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Zweites Buch: Zeitalter der Gegenreformation (1555—1618).
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Frankreich spanischer Vasallenstaat werden oder europäische Großmachtbleiben sollte; er verlor Mailand und vermochte Savoyen nicht zu ge-winnen, aber er rettete seinem Volke die Unabhängigkeit und seinemStaate die Großmachtstellung. Er erfüllte damit zugleich eine europäischeAufgabe als Vorkämpfer des nationalen Individualismus gegen denUniversalismus (8 1). Als Bundesgenossen nahm er dabei ebenso diedeutschen Protestanten wie die Osmanen; der nationale Gedanke standihm eben höher als der kirchliche, und in dem Bündnisse mit den Un-gläubigen löste er seine auf den Vorteil gerichtete Politik ganz von denFesseln mittelalterlicher Ideen (8 54).
Rum Mußten die Erfolge seiner auswärtigen Politik den Gedanken desnationalen Königtums stärken, so nicht minder seine Maßnahmen imInnern und seine Persönlichkeit. Er vermochte das weiterzuführen, wasPhilipp IV. (der Schöne), Karl VII. und Ludwig XI. begonnen hatten(II, Z 278, 351, 352).
Konkordat Der Kirche gegenüber erhielt die Krone einen Machtzuwachs durch dasIsis mit dem Papste geschlossene Konkordat. Für den Papst war es ein Gewinn,daß ein Konkordat an die Stelle der pragmatischen Sanktion von 1438(II, ß 313, 351) trat, da ja diese von ihm nie anerkannte Sanktion auf demGedanken beruhte, daß das Konzil über dem Papste stehe und das Verhältnisvon Staat und Kirche durch die staatliche Gesetzgebung geregelt werde; einweiterer Gewinn für den Papst war es, daß er seine Einkünfte, besonders dieAnnalen, zurückerhielt. Aber größer noch war der Gewinn für die Krone.Unter Aufhebung der freien Bischofs- und Abtwahl erhielt nämlich der Königtatsächlich das Recht alle hohen Geistlichen (man zählte damals 10 Erzbischöfe,83 Bischöfe und 527 Äbte) zu ernennen: der König präsentierte sie, und derPapst verlieh ihnen dann ihr Amt (providierte sie). Der König brach indiesem Konkordat mit der seit 80 Jahren befolgten Politik, und es ist erklärlich,daß viele mit dieser Preisgabe oder, besser gesagt, Aufteilung der gepriesenen„gallikanischen Freiheiten" (II, 8 307) nicht zufrieden waren: nur mit Wider-streben registrierte das Pariser Parlament das Konkordat. Indes den Charakterder Nationalkirche verlor die französische Kirche nicht; sie wurde nur wesentlichabhängiger von der Krone. Und der König begann nun seit 1532 die Geistlich-keit nach Bedürfnis mit Zehnten zu belegen, ohne diese, wie bisher üblich, vomPapste bewilligen oder von der Geistlichkeit genehmigen zu lassen; er bezeichnetediese Abgaben als freiwillige Beisteuern, forderte sie aber und erhielt sie.
«Losmacht Über den Feudaladel hatte das nationale Königtum schon unterLudwig XI. triumphiert (II, 8 352). Gewiß fühlten sich die altadeligenProvinzialgouverneure noch als Landesherren, aber das war dem erstarktenfranzösischen Nationalbewußtsein gegenüber nicht mehr gefährlich, wie am bestendie mißlungene Erhebung Karls von Bourbon (8 41) bewies. Sonst warendem Königtum Schranken gesetzt in den Provinzial ständen, den seltenberufenen Reichs ständen (I^tats Aönsraux) und den unabhängigen Parla-menten (obersten Gerichtshöfen), von denen das Pariser das Recht hatte, dieköniglichen Erlasse bei der Einregistrierung (Aufnahme unter die gültigen Gesetze)einer Prüfung zu unterwerfen. Indes diese heilsamen Schranken zeigten nur,daß das Königtum nicht absolut war, minderten jedoch seine innere, auf demZusammenhang mit der Nation beruhende Kraft nicht. Es hatte die festenvon Karl VII. geschaffenen Stützen (II, ß 351): das stehende Heer und dietuills, von der allerdings Adel und Klerus befreit waren. Um die Ein-nahmen zu mehren, erhöhte der König die Taille und griff schon zu dem ver-werflichen Mittel, Parlamentsstellen und andere Ämter zu verkaufen.
Für die Umwandlung des widerspenstigen Feudaladels in einen gefügigen