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Dritter Band.
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Zweites Buch: Zeitalter der Gegenreformation (1555—1618).

8 191.

2. Philo-logte

Henricus

Stephanus

1528-1598

Hotrnan

1524-1590

Lujaeius

1522—1590

Pithoeus

1539-1596

I. I. Sca-liger

1540-1609

Casaubonus

1559-1614

Dousa

1545-1604

3. Ge-schicht-schreibung

Lhuanus

1553-1617

BaroniusISSS—1607

Raleigh

I5SL-1618

4. Rechtund Staat

Bodinus1530—1596

Jenes gibt eine Gesamtübersicht aller Zweige der Wissenschaft; dieses zieht die Grund-linien der Methode, des Verfahrens bei wissenschaftlicher Forschung, die, auch wo sie aufdas Gebiet des Geistes vordringt, durchaus an die Gesetze der Naturforschung, an Beob-achtung und Erfahrung, gebunden sei. Übermenschliches, so könnte es scheinen, hatte sichBaco vorgenommen; denn die neue Einteilung der Wissenschaften konnte nur dem gelingen,der das ganze menschliche Wissen in seiner Breite und Weite übersah. Aber Bacos Erfolgebei der gelehrten Welt seiner und der Folgezeit zeugen von der glücklichen Lösung seinerAufgabe, so seltsam manches, wie die Ablehnung der koppernikanischen Weltansicht oderdas Gebot, der Glaube solle sich nicht an dem Widersinne der Religionssätze stoßen, geradebei dem strengen Vertreter der crfahrungsmäßigen Erkenntnis berühren mag. — Dem durch-dringenden Verstände Bacos stand keine sittliche Hoheit zur Seite. So scharf ihn seineNaturphilosophie in Gegensatz zu den herrschenden Wclterklärnngsversuchen der Theologenbringt: der Kirche gegenüber hat er sich nie als Freigeist bekannt. Graf Essex war seinfreigebiger Gönner: nach seinem Sturze ließ sich Baco herbei, die Anklageschrift zu verfassen.Von Stufe zu Stufe bis zum Lordkanzler und Peer war er aufgestiegen, da kam er wegenungesetzlicher Verwendung öffentlicher Gelder zu Falle (Z 226). Erst nach Jakobs I. Todeerhielt er die Freiheit und seinen Sitz im Parlamente zurück.

Den humanistischen Studien hatte Frankreich bereits früher warmesInteresse entgegengebracht. Jetzt übernahm es die Führung auf diesem Gebiete.

Gut war der Boden bestellt. Außer verschiedenen Klasstkerausgaben hatte der viel-gereiste und gelehrte Buchdrucker Henricus Stephanus (Henri Estienne) aus Paris, desRobertus Stephanus (Z 89) Sohn, den Tbssnnrrm linAuns Kraseas und damit der Philo-logie ein unentbehrliches Hilfsmittel geschaffen. Ebenfalls durch Veröffentlichung alterTexte und nicht nur aus ihrer Fachwissenschaft machten sich drei Rechtslehrer, FranciscusHotoman nus (Francois Hotman) aus Paris (Z 98,4), dann die „Perle unter den Rechts-gclehrten", Jacobus Cujacius (Jacques Cujas) aus Toulouse (8 89 und 98,4), der Vaterder humanistischen Nechtsfchule, und Petrus Pithoeus (Pierre Pithou) aus Trotzesverdient.

Die glänzendsten Namen der französischen Philologie sind indessen Scaligerund Casaubonus.

Joseph Justus Scaliger ldella Scala) aus Agcn wurde von den namhaftesten Huma-nisten Frankreichs, insbesondere von seinem Vater Julius Cäsar Scaliger (Z 89) in dasAltertum eingeführt. Selbständig erstreckte er später seine Forschung auf abgelegenere Ge-biete. Gerade für diese aber, z. B. für die Zeitrechnung der Alten, für Inschriften- undMünzenkunde, haben seine vielgepriesenen Werke den Grund gelegt. Von seinem Philo-logischen Scharfsinne zeugen zahlreiche Ausgaben namentlich römischer Dichter. Für dasgriechische Schrifttum ergänzte seine Tätigkeit Jsaac Casaubonus (Z 89 und 98,2). AnKenntnissen dem großen Scaliger ebenbürtig, im Urteile ihm überlegen, teilt er mit ihmden Ruhm, der französischen Philologie ihren Ehrenplatz in der Geschichte errungen zu haben.

Ein Kenner römischer Dichter und Geschichtschreiber war der Niederländer JanusDousa (Jan van der Does), der auch den lateinischen Vers mit ungewöhnlichem Geschickehandhabte.

Die Sprache der Geschichtschreibung bleibt vorläufig das Latein.

In den Niederlanden schrieb Grotius (Z 260) Lmnnlss st bistorias äs rsbusLslAieis und Qs aiitiguitats rsixniblisas Latavieas im Stile des Tacitus, während sichder Franzose Jacques de Thou (Thuanus) in der ausführlichen, die zweite Hälfte des16. Jahrhunderts umfassenden Listoria den Livius zum Vorbilde nahm. — Gegen dieMagdeburger Zenturiatoren (Z 98,3) richteten sich die groß angelegten banales eedssiastiois, Obristo uato aä nuuum 1198 von dem späteren Kardinal Cäsar Baronius. Sie be-ruhen auf eingehenden Quellenstudien und werden darum geschätzt, obwohl sie nicht freisind von bewußter Einseitigkeit und Irrtümern. — Die erste englische Weltgeschichte schriebder als Kriegsheld, als Förderer der Ansiedelungen in Nordamerika und als Entdecker be-rühmte Sir Walther Raleigh (Z 159) im Gefängnisse, wohin ihn der Verdacht, an einerVerschwörung gegen Jakob I. teilgenommen zu haben, gebracht hatte. Das zunächst auf-geschobene Todesurteil wurde schließlich noch vollstreckt, als Raleighs Unternehmen gegenGuayana fehlschlug.

Rechts- und Staatslehre machten namentlich in Frankreich, aberauch durch deutsche und niederländische Forschungen beachtliche Fortschritte.

Von dem vielseitigen Grotius ist im Z 260 zu sprechen. Ganz eigene Auffassungenvertrat der Franzose Jean Bodin in seinem gelehrten Werke Vom Staate, worin er