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Dritter Band.
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Zweites Buch: Zeitalter der Gegenreformation (1555—1618).

8 ISO.

Die durch die Reformation herbeigeführte Teilnahme der Gemeinde amKirchengesange ließ aus der frischen, alten Volksweise die Melodie des evange-1 SS 3 -WN Mischen Chorals erblühen, die Orlando Lassos Schüler, Johannes Eccardaus Mühlhausen, kunstmäßig ausbildete. Er starb als Kapellmeister in Berlin.Mit ihm gab „der Vater der deutschen Musik", Heinrich Schütz aus Köstritz, derauf protestantischem Boden erwachsenen Musik ihre Vollendung.

Beide bahnbrechende Geister bezeichnen „den Eintritt und die Obergewalt eines neuenVolkes in der Geschichte der Musik". Schütz war aus der Venezianischen Schule Gabrielishervorgegangen, begründete als Meister der Dresdener Kapelle ihren Weltruf, gab aber imDreißigjährigen Kriege diese Stelle auf, um sie erst nach dem Westfälischen Frieden wiederzu übernehmen. Auch für die Oper hat er größte Bedeutung, da er die von Opitz (Z 254)verdeutschte Dafne des Rinuccini (Z 189) komponierte.

^Musn^ Der weltliche Gesang war den Troubadours, Minstrels und Minne-singern überlassen geblieben. Um die Wende des 15. zum 16. Jahrhunderte istauch für ihn wie für die kirchliche Musik der Sieg der Mehrstimmigkeit ent-schieden, die ihm besonders zwei Formen schafft, das Madrigal und dieV i l l a n e l l e.

Madrigal Als Erfinder des Madrigals gilt Willaert. In Massen erzeugt, wurde es für dievornehme Welt das beliebte Gefäß für jedweden weltlichen, namentlich idyllischen Inhalt,eine Art Chor bei dramatischen Aufführungen aller Art und bei festlichen Aufzügen, endlichdie damalige Kammervokalmusik, die selbst Palestrina, Gabrieli u. a. ihrer Kunst nicht für^isso—erachteten, Luca Marenzio in gefälligster und erfolgreichster Weise gehand-habt hat.

Auf dieser seiner ersten Stufe trat der weltliche Chorgesang aus dem strengenBanne des Kontrapunktes heraus, löste die Melodie in Harmonie auf und wurdedurch die erlangte Freiheit für verschiedene Zwecke geeignet. Es konnten sichbesonders die geistlichen Volksspiele dieser mächtigen Einwirkung nicht entziehen,und im Laufe der Zeit entwickelte sich aus ihnen gleich wie das Drama, so auchOper die Kunstform der Oper. Zu ihr leitete das Madrigal, wie die Kantate zumOratorium über. Im Jahre 1597 wurde die erste Oper aufgeführt, Dafne,das gemeinsame Werk des Dichters Rinuccini und des Komponisten Peri wiedie in Ausstattung und Musik unvergleichlich reichere Euridice von 1600, demGeburtsjahre auch des ersten Oratoriums.

Der mächtigste Antrieb zur Schöpfung des neuen Mufikdramas liegt jedoch weiterzurück, nämlich in der Zeit der Umgestaltung der italienischen Bildung durch das Wieder-aufleben der Künste und Wissenschaften. Sollte das griechische Schauspiel auferstehen, sogalt es einen Ersatz für die musikalische Deklamation der Alten zu finden. Das führte diePlatonische Akademie von Florenz (II, Z 330) auf das Rezitativ. Die volle Verständlich-keit des Wortes war die erste Forderung der Kunstfreunde, und sie nannten das Mittelding»lunicL i>Lr- zwischen Rede und Gesang inusios, purlunto, stils rs.pprsssnks.tivo. In diesem einfacheniLiits S^le war die erwähnte erste Oper des Jacopo Peri (ß 189) vom Jahre 1597 geschrieben,un^iem Aber bei den gesang- und melodieliebenden Italienern hatte der musikalisch-deklamatorischeVortrag kein Glück. So wurde denn bald das Rezitativ bewegter, die Melodie trat hervor,die Harmonie dagegen als Begleiterin des Gesanges zurück, und im 17. Jahrhunderte bildetesich die Oper aus, die durch den Wechsel von Arien und Chören nebst einer vollständigenInstrumentalmusik zum Ausdrucke der individuellen Empfindung und Leidenschaft wie zurDarstellung bewegter Auftritte musikalisch befähigt ward.msv-iÄe 2lls erster Opernkomponist verdient Claudia Monteverde bezeichnet zuwerden.

Er war Kapellmeister von St. Marco in Venedig und errang sich einen Namen mitden Opern Orfeo und Arianna durch Arien von höchstem Reize. Auf den gleich tüchtigenAmalli Francesco Cavalli geht eine durchgreifende Neuerung in der Instrumentalmusik zurück,in der er für die Oper fortan den Geigen die Führung sicherte.

Justrum-N- Die Instrumentalmusik wurde erst um 1650 für selbständige Be-talmusik Handlung (Suiten) reif. Bis dahin waren die Blasinstrumente, wie Posaunen,Zinken, Trompeten, Flöten, Pfeifen mannigfacher Art, und die Schlaginstrumente(Zithern und Lauten), endlich Orgel und Klavier nur Begleiterinnen des Gesanges.