8 175. Fünftes Kapitel: Deutscht, v. Augsb. Religionsfrieden bis z. Dreißigjähr. Kriege. 291
daß Deutschland die Möglichkeit, diesen Krieg außerhalb seiner Grenzenzu führen, verpaßt habe. Sie zu ergreifen, dazu wäre allerdings ein pro-testantischer Kaiser nötig gewesen oder mindestens eine in sich geschlossene,von weitblickenden Staatsmännern geleitete protestantische Fürstenpartei.
Daß der Augsburger Religionsfriede die Gegensätze nicht wirklich nen^Str°u-°versöhnen konnte, ergab sich schon aus den dort ungelöst gebliebenen p"""-Fragen. Allgemein anerkannt war nur die Bestimmung, die den Reichs-ständen die Freiheit des religiösen Bekenntnisses gewährte; doch galt dasauf protestantischer Seite nur für die Anhänger der Augsburger Kon-fession. Die sogenannte Ferdinandeische Deklaration (Z 72) aber, welcheden evangelischen Untertanen geistlicher Fürsten Religionsfreiheit verhieß,war nicht in das Reichsgesetz aufgenommen und wurde von den Katholikenbestritten. Auf der anderen Seite hatten die Evangelischen dem GeistlichenVorbehalt (ß 72) nicht zugestimmt und fuhren in den Säkularisationenfort. Noch ein Jahrhundert lang haben sich hieraus Streitigkeiten ergeben.
Wenn zunächst der Friede nicht ernstlich gestört wurde, so lag das Nreun"-vorwiegend an dem allgemeinen Ruhebedürfnis und an der Schwäche des «4° KaiserKatholizismus, sowie an der Haltung der nächsten beiden Kaiser. F e r d i - ^Znand i.nand I., der, 1558 zum Kaiser gewählt, diesen Titel ohne päpstlicheKrönung und unter Protest des Papstes annahm, war persönlich strengkatholisch, hielt aber die Wahrung des von ihm gestifteten Friedens fürseine wichtigste Aufgabe und trat den Fortschritten des Protestantismusnicht entgegen. Sein Sohn Maximilian II. war sogar im Herzendem neuen Glauben entschieden zugetan. Als Prinz hatte er einen evange-lisch gesinnten Hofprediger, feierte das Abendmahl unter beiderlei Gestaltund stand zu den evangelischen Fürsten in nahen Beziehungen. Er warvielleicht sogar bereit, überzutreten, wenn diese sich verpflichtet hätten,ihn bei der Kaiserwahl kräftig zu unterstützen. Es war ein großer
Maxi-milian II.15«t—I57S
Gründeseines Ver-
Augenblick, aber er fand ein kleines Geschlecht: die protestantischen Fürsten KAUA'Ergriffen ihn nicht; und so hinderte der Vater den Übertritt Maximilians, Glaubenindem er ihm vorstellte, daß bei der Kränklichkeit des Don Carlos (ß 117)ihm vielleicht einmal die spanische Krone zufallen könne, und daß der Trägerder Kaiserkrone des Heiligen römischen Reiches dem katholischen Glaubenangehören müsse. Die Rücksichten auf die spanische Linie seinesHauses und auf den bisherigen Charakter des Kaisertumshaben Maximilian denn auch später vom Übertritt abgehalten. Hier zeigtks sich wieder einmal, wie verhängnisvoll die Verbindung der deutschenKönigskrone mit der römischen Kaiserwürde gewesen ist: was andereStaaten groß gemacht hat, das nationale Königtum, das eben fehlte demdeutschen Volke; und während die Reformation die eigentlich nationaleTat der Deutschen war, blieb der Kaiser der Schutzherr des Katholizismus.
Auf den internationalen (römischen) und katholischen Charakter seinerWürde verzichtete Maximilian also nicht, aber günstig gesinnt blieb er denEvangelischen bis gegen Ende seiner Regierung, wo die Vermählung seinerTochter Anna mit Philipp II. (Z 117) ihn in noch nähere Beziehung zuSpanien brachte und zugleich der erstarkte Katholizismus die Gegenrefor-mation begann.
Daß Maximilian den entscheidenden Schritt nicht tat und dann dieReaktion einziehen konnte, daran waren nicht zum wenigsten die Pro- sAAA^stauten selbst schuld. Die Gesamtlage war zunächst für sie so günstig
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