Band 
Dritter Band.
Seite
171
JPEG-Download
 

8 104.

Neuntes Kapitel: Literatur und Kunst (bis 1855).

171

borgenen feierlichen Szene), inmitten die Verkündigung und unten die beiden Johannes(grau in grau) zwischen dem Stifterehepaare Vydts zeigen Innen thront in der oberenTafelreihe Gottvater zwischen Maria und dem Täufer, zu beiden Seiten (auf der Rück-wand der Flügel) singen und musizieren die göttlichen Sendboten, zu deren Seiten Adamund Eva, getrennt von der himmlischen Herrlichkeit, harrend lauschen. Das Mittelbild derunteren Reihe verkündet die Erlösung der sündigen Menschheit in der Anbetung des Lammesund dem Brunnen des lebendigen Wassers (Apokalypse VII) inmitten von Propheten undHeiligen. Von beiden Seiten (auf , den Flügeltafeln) nahen die Streiter Christi, die ge-rechten Richter (unter diesen, der Überlieferung zufolge, die Bildnisse der Brüder Eyck,

Hubert mit Pelzkappe und pelzverbrämter „Houppelande" und Jan, sich zur Seite neigend,mit turbanartiger Kopfbedeckung), die heiligen Einsiedler und die von S. Christophorusgeführten Pilger. Die Mittelbilder wurden 1794 nach Paris entführt, 1816 aber wiederin die Bydtsche Kapelle zurückgebracht; die Flügel gelangten nach mannigfachen Schick-salen 1821 in das Berliner Museum. Die Bilder von Adam und Eva wurden schon 1781abgelöst und befinden sich seit 1860 im Brüsseler Königlichen Museum. Das Prado-Museumbesitzt eine vortreffliche Kopie des Werkes von M. van Coxie.

Von Hubert rührt der Entwurf des Ganzen und die Ausführung der oberen Mittel-bilder her, die anderen Tafeln sind von Jans Hand; von diesem außerdem: thronendeMadonna des Kanonikus van der Tale und Bildnis von des Künstlers Gattin in derAkademie in Brügge, der Mann mit den Nelken, Christuskopf im Berliner Museum, Bild-nisse von I. Arnolfini, dessen Gattin u. a. in der Londoner Nationalgalerie, Madonnen undHeilige (darunter ein Neisealtar, außen die Verkündigung, in miniaturartiger Feinheit) imDresdner Museum, Madonna im Städtischen Institut in Frankfurt a. M-, Madonna desKanzlers Rollin im Louvre, Verkündigung in der Eremitage, S. Barbara in der König-lichen Galerie in Antwerpen.

Die bedeutendsten Nachfolger der Brüder van Eyck sind Petrus Christus (S. Eli- P. Christusgius als Goldschmied bei A- v. Oppenheim in Köln, Verkündigung, Geburt Jesu, I um ii?sJüngstes Gericht, Madonna mit Heiligen, Weibliches Bildnis in der Berliner Galerie,

Madonna und Heilige im Städtischen Institut und bei Rothschild in Paris, Pietä inBrüffel) und Hugo van der Goes (Anbetung der Hirten, Dreiflügelaltar der Familie H. van derPortinari für das von ihren Vorfahren gestiftete Hospital S. M. Nuova in Florenz).Selbständiger, aber herber ist die Rogier van der Weyden (gen. R. van Brügge): Mira- g,. van derflores-Altärchen (Pietä und Erscheinung des Auferstandenen), Johannis-Altarchen (Taufe WeydenChristi, Geburt Jesu und Enthauptung des Täufers), der Bladolins-Altar (Anbetung des "«>—Kindes, Augustus und die Sibhlle, die h. drei Könige) im Berliner Museum, JüngstesGericht im Hospital in Beaune, Kreuzabnahme im Escorial, Kopie in Berlin, S. Lucas dieMadonna malend, Flügelaltar mit der Anbetung der Könige, Verkündigung, Darstellungim Tempel und Bildnissen burgundischer Herzöge, in der Münchener Pinakothek, Sakraments-altar im Antwerpner Museum, Grablegung in den Uffizien. Ihm verwandt, aber unbe-holfener in der Zeichnung, in der Farbe jedoch warm und leuchtend, ist Dierick Bouts: D. BoutsAbendmahl in der Peterskirche in Löwen (Flügel in München und Berlin), Triptychon(Anbetung der Könige, der Täufer und S. Christophorus) in München, Augustus und dieSibhlle im Städelschen Institut. Drei Altarbilder der Abtei Flemalle in Belgien liefern Meister vondie Bezeichnung für einen anonymen Meister, der in seinen Gestalten Rogier sehr nahesteht: Verkündigung (Brüssel, im Besitz der Gräfin Merode), Christus am Kreuz (Berlin,

Museum), H. Veronika, Madonna, Dreifaltigkeit (Frankfurt, Städelsches Institut), Altar desKanonikus Werl von 1438 (Prado). Rogiers liebenswürdiger Schüler Hans MemlingH. Memiingübertrifft seine Vorgänger an Schönheitssinn, heiterer Anmut und zarter Empfindung:Flügelaltar (Jüngstes Gericht) in der Marienkirche in Danzig, Johannisaltar (Verlobungder h. Katharina), der Reliquienschrein mit sechs Bildern aus der Ursula-Legende im Johannis-hospitale in Brügge, Leben der Maria, „die sieben Freuden Maria" (Pinakothek in München),

Passion Christi, „die sieben Schmerzen Mariä" (Galerie in Turin), Passionsaltar im LübeckerDom. Dieselbe Richtung verfolgt Gerard David: Madonna mit Heiligen und Engeln G. Davidim Museum von Rouen, Taufe Christi und Kreuzabnahme in Brügge, Kruzifix in Berlin,

Madonna in Darmstadt. — Die niederländische Miniaturmalerei der Frührenaissance (Deck-farben auf Pergament) gehen auf die burgundischen Miniaturen zurück; die wertvollsten sinddas Lrsviuriuin Olrirnnni (Markusbiblivthe! in Venedig), eines der livrss ä'bsurss, Gebet-bücher mit bildlichen Darstellungen des menschlichen Tuns in den verschiedenen Monaten,ähnliche Bilder im Münchner Nationalmuseum und in der Wiener Hofbibliothek, WilhelmVrelants Ilisroii o cls üuz-imut in der Königlichen Bibliothek in Brüssel, die Chronik vonJerusalem, der Roman des Gerard von Roussillon, in Wien. Kunstvolle Webereien, in