8 218. Zweites Kapitel: Aufschwung Frankreichs, der Niederlande u. Großbritanniens. 367
sollte, Verbindung mit dem Adel gesucht hatten. Der König erschien mitHeeresmacht in Bearn, und die Rückgabe der Kirchengüter wurde durch-geführt. Obgleich die Religionsfreiheit sonst nicht beschränkt wurde, erhobensich nun doch auch die übrigen Hugenotten. Während des Krieges, derdurch innere Uneinigkeit und mangelhafte Rüstungen zu ihrem Nachteilausschlug, starb Luynes zur Freude der Nation und des Königs, der is. Dez. Miseiner bereits überdrüssig geworden war. Im Frieden von MontPellieris.Okt. i6L2svurde den Hugenotten das Edikt von Nantes bestätigt, jedoch die Zahlihrer Sicherheitsplätze vermindert. Damit hatte die Krone gesiegt.
§ 218. Richelieus Ziele. Seine Erfolge bis 1629. Seit dem AgEZg-nFrieden von Montpellier lenkte die französische Regierung auch in die P°n«rseit 1610 verlassene auswärtige Politik Heinrichs IV. (8 149) zurück.
Eine ernste Mahnung dazu enthielten die im böhmisch-pfälzischen Kriegeerrungenen Erfolge des Hauses Habsburg, die überall die größten Besorg-nisse weckten (§ 197). Ein Beweis für die in Frankreich eintretendeWandlung waren das mit Venedig und Savoyen in Lyon geschlossene EBündnis und die Verhandlungen über die Vermählung einer französischenPrinzessin mit dem englischen Thronfolger (8 226). Und nun übernahmder für die Durchführung dieser Politik geeignetste Staatsmann die Leitungder Geschäfte: Jean Armand du Plessis de Richelieu.
Geboren am 5. September 1585 auf Schloß Richelieu in Poitou, war Richelieu zu- MchsU-unächst für den Soldatenstand bestimmt, widmete sich aber, da er Aussicht auf das Bistum kAgz' S°pt-Luxon hatte, bald dem geistlichen Berufe. In der Tat wurde er schon 1608 Bischof von 4. Dez. M42trat dann politisch zuerst in den Reichsständen von 1614 als Vorkämpfer derMistllchkeit hervor (Z 217). Vom Marschall d'Ancre wurde er 1616 in den Staatsrat be-rufen, mußte aber nach dessen Tode zugleich mit der Königin-Mutter Paris verlassen; er8mg nach Lucon und Avignon und benutzte seine unfreiwillige Muße zur Abfassung einer»Unterweisung der Christen", blieb aber in Beziehung zu Maria von Medici. Seitdem erderen Aussöhnung mit Ludwig XIII. vermittelt hatte, genoß er auch das Vertrauen desKönigs, wurde auf dessen Verwendung 1622 Kardinal, trat im April 1624 in den Staats-rat ein und am 12. August an die Spitze der Regierung.
Seine großen Ziele waren im Inneren die Herstellung des un- Zm°umschränkten Königtums durch Niederwerfung aller imStaate bestehenden Sondergewalten, nach außen die Hebungder französischen Macht durch den Kampf gegen das spani-sche Übergewicht und durch Abrundung des französischenStaatsgebietes. Seine Gegner im Inneren waren die Hugenotten, G-g»-rdie mit ihren Sicherheitsplätzen und ihrer politisch-kirchlichen Organisationeinen Staat im Staate bildeten (ß 143, 148), die Prinzen von Geblüt undhohen Adligen, die eine dem deutschen Fürstentum ähnliche Selbständig-keit beanspruchten, die Königin-Mutter, die auf ihren früheren Einflußuicht verzichten wollte und ihre Neigung zu Spanien nicht aufgab, endlichauch die katholische Kirche, deren Übergriffe in die staatlichen Rechte Richelieunicht dulden wollte. Trotz dieser zahlreichen Feinde hat er achtzehn Jahrekaug den Staat geleitet; er behauptete sich gegen alle Intriguen undKabalen im letzten Grunde deshalb, weil seine Politik die wirklich natio-nale war und dem wahren Wohle des französischen Volkes und seinerGröße diente. Diese Erkenntnis drängte sich auch dem Könige auf, undeben deshalb hielt er — das ist sein größtes Verdienst — an dem ihnüberragenden Minister fest, obgleich er ihn nicht liebte. Sonst warRichelieu in der Hauptsache auf sich angewiesen; in diplomatischen Ver-