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Dritter Band.
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8 122. Zweites Kapitel: Südeuropa unter spanischer Vorherrschaft. 205

Jahrhunderts treten die weltlichen Interessen, die Verwaltung des Kirchen-staates und die große europäische Politik wieder mehr in den Vordergrund.

Im übrigen beherrscht Spanien seine Nebenlande (Neapel, Sizilien, Sar-dinien, Mailand) unmittelbar und übt in den meisten übrigen italienischenStaaten, deren Fürsten sich auf Spanien stützen, bis etwa zur Mitte des17. Jahrhunderts den maßgebenden Einfluß.

Im Kirchenstaate folgte auf Gregor XIII. (A 114) der vom armenHirtenknaben zur höchsten geistlichen Würde aufgestiegene Sixtus V. Eine Sirius v.gewaltige Herrschernatur, vielleicht der bedeutendste Kirchenfürst des Jahrhunderts, ises-issswar er vor allem bestrebt, der im Kirchenstaate eingerissenen Verwirrung zusteuern. Gregor XIII. hatte, um die Mittel zur Unterstützung der katholischenPolitik Philipps II. zu gewinnen, die Einziehung von Gütern des römischenAdels verfügt; dem hatte dieser bewaffneten Widerstand entgegengesetzt undSöldner geworben. Diese „Banditen", deren Zahl auf 27 000 gestiegen war,vernichtete Sixtus und stellte durch unerbittliche, barbarische Strenge einen festenRechtszustand her. Weiter gab er der vatikanischen Bibliothek ihre Größe, rettetedie Riesenwerke des Altertums (das Kolosseum, den Obelisk auf dem Peters-platze u. a.) vor dem Verfall, um damit den Sieg des Kreuzes zu verherr-lichen (die Säulen des Trajan und Marc Aurel krönte er mit den Statuen desPetrus und Paulus), legte eine großartige Wasserleitung an (Xe<zua Idslios),vollendete neben anderen Bauten die Kuppel der Peterskirche und hinterließdoch noch einen großen Schatz in der Engelsburg, der durch Anleihen undAusdehnung des Ämterverkaufs gesammelt war. Seine finanziellen Maßnahmenwaren sehr drückend, seine Härte verleitete ihn zu Ungerechtigkeiten, er wurdegehaßt und geschmäht: aber seine Tatkraft verdient doch Bewunderung. Nachdrei Päpsten, die schnell starben, folgte Clemens VIII., der den Versuch gregorxiv.machte, dem von Spanien ausgehenden Drucke in Frankreich ein Gegengewicht isso-issizu schaffen. Er absolvierte Heinrich IV. (Z 148) und stiftete Frieden zwischen ^""159"^ihm und Spanien. Von Frankreich unterstützt zog er 1597 Ferrara als erledigtes SiemensLehn ein (ß 122). Der stolze PaulV. (Camillo Borghese) trat einmal wieder isW-iöosmit den alten Machtansprüchen über die weltlichen Staaten hervor und sprach L°o xi.w«iüber Venedig Bann und Interdikt aus, weil es die Auslieferung einigerverurteilten Kleriker und die Aufhebung eines Gesetzes gegen die Vermehrungdes Grundeigentums der Kirche verweigerte. Indes Venedig fügte sich nichtund vertrieb sogar die Jesuiten aus seinem Gebiete; schließlich ging der Papstauf einen Vergleich ein, der einer Niederlage gleichkam; auch die Jesuitenblieben noch ein halbes Jahrhundert verbannt. Gregor XV., der Begründer ^21-102!'der Propaganda (§ 111), erhielt die Heidelberger Bibliothek als Ersatz für dieOpfer, die er im Anfang des Dreißigjährigen Krieges (ß 196) gebracht hatte.

Sein Nachfolger Urban VIII. sah es nicht ungern, daß die Macht des HausesHabsburg durch diesen Krieg gemindert wurde, und trat z. B. im MantuanischenErbfolgekriege (Z 203) gegen Österreich auf; bei den deutschen Friedensverhand-lungen suchte er dann jedes Zugeständnis an die Protestanten zu verhindern.

Er widersetzte sich damit der geschichtlichen Notwendigkeit, und der Protest seinesNachfolgers Jnnocenz X. gegen den Westfälischen Frieden bewies nur, daßdie katholische Reaktionspolitik gescheitert war, und ist als ein Beweis politischerOhnmacht anzusehen.

§ 122. Toskana. Savoyen. Genua. Venedig. Parma. Mo- T°s-°n°dena. Mantua. Wir wissen, daß das Schicksal von Florenz seit1494, d. h. seit der ersten Vertreibung der Mediceer (II, § 325), aufsengste zusammenhing mit den großen europäischen Konflikten. Die einstvon Savonarola geführte republikanische Partei suchte eine Rückendeckungbei Frankreich, während Karl V. die Mediceer begünstigte, seitdem der