186 Zweites Buch: Zeitalter der Gegenreformation (1555—1618). Z 109.
dorten und ihm Kampfesfreudigkeit gaben, muß an erster Stelle derJesuitenorden genannt werden. Er ist hervorgewachsen aus demeigentümlichen Geist der spanischen Ritterschaft, wie er sich gebildet hattein den jahrhundertelangen Maurenkämpfen, in denen die spanische Nationund der spanische Staat geboren, in denen jene den Spaniern eigenartigeDurchdringung von Volkstum und Religiosität entstanden ist (II, K 336) ; eswar eine Religiosität, die Andersgläubige mit Fanatismus verfolgte, deraber auch ein mystischer Zug der Versenkung in das Göttliche eigen ist.
Jgnatius Jnigo (Jgnatins) Lopez de Recalde h Loyola, geboren im Jahre 1491 aufgeb.Äsi Schloß Loyola in der Laskischen Provinz Guipuzcoa, stammte aus einem angesehenen ritter-g-st. 1558 lichen Geschlechte und erfüllte seinen Geist früh mit den Idealen des spanischen Rittertums.Als die Franzosen im ersten Kriege gegen Karl V. (Z 41) Navarra angriffen, wurde ihm1521 bei der heldenmütigen Verteidigung Pamplonas durch eine Kugel das rechte Bein zer-schmettert. Da er trotz oder wegen der vorgenommenen Operation lahm blieb, hatte seineritterliche Laufbahn ein frühes Ende gefunden. Während eines langen, schmerzhaften Kranken-lagers erhitzte er nun seine lebhafte Phantasie an der Lektüre von Heiligengeschichten undfaßte den Entschluß, das weltliche Rittertum durch ein geistliches zu ersetzen und »wie St.Franciscus durch der Erde Elend des Himmels Herrlichkeit zu erwerben". In der Kapelleder Heil. Jungfrau von Montserrat bei Barcelona, deren reinem Dienste er sich weihte, hängteer seine Waffen als Weihgeschenk auf, nahm das Gewand eines bettelnden Pilgers und unterzogsich im Dominikanerkloster von Manresa den fürchterlichsten Kasteiungen. Täglich betete ersieben Stunden und geißelte sich dreimal. In diesen Vußübungen schloß er mit seinembisherigen Leben endgültig ab und gewann aus ihnen und aus wunderbar phantastischenVisionen über die Geheimnisse des Glaubens Kraft für seinen neuen Beruf. So vorbereitet152» trat er eine Pilgerfahrt nach dem Heiligen Lande an, um als Missionar zn wirken, mußteaber wegen der Anfeindungen des dortigen Klerus unter schweren Entbehrungen nach1521 Spanien zurückkehren. Mit bewundernswerter Beharrlichkeit erwarb er sich nun inAlcala und Salamanca, dann, als ihn die über seinen Bekehrungseifer besorgte Inquisitionzweimal in ihre Kerker warf, feit 1528 in Paris durch eifrig betriebene theologische undphilosophische Studien die ihm bisher mangelnde Bildung.
Eutsi-Hung In Paris reifte sein Entschluß, einen neuen Orden zur Ausbreitung deskatholischen Glaubens zu gründen. Er und sechs Genossen (Petrus Faber,Franz Lavier, Diego Lainez, Alonso Salmeron, Nikolaus Bobadilla, Simoni5.Aug.i5»4Rodriguez) legten in der Marienkirche auf dem Montmartre das Gelübde ab,nach Beendigung ihrer Studien nach Jerusalem zu gehen zur Bekehrung derUngläubigen oder, falls dies unmöglich sein sollte, sich vom Papste das Zielihrer Wirksamkeit bestimmen zu lassen und seinen Befehlen bedingungslos nach-zukommen. Das ist der Anfang des Jesuitenordens. Im nächsten Jahre gingJgnaz in seine Heimat und traf dann der Übereinkunft gemäß im Januar 1537mit seinen Genossen in Venedig zusammen. Hier machten sie sich durch Buß-übungen und Predigten, durch Krankenpflege und Bekehrungen bekannt; dieÜberfahrt ins Heilige Land aber wurde durch den Türkenkrieg (8 54) unmöglich.So gab Jgnaz diesen Gedanken auf und ging Anfang des nächsten Jahresmit einigen seiner Genossen nach Rom, um die päpstliche Bestätigung desneuen Ordens zu erwirken. Er nannte ihn „Kompagnie (Gesellschaft)Jesu" und fügte zu den alten Mönchsgelübden (Armut, Keuschheit, Gehorsam)als viertes hinzu das des unbedingten Gehorsams gegen den Papst,das in Paris zuerst als Notbehelf aufgetreten war; hier zeigt sich der soldatischeGeist des Stifters: wie eine stets kampfbereite Kohorte sollte der neue Ordendem Papste zu beliebiger Verfügung stehen. Trotzdem waren noch mancheL7.SePt.i5tv Schwierigkeiten zu überwinden, ehe ihm Paul III. die apostolische Genehmigungerteilte. Jgnaz wurde der erste Ordensgeneral und leitete seinen Ordenmit selbstherrischer Strenge, bis er am 30. Juli 1556 starb. Ihm und seinemklugen Nachfolger, dem Spanier Lainez (ch 1564), unter dem 1558 die vonJgnaz bearbeiteten „Konstitutionen" von der Generalkongregation angenommenwurden, verdankt die Gesellschaft Jesu ihre feinberechnete Organisation.