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Zweites Buch: Zeitalter der Gegenreformation (1555—1618).
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nicht genug, verurteilte der Sondergerichtshof Oldenbarneveldt zum Tode, und2 s. Manois Moritz, der ihn hätte begnadigen können, ließ das Urteil vollziehen, obgleichOldenbarneveldt einst das meiste getan hatte für seine Erhebung zum Statthalter;Grotius wurde zu lebenslänglicher Haft verurteilt (§ 260). Die HinrichtungOldenbarneveldts, der neben Wilhelm von Oranien sich in den kritischenTagen des Freiheitskampfes besonders verdient gemacht hatte, war ein schnöderJustizmord; er bedeutete den Sieg des durch Moritz vertretenen gesamt-staatlichen Gedankens über die Souveränität der einzelnen Provinzen.Bald darauf brach der Krieg mit Spanien wieder aus (ß 222), durch den dasAnsehen der Oranier noch weiter stieg; doch kam es nicht zu einer Verfassungs-änderung im monarchischen Sinne: dazu war Moritz nicht Staatsmann genug.W.April 1625 Die Unterdrückung der Arminianer dauerte bis zum Tode des Prinzen Moritz;1625—1647 unter seinem Nachfolger Friedrich Heinrich erlangten sie Duldung und eindurch freisinnige Wissenschaft blühendes Kirchenwesen.
§ 138. Der Aufschwung der Niederlande. Ein viel erfreulicheresBild als auf politisch-kirchlichem Gebiete zeigen die Niederlande in derEntwicklung ihres Wirtschafts- und Geisteslebens.
Wirtschaft- Wir haben oben (8 126) gesehen, daß die Niederlande schon unter Karl V.Wicklung eine hohe wirtschaftliche Blüte erreicht hatten. Damals war der Süden dereigentliche Sitz der auf Industrie und Handel beruhenden Kultur und Antwerpenihr Mittelpunkt, indes der Norden von der Landwirtschaft und dem Fisch-fang lebte. Während der Befreiungskämpfe wurde nun die hohe Kultur des
Südens auf den Norden übertragen. Kaum hat sich sonst so deutlich wie hier
gezeigt, daß die Vorbedingung einer solchen Kultur die freie Betätigung des
Geistes ist. Anfangs hatte sich ein freierer Geist auch im Süden gegen die
spanische Gewaltherrschaft geregt; je mehr dieser Geist aber im Süden unter-drückt wurde, je schlimmer hier der spanisch-katholische Zwang wurde, um sozahlreicher wanderten gerade die tatkräftigen und selbstbewußten Elemente nachdem Norden und nach England aus. Sie brachten dem Norden ihre industrielleGeschicklichkeit und ihren Unternehmungssinn; und als Antwerpen die spanischeFurie erduldet hatte (ß 131) und dann von Parma erobert war (H 134), dazudie Scheldemllndung von den Holländern blockiert wurde, trat Amsterdam anseine Stelle. So blühten Gewerbe und Handel des Nordens glänzendauf. Es entstanden besonders Tuch-, Leinwand-, Seiden- und Teppichfabriken;noch wichtiger aber wurde es, daß die Holländer die Vermittler des nordischenHandels mit dem des Südens wurden und bald auch nach Indien fuhren.
Handel Sie waren hierbei die Erben sowohl der Hanseaten wie der Spanierund Portugiesen. Die alte hansische Niederlassung in Brügge war mit dem Auf-blühen Antwerpens hierher verlegt worden; der Niedergang Antwerpens trafauch die Hanse, und die Holländer hüteten sich, ihr im Norden wieder Privilegieneinzuräumen. Ja sie drangen nun ihrerseits in das althansische Gebiet, in dieOstsee, ein und holten von dort namentlich Getreide und Holz; der hanseatischeHeringshandcl war ja schon vorher (II, Z 320) auf sie übergegangen. Auf deranderen Seite fuhren sie nach Spanien, nach dem Mittelmeer und in die türki-schen Häfen, und endlich suchten sie auch unmittelbaren Verkehr mit Indien.
Diesem Zwecke diente das Bemühen, eine nordöstliche Durchfahrt um Nordasienherum zu finden. Sie folgten hier den Spuren der Engländer <Z 159), erreichten aber ebensoBarsnts wenig wie diese das ersehnte Ziel. Willem Barents gelangte 1594 bis Nowaja Semlja,1596 auf 1597 überwinterten Barents und Jakob Heemskerk als erste, die das wagten,1 1607 bei Nowaja Semlja. Die Generalstaaten hatten sich an den ersten Unternehmungen be-15 S 5 teiligt und dann einen Preis für die Entdeckung ausgesetzt: erst 1878—1879 löste Norden-fkjöld mit der „Vega" das Problem und erhielt den vor fast zwei Jahrhunderten aus-gesetzten Preis.
Indi-n Wichtiger wurden die direkten Fahrten nach Indien. Gegen Ende desJahrhunderts entstanden dafür mehrere Kompagnien, die dann unter Ver-