238 Zweites Buch: Zeitalter der Gegenreformation (1855—1618). Z 148.
i8.F°br" WZFranz von Guise vor Orleans rückte, das die Hugenotten zum Heer-a°st.24.Febr. lager erkoren hatten, fand er seinen Tod durch Mörderhand. MitUnrecht bezichtigte der Täter (Poltrot) die in Orleans weilenden Häupterder Hugenotten, Coligny und Beza, der Mitschuld. — Katharina, vondem Druck des Triumvirats befreit und besorgt, daß das Ausland dieWirren zur Besetzung französischen Gebiets benutzen könnte, vermittelteMärz 1563 nun den Frieden von Amboise: der reformierte Gottesdienst solltefortdauern an allen Orten, wo er schon in Übung sei; überdies sollte denHugenotten in jedem Amtsbezirk ein Ort für ihren Gottesdienst ange-wiesen werden und allen Edelleuten das Recht zustehen, mit ihren Ange-hörigen in ihren Häusern nach ihrem Bekenntnis zu leben; in Paris jedochsollte der reformierte Kultus verboten sein.
Bald nach diesem Friedensschluß ließ Katharina den König nach2 i. IM i 56 s seinem Eintritt in das vierzehnte Lebensjahr für mündig erklären, umi5.Aug. 1563 alle Regentschaftsansprüche zu beseitigen. Sie führte nun die Regierungim Sinne der Vermittlung; deshalb verweigerte sie die Verkündigung derTridentiner Beschlüsse, und deshalb gab sie auch in Bayonne, wo sieJuni 1565 bei einer Rundreise des Hofes durch Frankreich mit ihrer an Philipp II.vermählten Tochter Elisabeth und Herzog Alba zusammentraf, derenDrängen nach gewaltsamer Unterdrückung der Ketzer nicht nach.
Zusammen- Die Bayonner Zusammenkunft ist viel erörtert worden wegen der Behauptung,Banonns daß hier bereits der Plan zur Bartholomäusnacht gefaßt worden sei. Diese Ansicht istjedoch unhaltbar. Elisabeth und Alba haben Katharina allerdings zu scharsen Maßnahmengegen die Hugenotten zu bestimmen gesucht; sie aber lehnte die Entlassung des mildenL'HöPital ab, sprach von einem Rcligionsgesprnch und einer Prälatenversammlung zurPrüfung der Bedingungen für Anerkennung des Tridentinnms und verhieß schließlich nur,sie wolle gleich nach ihrer Rückkehr „dem Religionszwist abhelfen". Und auch diese all-gemeine Zusage gab sie vielleicht nur, um dem Drängen Elisabeths und Albas ein Endezu machen. Gewaltmaßregeln zu ihrer Erfüllung ergriff sie nicht, doch zeigte sie sich hinfortden Katholiken geneigter, weil sie sich bei ihrer Rundreise überzeugt hatte, daß die Mehrheitder Franzosen an dem Katholizismus festhalten wollte.
Zw°mr Daraus ergab sich eine schlimme Folge jener Zusammenkunft. Sie1561 1568 weckte den Argwohn der Evangelischen, die Vorgänge in den Niederlanden129) und Schottland (Z 153) steigerten die Erregung, und als nunAlba nach Flandern zog und die französische Regierung Schweizer Söldner,angeblich zum Grenzschutz, warb, da glaubten die Führer der Huge-notten den drohenden Gefahren, die aber vielleicht nur eingebildet waren,zuvorkommen zu sollen. Durch einen unerwarteten Überfall suchten sieS°pi. i5üi sich des in Meaux weilenden Hofes und damit der Regierung zu be-mächtigen; indes der Versuch scheiterte: Karl und Katharina konntenio. R°°. i5«i nach Paris entweichen. Auch die Schlacht von St. Denis war, obgleichMontmorency dort die Todeswunde empfing, der er zwei Tage spätererlag, den Hugenotten nicht günstig. Nun schickte ihnen Johann Kasimirvon der Pfalz Hilfsvölker, während Karl von Lothringen der Katharinadie Annahme spanischer Hilfe empfahl. Um diese fremde Einmischung zu23. Mär,1568 verhüten, wünschte Katharina den Frieden: er wurde in Longjumeauabgeschlossen und erneuerte das Edikt von Amboise.
Wrebün- Indes die Erhebung vom September 1507 hatte die Erbitterung dergen katholischen Massen gesteigert und blieb auch bei Karl IX. und Katharinaunvergessen, obgleich die Hugenotten genau so wie die Niederländer (L 130)behaupteten, daß sie sich nicht gegen den König, sondern gegen "dessenRatgeber auflehnten. In den Provinzen wurde der Friede vielfach