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Zweites Buch: Zeitalter der Gegenreformation (1555—1618).
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hat, in auffälligem Widersprüche zu seinem Leben namentlich in der Schrift Von derStandhaftigkeit bei öffentlichen Leiden (Os oonstantin in walis publiois)vertrat.
Weit wichtiger aber wurden die Zusammenhänge, die zwischen der Philo-sophie und der Naturwissenschaft bestanden und das Denken der Zeit mit demNeuplatonismus und der noch weiter zurückliegenden „Physik" der Jonier (l, Z 88)verbanden.
In der Florentiner Akademie (II, 8 33V), besonders von Pico de Mirandola undFicino angesponnen, geht der Faden dieser Denkrichtung durch die Hände des Leonardo dada Biuci Vinci, Reuchlins (8 21), des Paracelsns und des Agrippa von Nettesheim (8 98, 6), dannder drei großen Sternforscher Koppernikus (8 98, 5), Kepler und Galilei und läuft danndreigeteilt in den Ticfsinn des deutschen Mystizismus, in die theologische Naturphilosophieder Italiener und in die auf Erfahrung gegründete Wissenschaft Bacos aus.
Mystik In der deutschen Mystik reiht sich an ihren Begründer Meister Eckardund an ihre Weiterbildner Thomas a Kempis, Suso und Tauler (H, § 305.III, Z 90) der Pfarrer von Zschopau, Valentin Weigel.
^ISSS-ISW* Für ihn sind Gott und der menschliche Geist Wesenseins, so daß sich Gott selber inuns sieht und erkennt, weshalb alle Gotteserkenntnis aus dem eigenen Inneren quillt, indem, nicht aber außerhalb dessen das Reich Gottes ist. Von ihm und Paracelsns (8 98, 6)^ 1575 —angeregt, hauptsächlich aber auf Grund der Bibel bildete der Görlitzer Schuster JakobBöhme aus Alt-Seidenberg seine tiefsinnige, aus unmittelbarer Anschauung des Göttlichengeschöpfte, in ihrer Schwärmerei aber wunderliche Lehre vom Wesen der Gottheit und vomUrsprünge der Dinge aus, für die er die Bedeutung göttlicher Offenbarung beanspruchte.Seltsame Gesichte in seiner Jugend bestärkten ihn in seiner Grübelei. Die lange Reihe seinerwegen Eigentümlichkeit und Tiefe der Gedanken und durch die bildliche Sprache schwerverständ-lichen Werke eröffnete Aurora oder die Morgenröte im Aufgange. Sie zog ihmzuerst Angriffe der Geistlichkeit zu, die später seinen Weggang von Görlitz veranlaßte und nurgezwungen ihm ein ehrliches Begräbnis bewilligte.
Der italienischen Philosophie erstand in diesem Zeitraume ihr be-geistertster, kühnster und in der Schwungkraft seines Denkens unerreichter Ver-^S 48 ^ 16 M° treter, Giordano Bruno aus Nola, der, Seher und Dichter zugleich, was seingeistiges Auge am Urgründe der Dinge und hinter dem Schleier der letzten Ge-heimnisse erschaut hatte, dem Rhythmus des Verses anvertraute.
Seinen hochstrebenden, nach Erkenntnis lechzenden Sinn litt es nicht lange im Domini-kanerkloster zu Neapel. Er flüchtete nach Genf, mußte aber vor seinen Verfolgern nachLyon, Toulouse, endlich nach Paris entweichen. Hier geißelte er im satirischen LustspieleII ognäslaio (Der Lichtzieher) Aberglauben, Heuchelei, Sittenlosigkeit, Alchimie und andereGebrechen der Zeit, suchte das seltsame System des Spaniers Lullus (1234—1315), Ge-danken und Begriffe rein mechanisch zu finden und zu verknüpfen, wissenschaftlich weiter-zubilden, geriet aber mit den Aristotelikern in Streit und wandte sich nach London. Hierschrieb er Im osnn äslls osnsri (Aschermittwochsmahl), fünf Dialoge über die Unendlichkeitdes Alls und die ewige Bewegung der Himmelskörper, auch der Erde im Sinne des Kopper-nikus, dann die grundlegenden Werke Öolla eausa, xrinvipio sck uno und Dell' intinitouuivsrso s inoncki, ferner Lpaeoio äslla bsstia trionkantg (Vertreibung des triumphierendenTieres), eine Allegorie, in der Jupiter den Himmel von den als Tieren dargestellten Lasternreinigen läßt, mit deutlichen Beziehungen auf den päpstlichen Hos, dann die Oabaln äslvs.va.I1o OoZsso und DoZIi si-aloi lurori, von denen die Kabbala des Pegasus spöttischdie gedankenlose Gläubigkeit glücklich preist, während die heroischen Rasereien die zur himm-lischen Liebe geläuterte Sinnlichkeit als Führerin zur Gottseligkeit und Gottähnlichkeit ver-herrlichen. 1585 ging Bruno abermals nach Paris, hielt dann Vorlesungen in Wittenbergund trat wahrscheinlich in Braunschweig zum Protestantismus über. Unstät wanderte erin Deutschland umher. Als er in fein Vaterland zurückzukehren wagte, wurde er in Venedigverhaftet und dann am 17. Februar 1600 in-Rom verbrannt.
Bruno geht aus von dem Einen, das Gott ist. Gott ist das Sein in allem Dasein,die allgemeine Substanz, durch die alles ist, die Wesenheit, aus der alle Wesen hervor-gehen, die innere schöpferische Natur aller Dinge. In ihm sind alle Gegensätze aufgehoben-Seine Entfaltung und Entäußerung in Raum und Zeit ist das All, das Werdende, er dasSeiende, die durch die Vielheit der Einzeldinge ausgegosseue Weltseele. Geistiges undKörperliches haben somit eine Wurzel, die Substanz oder Materie; der Substanz nach ist