Band 
Dritter Band.
Seite
234
JPEG-Download
 

234

Zweites Buch: Zeitalter der Gegenreformation (1555—1618).

§ 140.

8 14V. Heinrich II. und Franz II. Als Franz I. im dreinnd-si.März 1547 fünfzigsten Lebensjahre ins Grab sank, ging die Krone auf seinen SohnHAEzZ- Heinrich II. über. Er setzte nach außen und innen die Politik desVaters fort. Im Kampfe gegen Habsburg gewann er zuerst als Ver-bündeter der deutschen Fürsten Metz, Tvul und Verdun (8 71) und dannvon dem mit Philipp II. verbündeten England Calais (8 118); die alten1548 Beziehungen zu Schottland wurden noch enger geknüpft durch die Ver-1558 lobung und Vermählung des Dauphin mit Maria Stnart (8 83). DieseVerbindung war auch für die innere Geschichte Frankreichs wichtig, wegender Stellung, die dadurch die Guisen am Hofe gewannen.

Guise» Dieses Geschlecht stammte ab von jenem Rene II. von Lothringen, dem einst Karl derKühne sein Land hatte entreißen wollen (II, H 317). Sein ältester Sohn Anton wurdeHerzog von Lothringen, und seine Nachkommen haben hier bis 1735, dann in Toskana undÖsterreich geherrscht; ein jüngerer Sohn Claudius erbte die in Frankreich gelegenen Güter undwurde der Stammvater der nach der (bald zum Herzogtum erhobenen) Grafschaft Guise benanntenfranzösischen Linie des Hauses Lothringen (Bd. II, Stammbaum XII). Von den sechs SöhnenI 1583 des Claudius *) ist uns Franz als Verteidiger von Metz (ß 71) und Eroberer von Calais1 1574 (H 118) schon bekannt, Karl wurde Erzbischos von Reims und Kardinal (gewöhnlich Kardinals 1578 von Lothringen genannt), Ludwig ebenfalls Kardinal (Kardinal von Guise genannt) undBischof von Metz. Eine seiner fünf Töchter, Maria, vermählte sich mit Jakob V. vonSchottland (8 83) und wurde die Mutter der Maria Stnart. Deren Vermählung mit demDauphin stärkte natürlich den Einfluß, den ihre Oheime Franz und Karl schon übten. —Sonst spielten am Hose eine hervorragende Rolle der Connetable von Montmorency (Z 71,v Poitiers 118) und die Geliebte des Königs, Diana von Poitiers, obgleich sie 20 Jahre älter war"geb. I 4 ss als Heinrich II.; die Königin Katharina von Medici (Z 141) übte neben ihr keinengest. 1568 nennenswerten Einfluß.

Hugenotten Die beiden Guisen, sowie Montmorency und Diana, waren leidenschaft-liche Gegner der Protestanten, und auch der König war fanatischerals sein Vater, da er diesem zwar in allen ritterlichen Übungen desKörpers gleichkam, nicht aber an Geistesbildung. So wurden die Ver-folgungen noch heftiger: Sondergerichte wurden gebildet, die Verbrennungenmehrten sich, Druck und Verbreitung evangelischer Bücher wurde mit strengenStrafen, die Flucht nach Genf 1555 mit dem Tode bedroht. Trotzdemdrang der Calvinismus, also die eigentlich streitende Reformkirche,mit Allgewalt nach Frankreich ein (8 76). 1555 entstand in Paris dieerste reformierte Gemeinde, und schon im Mai 1559 hielten die Abgeordnetenzahlreicher Gemeinden in Paris die erste calvinistische Synode,formulierten ihr Bekenntnis und schufen sich eine feste äußere Ordnung.Anfangs fand die neue Richtung ihre Anhänger zumeist im Bürgerstande;um 1558 aber schloffen sich ihr auch Mitglieder des Königshauses und deshöchsten Adels an: es waren das Anton von Bourbon, König vonNavarra, und seine Gemahlin Johanna d'Albret, die Tochter derMargarete von Navarra, ferner Antons Bruder Ludwig von Conde(Stammbaum 2) und die Brüder Chatillon, nämlich Franz von An-

*)

Claudius 1 1550

Maria Franz von Karl 1 1574 Ludwig 1 1578 Claudius

1. G. Ludwig Guise 11563 Kardinal von Kardinal von von Aumale

von Orleans G. Anna von Lothringen, Guise, Bischof j-1573

2. G. Jakob V. Este-Fsrrara Erzbischos von von Me«

von Schottland s Reims

Kran, 1 1583 Rens vonElboeuf -j-1568

Maria Stuart1. G. Franz II.von Frankreich

Heinrich l." -s )Ü88

Karl »o» Mayenne Ludwig

s 1811 f 1588

! Kardinal

Karl s 1848

Heinrich s 1821