ein kluger Einfall ließ die Künstler zu der schon längst imHandwerk verwendeten Ölfarbe greifen, deren Herstellung sie zweckentsprechend vervollkomm-neten; die besten Rezepte aber hat die Schule mit, ins Grab genommen. Die Ölfarben-technik mit gleichzeitiger Anwendung der Lasuren (Übermalung des farbigen Untergrundesmit durchsichtigen Farben) erlaubte, im Gegensatz zur Temperamalerei, das Malen vonnaß in naß, das Vertreiben der Farben zur Erzeugung zarter Übergänge und zur Er-weichung der plastischen Formen.

Das Kunstkleinod der Bavokirche ist ein Altarschrein, dessen geschlossene Flügel obenvier Lünetten mit zwei Sibyllen zwischen zwei Propheten (Herolde der im Inneren ver-