368 Drittes Buch: Ende der spanisch-katholischen Borherrschaft (1618-1660). H 218.
Handlungen war sein bester Gehilfe der sehr gewandte KapuzinerpaterJoseph (Franz Leclerc du Tremblay Z 201).
Eine besondere Schwierigkeit ergab sich für Richelieu daraus, daß eineund energische auswärtige Politik zunächst durch die innere Lage unmöglichm» gemacht wurde. Deshalb suchte er anfangs direkte kriegerische Verwick-lungen für Frankreich zu.vermeiden; er mußte sich in der Hauptsachedarauf beschränken, alle Feinde Spaniens diplomatisch und finanziell zuunterstützen und aus den europäischen Wechselfällen Nutzen für Frankreichzu ziehen. In dem Maße, in dem die inneren Feinde des absolutenKönigtums überwunden wurden, wurde dann ein unmittelbares Eingreifennach außen hin möglich: so hing die Art der äußeren Politik sehr wesent-lich ab von den Erfolgen im Inneren.
Gleich der erste antispanische Schritt wurde durch die inneren Wirrengelähmt. Richelieu ließ durch französische Truppen und geworbene SchweizeriKLt das Veltlin besetzen (8 197), wurde dann aber durch einen neuen Huge-nottenkrieg in Anspruch genommen und mußte die Besetzung des Velt-lin unter dem Einfluß der katholischen Partei rückgängig machen, konntesich auch gegen die Intriguen des Adels nur durch rücksichtslosesEingreifen behaupten.
Erster Huge- Aus Furcht, daß ihnen noch mehr Sicherheitsplätze entzogen werden könnten, erhobenEenMe» sich die Hugenotten unter Rohan und Soubise. Es war ein eigentümliches Schau-spiel, daß Richelieu im Kampfe gegen sie durch englische und holländische Schiffe unterstütztwurde; aber es erklärt sich das daraus, daß die Voraussetzung einer energischen antispanischenPolitik Frankreichs, wie sie den Wünschen dieser Mächte entsprach, der Friede im Innern war-ü. Febr. 1628 Deshalb bestätigte Richelieu auch in dem unter englisch-holländischer Vermittlung geschlossenenFrieden den Hugenotten die Zugeständnisse des Ediktes von Nantes. Damit waren nun dieVeltlin Vorkämpfer des Katholizismus nicht einverstanden, und er mußte ihnen, voran der Königin-
10. Mai 1626 Mutter, an einer anderen Stelle nachgeben: auf Grund des Vertrages von Barcelona
wurden die französischen Truppen aus dem Veltlin zurückgezogen. Zugleich aber entstand einKomplott, dessen Ziel der Sturz des Kardinals und die Übertragung der Regierung an denAdelsver- Prinzen Conde und an Gaston von Orleans, den Bruder des Königs, war. Beteiligtschwörung waren dabei vor allem der Marschall Ornano und Heinrich von Tallehrand; letztererwar gewonnen durch die Witwe Alberts de Luhnes, Marie von Rohan, die jetzt mit demHerzoge von Chevreuse vermählt war, wie denn überhaupt jetzt und später bei den Hof-kabalen intrigante Frauen eine große Rolle spielten. Richelieu griff energisch durch, indem
11. Aug. 1626 er Tallehrand und Ornano verhaften ließ; jener starb auf dem Schafott, dieser im Ge-2. Sept. 1626 fängnis. Der König hatte ein Entlassungsgesuch Richelieus abgelehnt und ihm versprochen,
auf keine Verleumdungen mehr zu hören.
Die nächsten Jahre brachten dem Kardinal weitere Erfolge. Zu-1626-1627 nächst gewährten die Beschlüsse der Notabelnversammlung seinerPolitik einen Rückhalt; sodann aber gelang es im zweiten Huge-nottenkriege die tapfer verteidigte Stadt La Rochelle trotz der eng-
1628 lischen Hilfe, die ihr zuteil wurde (ß 227), zu erobern. Damit verloren dieHugenotten ihre Sicherheitsplätze; sie bildeten nicht mehr einen Staat imStaate und sollten sich nicht mehr selbst verteidigen; aber — und das istdas Große der Politik Richelieus — sie wurden deshalb nicht unterdrückt,
1629 vielmehr übernahm nun auf Grund des Gnadenedikts von Nrmesder Staat die Ausführung des Edikts von Nantes.
Notabel»- Nach dem Komplott Ornanos wünschte Richelieu seine Stellung durch die Zustimmungversamm- weiterer Kreise zu stärken. Deshalb berief er (es geschah zum letzten Male vor der Revolu-D-y""i626 tion, IV, 8 4 ) eine Notabelnversammlung, d. h. eine Versammlung, in der an-—Feb'r. 1627 gesehene Männer aller Stände nach freier Wahl des Königs saßen. Und in der Tat er-klärten diese u. a-, daß die Festungen im Innern des Landes, die nicht zur Verteidigung gegenauswärtige Feinde, sondern als Stützpunkte für Aufrührer dienten, geschleift, daß jede Er-