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Dritter Band.
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Zweites Buch: Zeitalter der Gegenreformation (1855—1618).

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Eindruck der antispanischen Politik, an deren Durchführung nun niemand mehr dachte, zuverwischen. Alle diplomatischen Berichte der Zeit stimmen darin überein, daß die Bartho-lomäusnacht nicht lange vorbereitet gewesen sei. Anderseits kann man aber nicht, wie ver-sucht worden ist, die Hauptschuld auf die Pariser Bevölkerung abwälzen. Ihr Fanatismushat bei den Schreckenstaten eine fürchterliche Rolle gespielt, aber entfesselt worden ist er durchKatharina und die Guisen. Die Königin-Mutter, „die Furie von Frankreich", bleibt dieHauptschuldige; ihr Hauptmotiv war Herrschsucht und Eifersucht auf Coligny: ihn wollte sietreffen, und weil das nicht gelang, mußten auch die übrigen fallen. Als Tat des Augen-blicks wird die Bartholomäusnacht etwas verständlicher, als wenn man annimmt, daß sielange vorbereitet gewesen sei. Natürlich übertrifft sie auch so noch an Fürchterlichkeit alles,was von den Christenverfolgungen der römischen Kaiserzeit berichtet wird, was im 16. und17. Jahrhundert an kirchlichen Bluttaten geschehen ist; auch so noch sind im Namen derReligion der Liebe zur größeren Ehre Gottes von einem König Mordbanden gegen die eigenenwehrlosen Untertanen gehetzt worden.

Wh"°lo7 8 145» Wiederausbruch des Krieges. Die Anfänge Heinrichs III.

miiusnacht Die Bartholomäusnacht hatte für die auswärtige und innere PolitikFrankreichs die schlimmsten Folgen. Philipp II. hatte alle Ursache, sichdes Ereignisses zu freuen: die großangelegte antispanische Aktion warunmöglich geworden, er konnte sogar hoffen, Frankreich in eine gewisseAbhängigkeit zu bringen; in den Niederlanden aber scheiterte OraniensFeldzug, und Alba nahm furchtbare Rache an Holland (§ 130). Im

^is 72 —is?8° Innern begann der Religionskrieg von neuem; nach der ersten Bestürzungermannten sich die Hugenotten, und LaRochelle widerstand wie Alkmaar(Z 130) tapfer einer langen Belagerung. Zudem lastete auf den Katholikendas böse Gewissen; immer mehr Gemäßigte wandten sich von den blut-befleckten Fanatikern ab und mehrten die Zahl der Politiker, an derenSpitze die Söhne des berühmten Hugenottenfeindes Franz von Mont-morench (§ 140), der Marschall Franz und der Gouverneur von Langnedoc,Heinrich (Damville), standen. Deshalb gewährte die Regierung imvon Boulogne den Städten La Röchelte, Nimes undMontauban sowie dem hohen Adel freien Gottesdienst, den übrigenHugenotten häusliche Andacht.

K^nsiut- Natürlich befriedigte das nicht; vielmehr rüsteten sich die Hugenottendes Südens durch eine festere Organisation zu weiterem Widerstände undgaben sich eine Art ständische Verfassung durch nach Bezirken vorgenommeneWahl von Abgeordneten. Dazu wurde das Regiment der Katharina (der„Italienerin") auch in anderen Kreisen immer verhaßter, nicht zumwenigsten wegen der Zerrüttung der Finanzen und wegen des hartenSteuerdrucks; nicht bloß die Hugenotten, auch die Politiker sprachen vondem Mißbrauch der königlichen Gewalt und von der Notwendigkeit, sieim Interesse des „öffentlichen Wohls" einzuschränken. Hierzu kam einZwiespalt im Königshause. Katharinas jüngster Sohn Franz vonAlenxon fühlte sich zurückgesetzt und beanspruchte, seit sein BruderHeinrich von Anjou nach Polen abgereist war (8 169), Anteil an derRegierung; er näherte sich den Politikern und dachte die „Italienerin"zu stürzen, wurde aber vorläufig wie auch Heinrich von Navarra am Hofe

80 .Mai 1574 in Haft gehalten. Inmitten dieser Wirren starb Karl IX., gefoltert vonGewissensbissen wegen der Bartholomäusnacht und geängstigt von schwerenTräumen.

Sein Nachfolger Heinrich III. entwich heimlich aus Polen (Z 169),wo er sich gar nicht Wohl fühlte, um über Venedig nach Frankreich zurück-zukehren. In Piemont traf er mit Damville zusammen und versprach